STAFFEL 9 ist online. Freue mich, wenn ihr rein hört. Euer Andy Scholz.

Stefanie Regina Dietzel

Shownotes

In Vertretung für Dr. Christiane Stahl war Stefanie Regina Dietzel vom 20. bis 22. November 2025 zu Gast als Referentin beim INTERNATIONALEN FESTIVAL FOTOGRAFISCHER BILDER und hielt in Vertretung für Dr. Christiane Stahl einen Vortrag über eine Ausstellung von Jon Foncuberta in der Alfred Ehrhardt Stiftung Berlin. In ihrem Vortrag berichte sie nicht nur über die Ausstellung sondern erzählt, warum sie grandios scheiterte. Sie ist Leiterin Archiv der Alfred Ehrhardt Stiftung in Berlin.

Stefanie Regina Dietzel studierte Kunst- und Bildgeschichte an der Humboldt Universität zu Berlin. Sie absolvierte ein wissenschaftliches Volontariat an den Staatlichen Museen zu Berlin, wo sie im Museum für Fotografie 2019 eine Retrospektive des Fotografen Ludwig Windstosser erarbeitete. Zuletzt kuratierte sie 2023 die Ausstellung »Fortschritt als Versprechen. Industriefotografie im geteilten Deutschland« am Deutschen Historischen Museum. Aktuell leitet sie das Archiv der Alfred Ehrhardt Stiftung in Berlin und promoviert in Theorie und Geschichte der Fotografie an der Folkwang Universität der Künste in Essen.

Links

https://www.aestiftung.de

https://festival-fotografischer-bilder.de/portfolio/dr-christiane-stahl/

Foto: Susanne Suttner

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Episoden-Cover-Gestaltung: Andy Scholz Episoden-Cover-Foto: Susanne Suttner


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Idee, Produktion, Redaktion, Moderation, Schnitt, Ton, Musik: Andy Scholz

Der Podcast ist eine Produktion von STUDIO ANDY SCHOLZ 2020-2026.

Andy Scholz wurde 1971 in Varel geboren. Er studierte Philosophie und Medienwissenschaften an der Universität Düsseldorf, Kunst und Design an der HBK Braunschweig und Fotografie/Fototheorie an der Folkwang Universität der Künste in Essen. Er ist freier Künstler, Autor und Dozent. Seit 2012 unterrichtet er an verschiedenen Instituten, u.a.: Universität Regensburg, Fachhochschule Würzburg, North Dakota State University in Fargo (USA), Philipps-Universität Marburg, Ruhr Universität Bochum, Pädagogische Hochschule Ludwigsburg. 2016 wurde er in die Deutsche Gesellschaft für Photographie (DGPh) berufen. Seit 2016 ist er künstlerischer Leiter und Kurator vom INTERNATIONALEN FESTIVAL FOTOGRAFISCHER BILDER, das er gemeinsam mit Martin Rosner gründete. Im ersten Lockdown im Juni 2020 begann er mit dem Podcast und seit 2022 ist er Organisationsleiter vom Deutschen Fotobuchpreis, der ins INTERNATIONALE FESTIVAL FOTOGRAFISCHER BILDER in Regensburg integriert wurde. Er lebt und arbeitet in Essen (Ruhrgebiet).

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Transkript anzeigen

00:00:00: Fotografie neu denken, der Podcast.

00:00:03: Willkommen zurück zum Symposium des Internationalen Festivals Fotografischer Bilder!

00:00:08: Mein Name ist Andy Scholz.

00:00:16: Ja bevor wir zum nächsten Highlight des Symposiums kommen rufen wir uns noch einmal das Festiviltema in Erinnerung.

00:00:23: Fakt entfaked nämlich.

00:00:26: Das Festival stellte letztes Jahr die fundamentale Frage wo die dokumentarische Wahrheit aufhört Und die visuelle Torschung beginnt, haben wir auch schon in der vorangegangenen Folge mit Katharina Günther gehört.

00:00:41: Wie also ein solches Wechselspiel zwischen Wahrheit und Lüge in der Praxis funktioniert zeigt unsere nächste Sprecherin ganz deutlich Die Kunsthistorikerin und Archivleiterin Stephanie Regina Dietzel.

00:00:52: Der Alfred Erdstiftung In Berlin hatte uns in Vertretung für Christiane Stahl im November twenty-fünfundzwanzig einen Vortrag mitgebracht, der gleichermaßen klug wie unfassbar unterhaltsam ist.

00:01:04: Ihr Thema lautet Hat Charles Darwin etwas übersehen?

00:01:09: Stefanie Regena Dietzel wertet darin ein echtes Experiment aus – sie analysiert nämlich die Reaktionen des Publikums auf eine Ausstellung des berühmten Konzeptkünstlers Joan von Covertor.

00:01:24: Von Kuberta hatte eine vermeintlich wissenschaftliche Show über die unfassbare Schönheit der Natur inszeniert, die sich aber am Ende als kompletter möglicherweise genialer Fake herausstellte.

00:01:38: Halt genau hin wie sie beschreibt – wie Museumsmacher und Museumsbesucher im höchsten Entzirken schwelkten bis plötzlich der Schwindelauflug und zwischen Verblüffung und Nacktem entsetzen sogar die Türen flogen!

00:01:54: Ein großartiger Vortrag darüber, was wir sehen wollen und wann aus Fake ... nein.

00:02:00: Wann aus

00:02:01: Fakt

00:02:02: plötzlich fake wirkt wird?

00:02:04: Hier kommt Stefanie Regina Dietzel.

00:02:07: Viel Spaß!

00:02:11: Ich werde also über eine Ausstellung sprechen, schon von Coberta What Darwin Missed.

00:02:16: Die wir im September bis Dezember im letzten Jahr gezeigt haben und quasi eine Art kurzen Erfahrungsbericht dazu liefern.

00:02:24: hier ein erster Eindruck der Ausstellungen in unseren Räumen in der Alfred-R hat Stiftung.

00:02:28: dazu sage ich dann später auch noch ein bisschen mehr.

00:02:31: Und es waren natürlich so ein paar Überlegungen die wir im Vorfeld angestellt haben jetzt gerade auch in Verbindung mit KI Kunst.

00:02:38: Wir sind ein Ausstellungsort Also teilweise historische, aber auch zeitgenössische Positionen zeigt.

00:02:45: Und finden uns damit natürlich in gewisser Weise mehr und mehr an der Schnittstelle zwischen traditioneller Fotografie und eben dem sich entwickelten Bereich der KI-generierten Bilder.

00:02:57: Da stellt man sich schon die Frage wie stellt man KI Kunst aus?

00:03:01: Wie vermittelt man das?

00:03:03: damit um, in gewisser Weise erfordert das meiner Meinung nach auch ein tiefes Verständnis der Fotografie Geschichte.

00:03:09: Wo wir herkommen aber eben auch den Potenzialen die diese Art von Fotografien oder beziehungsweise Fotografiewildgebenden Verfahren in der Zukunft haben kann.

00:03:19: Diese KI-generierten Bilder stellen also in gewisser Weise unsere Vorstellungen von Autorenschaft, Kreativität und der Rolle des Künstlers infrage.

00:03:28: Und wir haben uns dann natürlich auch gefragt wie wird das als KuratorInnen oder HistorikerInnen im Kontext präsentieren können?

00:03:35: Der zum einen schon die Tradition der Fotografie vernünftig reflektiert aber gleichzeitig auch dieses Potenzial der neuen Technologien erkennt und uns eben auch gefragt, welche ethischen Überlegungen wir überhaupt in der Präsentationen oder Vermittlung zu den Besucherinnen dazu später mehr wenn es um die Reaktionen geht anstellen müssen.

00:03:54: Die Ausstellung schon von Cobert d'Avon Mist.

00:03:58: Sie sehen schon ein paar Bilder davon.

00:04:00: Wir haben hier Fotografien von echten Korallen beziehungsweise KI generierte Bilder die auf echten korallen Basieren gezeigt aber nebenbei auch Fotografien beziehungsweise Bilder von Korallen, die eben ein komplettes Hirn gespülnt sind.

00:04:20: Das hat natürlich einen Einfluss wie die Besucher in das Wahr nehmen und auch wie das visuelle Storytelling bei uns in der Galerie funktioniert.

00:04:29: Es war eine Werkserie mit rund sechszig Fotografin Und wir haben quasi schon von Kubert an unser Archiv gelassen.

00:04:37: Wir haben den kompletten Nachlass von Alfred Erhardt bewahren wir bei uns und er durfte sich letztendlich in Konvolut aussuchen, damit machen was er wollte.

00:04:44: Und er ist ja... Wir hatten vorhin schon mal ganz kurz über ihn gesprochen.

00:04:49: hier ein paar Beispiele seiner Arbeiten.

00:04:52: also er ist bekannt als Fotograf Kurator essayist und auch Dozent und vor allem eben auch immer für sein Spiel mit dem Publikum mit den Grenzen zwischen Realität und Fiktion, aber eben auch damit dass er immer wieder die Rolle und den objektiv, den vermeintlichen Objektivcharakter der Fotografie infrage stellt.

00:05:10: Das ist zwar in einer kritischen Aber auch immer sehr humorvollen wie sie es hier sehen und provokativen Weise tut.

00:05:18: Und hier ein paar Beispiele.

00:05:19: des Erste Bild aus der Serie Sputnik.

00:05:22: Da hat er sich einen russischen Astronauten ertacht Der auf seiner Mission im All verschwunden ist und dann quasi eher das Archiv von die Dokumente dessen ausgearbeitet hat.

00:05:35: Und das hier ist quasi die letzte Fotografie, die davon übrig geblieben ist.

00:05:40: Das ist die Erzählung, wobei man sich dann eben schon fragt, gut wer hat das Foto gemacht?

00:05:44: Was macht der Hunter?

00:05:45: Geht's dem gut!

00:05:47: Die letzte Serie also das letzte Foto mit diesem Gimpansen-Ree Tier, das ist das was vorhin erwähnt wurde eine Arbeit aus der Serie Fauna, wo er eben das Archiv des Dr.

00:06:03: Ameisenhaufen aufgearbeitet hat und da Fotografien-Dokumente gefunden hat von einem Naturforscher, der neue Tierart, neue Spezies entdeckt hat, diese dokumentierte, es gibt röntgen Bilder, es gibts quasi wissenschaftliche Zeichnungen und es gibt eben auch die echten Präparate, die dann in naturkündlichen Museumen ausgestellt worden sind.

00:06:23: Er spielt also immer mit der Institution selbst und hat diese Ausstellungen funktionieren oft so, dass es er nennt das Sondout in crescendo.

00:06:38: Es fängt erstmal glaubwürdig an man denkt sich okay gut wir nehmen jetzt diese Zeugnisse letztendlich, auch mit der Sache mit Dr.

00:06:45: Ameisenhaufen die Fotografien, die er da gefunden hat, waren alle vergilt und teilweise verwackelt hatten Kaffeeflecken.

00:06:51: wo man sich denkt so ja das sind Fotos die wurden auf einer Expedition gemacht, da hat die Kamera mal gewackelt und diese sind alt und die schimmeln jetzt vielleicht.

00:06:58: das ergibt total viel Sinn wo man das vielleicht im ersten Moment gar nicht hinterfragt.

00:07:02: und irgendwann auf dem fünften Bild sieht man dann eine Schlange mit acht Beinen oder man sieht ein dieses dieses Affentier mit eigentlich einem Rehkörper.

00:07:12: Und zum Ende der Ausstellung gab es eine Fotografie von einem Elefanten mit Flügeln.

00:07:17: Und das ist z.B.

00:07:18: in einer Ausstellung, ich rede eigentlich sehr gerne über diese Ausstellung auch als die ... Ich hab' die Stadt vergessen, Naturkundemuseum gezeigt worden ist.

00:07:26: Die Leute haben's halt geglaubt!

00:07:28: Die sind auch mit dem Elefant mit Flügeln... Die haben diese Fiktion geglaubт weil sie so glaubhaft aufgezogen worden ist.

00:07:36: und Das is ebenso dieser Scham sag ich mal an seinen Arbeiten dass er uns sehr überzeugende Illusionen liefert, aber auch immer dazu ermutigt diesen nicht zu unterliegen.

00:07:47: Und genau das Gleiche hat er eben mit den Werken von Alfred R. gemacht.

00:07:52: Jetzt vielleicht ein paar kurze Worte zur Stiftung wie.

00:07:55: es gibt uns seit Jahr zwei tausend zwei in Köln und später dann Berlin Und wir verwalten, dass Erbe von Alfred Erhardt, der lebte von nineteenhundert-eins bis neunzehnhundert achtenvierzig war multidisziplinärer Künstler und wahrscheinlich heute am besten bekannt für seine Fotografien im Stil der neuen Sachlichkeit.

00:08:13: Also hier zwei seiner korallen Fotografin die er eben Museum für Naturkunde in Hamburg angefertigt hat.

00:08:21: Wir arbeiten also in gewisser Weise mit einem Forschungsbasierten Ansatz und zeigen Alfred Erhardt's Fotografien im Dialog, mit seinen Zeitgenossen aber auch mit aktuellen zeitgenössischen Positionen die sich eben mit dem Thema Natur, Anthropozäen auseinandersetzen und präsentieren da quasi drei verschiedene Ausstellungen manchmal auch vier im Jahr.

00:08:42: Also wir haben also in der gewisserweise diese Verantwortung den Dialog zwischen Vergangenheit und Zukunft zu fördern und herzustellen Und da gehen dann eben auch die neuen Entwicklungen mit kariergenerierten Bildern mit rein.

00:08:55: Wir haben also von Kubertas Gebeten eine Serie zu entwickeln aufgrund von Alfred R. Hartz Fotografien, er hat sich wie gesagt die Korallen ausgesucht.

00:09:03: Die hat Alfred R in den neunzehnt dreißiger Jahren fotografiert und wir haben von Kuberta natürlich auch in gewisser Weise dabei geholfen diese Geschichte zu konstruieren.

00:09:14: Denn es ist so, dass Alfred Erhardt tatsächlich viele Kulturfilme publiziert und gefilmt und produziert.

00:09:21: Er hat aber auch sehr oft Fotobücher rausgebracht zu seinen Serien.

00:09:24: So den Korallen gibt es kein Fotobuch Es gibt einen Film der später rauskam.

00:09:31: Und da sind wir dann ganz tief in unser Archiv eingestiegen.

00:09:34: Wir haben nämlich nicht nur die negative, die Abzüge sondern eben auch allen Schriftverkehr alle Dokumente, die jemals mit Alfred Erhart quasi in Verbindung gestanden haben.

00:09:46: Dementsprechend konnten wir ein Dokument in unserem Archiv aufwändig machen, wo es um einen Buchprojekt ging mit zweihundert kortrollen Fotografien im Verlag Fretz und Wasmut.

00:09:56: Was daraus allerdings geworden ist wissen wir nicht!

00:09:59: Wir wissen das eben Alfred Erhardt in den neunzehntreißiger Jahren im Museum für Naturkunde in Hamburg korallen fotografiert hat und wir wissen dass es diesen Film gibt.

00:10:09: was dazwischen war wissen wir nicht und dementsprechend dachten wir uns, wir könnten ja diese Lücke füllen zusammen mit John von Cobertor.

00:10:19: Also haben wir Alfred R hat auf eine fiktive Reise auf die Galopacos Inseln geschickt, das was jetzt kommt ist jetzt haben wir uns ausgedacht.

00:10:29: Es war nämlich so, dass es zum hundertjährigen Jubiläum von Charles Darwin's Publikation The Structure and Distribution of Coral Reaves von Gab's wirklich.

00:11:00: Den Leiter der Abteilung niedere Tiere, zu denen eben auch die Nesseltieren also auch die Korallen gehören, dass er wenn er eine neue Forschungsreise dahin wo Darwin war unternimmt eine neue Art von Korallen nämlich die Krypto-Knidaria findet.

00:11:17: Knidaria ist das lateinische Wort für Korallen.

00:11:20: Kryptokonnte stutzig machen und auf jeden Fall auf diese Forschungsweise wollte er, Alfred, er hat mitnehmen.

00:11:30: Dass man dann eben da nach den Korallen taucht und diese fotografiert die Darwin verpasst hat.

00:11:38: Diese Zusammenarbeit kam nicht zustande wegen des Ausbruchs des Krieges und somit ist dieses Buchprojekt gestorben.

00:11:46: Hier kommt dann Ron von Coberta ins Spiel der sich nämlich knapp weitere hundert Jahre später auf die Reise macht um diese angedachte Forschungsreise letztendlich fortzuführen zu fotografieren und quasi dieses Buchprojekt fertigzustellen.

00:12:05: Und so hat er quasi Aufnahmen entstehen lassen, die er in historischen Sammlungen in europäischen Naturkundemusänen Berlin Paris Barcelona Bologna fotografiert hat.

00:12:19: Die verschiedensten zeige ich.

00:12:21: gleich noch ein paar mehr Beispiele wobei vielleicht könnte ich jetzt schon mal kurz einen Einblick in die Ausstellung nochmal geben Verschiedensten chorallen Arten zeigen, die sich durch extreme Anpassungen an bestimmte Umweltbedingungen oder sehr hohe und niedrige Temperaturen, ungewöhnliche pH-Werte oder hohen Wasserdruck in der Tiefsee gewöhnt haben.

00:12:45: Und diese neuen choralen Arten lassen quasi Spekulation über normale genetische Effekte zu, die möglicherweise durch Chemikalienradioaktivität verursacht worden sind Und so sich die Korallen in einer sehr starken Geschwindigkeit entwickelt haben, was Darwin's Evolutionsmodellen-Frage stellen soll.

00:13:06: So viel zur Hintergrundgeschichte!

00:13:08: Wir durften dann diese Entdeckungen, die von Kubertas gemacht hat ausstellen.

00:13:12: und was wir getan haben – in Kombination auch mit echten Korallenskeletten hier von der Feuerkoraller aus dem Museum für Naturkunde in Berlin, also die haben da uns auch sehr schön in die Hände gearbeitet.

00:13:27: Aber wie schon gesagt, die Ausstellung hat relativ zahm, sag ich mal angefangen, also hier nochmal eine Vitrine, auch eine historische Vitrine aus dem Naturkundemuseum mit... Sie sehen es an der ersten Folie wo mit dem Bildklasse, wo auch noch diese blaue Fotografie mit der Koralle drin ist, da sind glaube drei echte Fotografien von Korallen drin.

00:13:50: Das war immer so ein sehr schönes Spiel, das wir dann haben konnten im Verlauf der Ausstellung.

00:13:55: Das sieht alles noch ein bisschen glaubwürdig aus.

00:13:57: aber je weiter man in die Ausstellung reingeht sie sehen es auf dem zweiten Bild umso mehr könnte man vermutlich stutzig werden.

00:14:06: Das waren halt unsere These und dazu komme ich später nochmal zu.

00:14:11: die Korallenwelt und Tiefsee ist uns allen nicht so geläufig.

00:14:14: also da können wir halt echt viel erzählen.

00:14:17: Hier nochmal eine Vitrine, wo wir auch die Filmschechtlichen, die Negativschechtlichen von Erhards Korallenaufnahmen reingelegt haben.

00:14:28: Wo wir die Dokumente reingelegt haben, die eben mit diesem Verlag in Verbindung zusammen entstanden sind, wo eben auch Publikationen drin liegen wurden an einiges seiner korallen Aufnahmen schon publiziert hat.

00:14:40: An der anderen Wand hier haben wir noch Erards originale Korallen-Aufnahmen gezeigt.

00:14:45: also Wir haben da schon versucht, die Leute so ein bisschen hinter das Licht zu führen und Fakt- und Fiktion in gewisser Weise miteinander zu vermischen.

00:14:55: Und es gibt eine Publikation, die ist auch nominiert dieses Jahr.

00:15:01: Die kann ich später gerne mal rumgeben.

00:15:02: Ich habe ein paar Fotos davon drin aber können Sie dann nochmal genauer gucken.

00:15:09: Da sind wir dann halt auch wieder auf Darwin zurückgegangen weil Ich weiß nicht mehr oder weniger berühmte Zitat von ihm, vielleicht ist es jetzt auch einfach nur mir bekannt weil wir zu lange in diesem Thema drin waren.

00:15:22: Dass er meinte der Baum des Lebens sollte eigentlich eine Koralle des Lebens genannt werden.

00:15:26: Er hat das sind tatsächliche Zeichnungen von Darwin zu diesem Evolutionsmodell die sich hier auf der rechten Seite sehen.

00:15:34: Das Foto von Darwin in der korallen Sammlung Ist es nicht.

00:15:39: Damit haben wir tatsächlich Diverse Kunsthistorikerinnen aufs Glatteis geführt leider.

00:15:47: Also wir hatten einige Gespräche mit Leuten, die sich mit Darwin auskennen.

00:15:52: Die meinten, wo haben sie denn das Bild her?

00:15:54: Ich habe es ganz lange gesucht und ich hab's nicht gefunden.

00:15:57: Wir waren so, können Sie auch nicht... Aber das ist halt das Ding!

00:16:03: Wir haben das genommen was da ist und wir haben es größer gemacht.

00:16:07: Und eben dieses Korallen-Diagramm als einer der frühesten Entwürfe der Darwinischen Evolutionstheorie ist wahnsinnig interessant, weil es viel mehr in der Entwicklung und viel mehr Evolution als Prozess begreift.

00:16:21: Als dann letztendlich der Baum das geworden ist.

00:16:24: also das ist nochmal so eine ganz andere sehr spannende Ebene.

00:16:28: Wir waren natürlich auch... Es war alles in Absprache mit Joan passiert Der meinte so sagt den Leuten nichts.

00:16:34: Wir werden nirgends explizit erwähnen, dass das KI-Kanerite Korallen sind und bitte auch dem Wochenendeam, das dann vorne am Frontdesk sitzt nicht sagen, dass die zu viele Hinweise den Besucher ingeben sollen weil sie sollen ja heraus gefordert werden sehen zu lernen.

00:16:51: quasi dementsprechend haben wir uns da sehr zurückgehalten und wie gesagt ich glaube wir haben uns ein bisschen zu viel zurück gehalten einen Ausstellungstext, wo wir erwähnt haben dass diese Geschichte die wir hier quasi erzählen dürfen sich irgendwo zwischen den Werken von Alexander von Humboldt und Jules Verne bewegt.

00:17:16: Dann gab es ein Zitat von Joan der meinte das ist wirklich faszinierend ist den alten Meistern der neuen Sachlichkeit auch im Zeitalter der KI noch Referenz zu erweisen zwingen hat alles irgendwie nicht so geklappt.

00:17:30: Ansonsten haben wir es nämlich unkommentiert gelassen, wir haben dann geendet.

00:17:33: das letzte Bild also quasi unser Äquivalent des Elefantens mit Flügeln war dann... Entschuldigung da war ich ein bisschen schnell.

00:17:39: hier sind noch ein paar Bilder aus dem Buch wo quasi von Cobert seine Reise zu den Inns Galapagos inseln zeigt und auch er hat nochmal mit den Korallen zeigt.

00:17:50: dass ist auch Fake von Erhard auf jeden Fall.

00:17:55: Ah ja gut, da bin ich ein bisschen gesprungen.

00:17:58: Hier sehen wir John von Kubert beim Tauchen und eben ein paar von den Korallen die er da gefunden hat.

00:18:09: Er hat dann auch befreundeter Biologe von ihm Texte geschrieben zu den einzelnen Korallen also bei der Roten... Ich weiß nicht ob sie es sehen?

00:18:19: Da ist eine nackte Frau!

00:18:22: Und dazu gab's halt sehr überzeugend biologisch klingende Texte.

00:18:27: auch die zweite Koralle, wo quasi gesagt wird dass das eine Art Koralle ist von der sich Gaudi hat inspirieren lassen dieser gerade Familie zu bauen.

00:18:36: Es ergibt natürlich sehr viel Sinn wenn man sich diese Koralle anguckt.

00:18:39: aber Frage ist halt was war da zuerst?

00:18:44: Oder eben wir hatten auch Leute da die dann bei dieser... sich auch gedacht haben na vielleicht ist es so ein Wunderkammerobjekt wo jemand wie in Elfenbein einen Frauenkörper in eine Koralle reingeschnitzt hat und wir meinten Ja, vielleicht.

00:18:58: Und haben dieses Spiel so ein bisschen sehr... Wir hatten da auch schon Spaß dran, ne?

00:19:05: Wir haben das schon sehr damit gespielt.

00:19:08: und was ich eigentlich sagen wollte, nachdem diese Korallen innerhalb der Ausstellung immer absurder geworden sind und wir keinen textlichen Hinweis darauf gegeben haben, haben wir unser equivalente Koralle mit des Elefantenflügeln war Diese Krebskoralle, die Nomadenkoralle.

00:19:26: Die sich bewegt.

00:19:31: Genau und dann sind wir an dem Punkt wo wir die Tiefsee wirklich nicht gut kennen und wo das vielleicht sein kann?

00:19:37: Ich weiß es nicht!

00:19:39: Wir haben uns halt wirklich auf die Gespräche mit den Besucherinnen darüber gefreut aber es kamen nicht wirklich zu Gesprächen.

00:19:47: also... abwechseln, um das alle mal mitzuleben an den Front desk gesetzt.

00:19:54: Um die Besucher in Reaktionen abzupassen.

00:19:57: Ganz viele Leute gingen mit einem Lächeln durch die Tür und meinten ach Mensch was die Natur nicht alles macht.

00:20:05: Es kamen beziehungsweise Wenn mal Fragen kamen, dann waren es Fragen wie so... Ach Mensch die Belichtung ist ja teilweise richtig gut bei diesen Korallen.

00:20:16: Also wenn man's auf die hier guckt hat er sie dann irgendwie mit ins Studio genommen.

00:20:20: oder wie hat der die fotografiert?

00:20:23: Wo wir dann eben nur auch sehr suggestiv zurückgefragt haben, sondern was denken Sie denn wo man sowas fotografieren kann oder wie man so ein Lichtzustande bekommt?

00:20:31: Das war halt auch wieder nicht explizit genug und das haben dann viele Leute als Bestätigung genommen.

00:20:36: So naja klar, die hat damit ein Studium genommen und danke tschüß!

00:20:40: Und das war dann irgendwann so der Punkt.

00:20:42: da haben wir uns auch einfach nicht mehr wohl gefühlt mit dieser Lüge.

00:20:44: also wir wollten zum einen den Leuten nicht diese Begeisterung wegnehmen, die sie erfahren haben diesen neuen Korallen zu entdecken aber auf der anderen Seite fand nichts auch relativ faszinierend wie breitwillig die Leute waren diese schöne Lüger zu glauben denen wir ihnen aufgetischt haben.

00:21:05: Also sie hatten diese Erzählung im Kopf und haben quasi Daten dafür gesammelt, dass dieses Narrativ war ist.

00:21:13: Und quasi widersprüchliche Fakten irgendwie ausgeblendet.

00:21:16: Das war dann auch irgendwie interessant.

00:21:18: Eine andere Sache die wir einfach nicht bedacht haben war – das hatte ich mal kurz erwähnt wie von Kubert da ja eben mit den Institutionen in der Ausstelle spielt – Und eben diesen gewissen Ernst mit der Institution verbinden und da dann auch eine gewisse Verlässlichkeit erwarten.

00:21:43: Und dementsprechend hatten wir auch eine Besucherin, die uns mal fragte ob wir jetzt Ausstellungen im Rahmen von National Geographic machen und gar keine Kunst in dem Sinn mehr zeigen was wieder ganz andere Richtung war eigentlich, die wir gedacht hatten.

00:21:56: Wir sind auch glaube ich davon ausgegangen dass von Kubertas weiter bekannt ist.

00:22:01: Also viele Leute, die zu uns in die Galerie kamen, kannten von Kubertag gar nicht und wenn man dann mit Menschen gesprochen hat, die ihn und seine Arbeit und seinen Ansatz kennen, dann haben sie das wieder ganz anders wertschätzen können beziehungsweise haben dann eben dieses Spiel mit uns spielen können und sich da richtig dran gefreut.

00:22:21: aber es gab auch diese Reaktionen... Das war mal Öffnungsabend als der Türflug Als wir einer Person gesagt haben, dass es sein KI-Bilder ist Wutinbrand aus der Stiftung gerannt und hat sich richtig verarscht gefühlt.

00:22:37: Was natürlich auch eine legitime Reaktion ist was eben auch spannend zu sehen war.

00:22:42: diese Bandbreite Und unsere Hoffnung KI Auszustellen war ursprünglicher mit dem Publikum in einen Dialog zu treten Dass die nicht nur als Betrachterinnen sondern quasi auch als aktive TeilnehmerInnen dieses Potenzial und auch die Herausforderungen der neuen Bildproduktion verstehen, hinterfragen darüber sprechen dann Dialogangel angestoßen wird.

00:23:10: Und das war zumindest unsere Idee dass man eben nur durch diesen Dialog diese Brücke von den traditionellen Medien zu diesem neuen Bildverfahren überbrücken kann.

00:23:22: aber wenn es kein... Das war halt die Theorie.

00:23:26: in der Praxis hat das nicht funktioniert.

00:23:28: Was haben wir also gemacht?

00:23:29: Wir haben nach ungefähr drei Wochen gegen Ende der Ausstellung eine neue Koralle eingeführt.

00:23:36: Die hier hat nicht viel verändert, das hat wirklich nicht viel verändert und das fand ich sehr interessant.

00:23:48: Und dann meinten wir okay, wir müssen weiter eskalieren.

00:23:51: Da haben ja noch mal schon angerufen was machen wir denn jetzt!

00:23:56: Dann hatte uns ein Text geschrieben Ich lasse ihn mal kurz vor.

00:24:01: Zwischen dem Dreizehnt und vierzehn Jahrhundert schrieb der Sufi Dichter Adort, ich sage das nicht, ich mache es nur falsch.

00:24:09: Es ist nicht so dass die Menschen sich irren sondern dass wir aufgrund unserer Unfähigkeit zu beobachten es schaffen getäuscht zu werden.

00:24:15: Wir sind blind weil wir Bilder sehen.

00:24:18: Was lässt sich dann über das einundzwanzigste Jahrhundert sagen in den Bilder Sich vor die Realität stellen und instrumentalisiert werden um den Geist zu kontrollieren.

00:24:27: Sowohl die Philosophie als auch der gesunde Menschenverstand zeigen, dass Bilder eine Falle für unsere Wahrnehmung sind.

00:24:33: Wie kann man diese Falle identifizieren?

00:24:35: und noch wichtiger wie kann man sie entschärfen?

00:24:38: Die Bilder in dieser Ausstellung zeigen reale Korallen neben solchen, die ebenso überzeugend aber kari generiert sind.

00:24:44: Sind wir immer noch in der Lage das Abbild vom Trugbild die Wahrheit von der Fiktion zu unterscheiden?

00:24:50: Und das hat dann den Unterschied gebracht.

00:24:52: Wir haben das ganz am Ende der Ausstellung angebracht leuchten rotes Schild an der Stirnwand dass dann hoffentlich so die Leute ein bisschen gezogen hat.

00:25:00: Und dann sind wir auch mehr in Kontakt gekommen und konnten mehr darüber sprechen, und die Leute haben es mehr und anders wertschätzen können.

00:25:09: Also was mir halt unser Learning daraus war, das wir als Foto-Historikerinnen und eben auch im Gespräch mit Joan sehr, wir sind sehr verankert in diesem Diskurs aber das ist halt längst nicht bei allen Leuten so.

00:25:25: Es ist okay, weniger subtil zu sein um eben ein Gespräch anzustoßen.

00:25:31: Weil genau diese Gespräche sind es ja wenn es darum geht dass es eine Veränderung im Bild des Kurs gibt.

00:25:38: und natürlich haben wir uns dann auch die Frage gestellt oder stelle ich mir gerade heute und das ist vielleicht ne Frage die ich dann die wir gerne zusammen diskutieren können.

00:25:45: Die Ausstellung ist jetzt schon wieder ein Jahr her.

00:25:47: seitdem hat sich unglaublich viel getan in der Wahrnehmung Und In der Im verhältnis wie oft für KI Bilder sehen und ich frage mich halt wie würde dieser ausstellung heute ankommen.

00:25:59: Damit bedanke ich mich für die Aufmerksamkeit!

00:26:04: Ja, was für ein herrlicher und gleichzeitig entlarvener Vortrag von Stefanie Regina Diezel.

00:26:09: vielen vielen Dank.

00:26:09: noch mal also zu hören wie leicht wir uns von der Ästhetik und dem wissenschaftlichen Rahmen blenden lassen Und das zeigt genau das Kernproblem von Fakt und Fake.

00:26:20: meiner Ansicht nach.

00:26:22: Also wenn der Betrug erst einmal aufliegt schlägt er es im Zück schnell in den Setzen um.

00:26:27: Aber wie sie so schön gesagt hat, wer das Konzept durchschaut für den wird es erst richtig lustig.

00:26:33: Unser Festival in Regensburg beweist mit solchen Beiträgen einfach wieder einmal dass die Debatte rund um Bildwahrheiten eben nicht nur trocken und theoretisch sein muss sondern uns den Spiegel auf Vorhält Wie wir selbst im Alltag auf Bilder hineinfallen.

00:26:50: Ging es euch beim Zuhören auch so, dass ihr euch gefragt habt.

00:26:54: Wäre ich auf diesen Darwin Fake auch reingefallen?

00:26:57: Schreibt mir eure Meinung unbedingt auf und schickt sie mir per Mail an Podcast et Fotografie neu denken!

00:27:08: Das war's für diese Folge.

00:27:11: Wenn ihr euch bei den nächsten exklusiven Mitschnitten vom Symposium mit Emma Rüther, wenn ihr dabei sein soll wollt abonniert den Podcast und lasst gerne eine Bewertung da.

00:27:20: Emma untersucht nämlich in ihrem Vortrag wie die Fotografie als vermeintlich objektiver Zeuge der Wirklichkeit gilt und wie Künstlerinnen und Künstlern genau das nutzen um Zeugenschaft in der Kunst zu fingieren.

00:27:35: Keiner hinweist noch, wer sich die Beiträge, Panels und Vorträge aus dem letzten Jahr lieber als Video ansehen möchte.

00:27:42: Auch kein Problem!

00:27:42: Der kann das nämlich tun auf unserem YouTube-Kanal unter youtube.com.

00:27:47: slash at festival fotografischer Bilder.

00:27:51: Aber all das natürlich wie gewohnt in den Schoen uns.

00:27:58: Ja noch bis zum achtundzwanzigsten August ist die Preisträgeraustellung des Jahrgangs vorm deutschen Fotobruchpreis im Regierungspräsidium in Karlsruhe.

00:28:07: Schaut da gerne vorbei.

00:28:08: Und vom Elften bis zum XIII.

00:28:10: September sind sie dann in der Kunsthalle in Düsseldorf auf der Kunstbuchmesse Between Books zu sehen.

00:28:16: Dort werde ich auch ein paar live vor Ortgespräche führen, kommt also gerne auch da vorbei.

00:28:22: Danach sind wir wieder auf der Frankfurter Buchmesse mit den Nominierten des deutschen Foto-Buchpreises vom Siebten bis zum Elften Oktober Und da werden wir dann wieder zahlreiche Fotobuch-Talks auf unserem Stadt stattfinden lassen und wir geben auch wieder einen Ticketrabatt über unseren Newsletter.

00:28:39: Also ganz schnell eintragen unter deutscherfotobuchpreis.de slash newsletter.

00:28:45: Ja, und für die Preisverladung des deutschen Fotobuchtpreises gibt es bereits einen Termin und zwar ist der am Samstag dem einundzwanzigste November zwanzig sechsundzwantig und zwar in Regensburg der städtischen Galerie.

00:28:59: Infos dazu demnächst natürlich hier.

00:29:02: Selbstverständlich sind all diese Informationen, die ich jetzt gerade vorgetragen habe auch in den Show Notes für euch zum Anklicken

00:29:09: aufbereitet!

00:29:12: Wenn Euch diese Folge gefallen hat lasst mir super gerne eine Bewertung da auf Spotify, Apple Podcast oder wo auch immer Ihr eure Podcasts hört und drückt auf die Glocke und auf Abonnieren um den nächsten Teil nicht zu verpassen und meine Sichtbarkeit zu unterstützen.

00:29:28: Vielen Dank fürs Zuhören.

00:29:29: Bleibt kritisch beim Blick auf die Bilder da draußen und bis zum nächsten Mal,

00:29:41: ciao!

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