STAFFEL 9 ist online. Freue mich, wenn ihr rein hört. Euer Andy Scholz.

Dr. Katharina Günther

Shownotes

Vortrag: Kuratierte Wirklichkeit: Kunst und Dokumentation in Lee Millers Kriegsfotografie

Ab 1944 begleitet die amerikanische Fotografin Lee Miller die 3. US-Armee bei der Befreiung Europas von den Nationalsozialisten. Sie nimmt zerstörte Städte, deren Bevölkerung und befreite Konzentrationslager auf. Einige Bilder sind aktiv gestaltet, andere sind durch die gezielte Anwendung künstlerischer Stilmittel und den Rückgriff auf kunsthistorische Vorbilder einer dokumentarischen Darstellung entrückt – es entsteht eine „kuratierte Wirklichkeit“. Dieser Vortrag entschlüsselt Millers künstlerische Stilmittel, diskutiert ethische Fragen sowie kunst- und fotohistorische Referenzen.

Dr. Katharina Günther studierte Kunstgeschichte in Köln und Antwerpen und wurde 2019 mit einer Arbeit über Francis Bacons fotografische Quellen von der Universität zu Köln promoviert. Seit 2010 forschte sie in Dublin und London für den The Estate of Francis Bacon, die Francis Bacon MB Art Foundation und das John Deakin Archive. Ab 2015 baute sie als Projektleiterin in London die offizielle Website mit digitalem Catalogue Raisonné des Bacon Nachlasses auf. Bis 2024 war sie die Wissenschaftliche Geschäftsführerin des Forschungsverbunds Marbach Weimar Wolfenbüttel an der Klassik Stiftung Weimar. Gegenwärtig arbeitet sie als Kuratorin am Zentrum für verfolgte Künste in Solingen. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der britischen Kunst des 20. Jh., insbesondere figurativer Nachkriegsmalerei, dem Verhältnis Malerei und Fotografie, Fotografie in Krisengebieten, Augmented Reality in der zeitgenössischen Kunst sowie der Theorie des Ausstellens, die sie in internationalen Publikationen, Ausstellungen, Veranstaltungen und Lehraufträgen thematisiert.

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Foto: Susanne Suttner

Link zum Vortrags-Video:

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Episoden-Cover-Gestaltung: Andy Scholz Episoden-Cover-Foto: Susanne Suttner


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Idee, Produktion, Redaktion, Moderation, Schnitt, Ton, Musik: Andy Scholz

Der Podcast ist eine Produktion von STUDIO ANDY SCHOLZ 2020-2026.

Andy Scholz wurde 1971 in Varel geboren. Er studierte Philosophie und Medienwissenschaften an der Universität Düsseldorf, Kunst und Design an der HBK Braunschweig und Fotografie/Fototheorie an der Folkwang Universität der Künste in Essen. Er ist freier Künstler, Autor und Dozent. Seit 2012 unterrichtet er an verschiedenen Instituten, u.a.: Universität Regensburg, Fachhochschule Würzburg, North Dakota State University in Fargo (USA), Philipps-Universität Marburg, Ruhr Universität Bochum, Pädagogische Hochschule Ludwigsburg. 2016 wurde er in die Deutsche Gesellschaft für Photographie (DGPh) berufen. Seit 2016 ist er künstlerischer Leiter und Kurator vom INTERNATIONALEN FESTIVAL FOTOGRAFISCHER BILDER, das er gemeinsam mit Martin Rosner gründete. Im ersten Lockdown im Juni 2020 begann er mit dem Podcast und seit 2022 ist er Organisationsleiter vom Deutschen Fotobuchpreis, der ins INTERNATIONALE FESTIVAL FOTOGRAFISCHER BILDER in Regensburg integriert wurde. Er lebt und arbeitet in Essen (Ruhrgebiet).

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Transkript anzeigen

00:00:00: Fotografie neu

00:00:01: denken, der Podcast.

00:00:03: Moin und herzlich willkommen zu Fotografieneu-Denken der Podcast!

00:00:06: Mein Name ist Andy Scholz.

00:00:15: Ja heute geht es um den Vortrag von Doktor Katharina Günther, den sie im November zwanzig fünfundzwanzig auf unserem Symposium in Regensburg im Rahmen des internationalen Festivals fotografischer Bilder gehalten hat.

00:00:27: Daran blickt sie auf ein historisches, aber bemerkenswert aktuelles Kapitel der Fotogeschichte.

00:00:32: Die Kunsthistorikerin und Kuratorin Dr.

00:00:35: Katharina Günther, die am Zentrum für folgte Künste in Solingen arbeitet hat uns letztes Jahr einen Symposiumsbeitrag präsentiert, der darauf hinweist dass die Manipulation und Inszenierung von Wirklichkeit keine Erfindung moderner Bildgeneratoren ist.

00:00:51: Ihr Thema lautet kuratierte Wirklichheit, Kunst & Dokumentation in Lee Millers Kriegsfotografie.

00:01:01: Ja, es geht also um die US-amerikanische Fotografin Lee Miller, die ab der Befreiung Europas von den Nationalsozialisten begleitete.

00:01:13: Sie fotografierte zerstörte Städte und die unfassbaren Schrecken der befreiten Konzentrationslager.

00:01:19: Katharina stellt uns vor die Frage aber wie dokumentarisch sind diese Bilder wirklich?

00:01:25: Katharina Günther entschlüsselt für uns in diesem Vortrag Lee Millers künstlerische Stilmittel.

00:01:30: Sie hinterfragt die ethischen Grenzen und zeigt, wie hier fotografische Elemente genutzt wurden um eine ganz bestimmte Zeugenschaft zu inszenieren Ein extrem packender Beitrag über die ästhetische Glaubwürdigkeit von Dokumentaraufnahmen.

00:01:44: Hören wir da mal rein.

00:01:46: Wer alle Vorträge des Symposiums sehen möchte also als Video der geht einfach über unsere Festival-Webseite auf den YouTube Kanal Link in den Shownauts.

00:01:57: Jetzt aber Katharina Günther und Liemiller, eine kleine Korrektur noch.

00:02:03: Die Aufnahme hat damals beim Symposium nicht sofort gestartet deswegen fehlt da ein Anfangsstück.

00:02:10: Und Katharina Gunther sagt oder beginnt ihren Vortrag damit dass sie sagt das Liemillah, Die

00:02:24: US-Armee als zivile Berichterstatterin in einer Militäreinheit bei der Befreien Europas von den Nationalsozialisten begleitete.

00:02:33: Für die Modezeitschrift Vogue sollte sie das wiederkehrende Alltagsleben und die Mode in dem befreiten Gebieten ablichten, sie sollte ausdrücklich hinter der Front bleiben und Distanz zum Kampf geschehen halten.

00:02:46: Von diesem Auftrag wichse immer wieder ab manchmal bis zum Extrem.

00:02:52: Millers eigene Anspruch ist, zu dokumentieren und nicht Kunst zu machen.

00:02:57: Viele ihrer Bilder aus dem Krieg überschreiten aber so will ich im folgenden darlegen die Grenze von der Reportage hin zur Kunst.

00:03:06: Darum passt jetzt aus meiner Sicht eine Besprechung dieser Fotografien ganz wunderbar in das Thema dieses Symposiums.

00:03:12: Können wir Millers Bilder vor diesem Hintergrund Glauben an Anführungszeichen?

00:03:17: haben wir es mit Fakt oder Fiktion beziehungsweise Art zu tun.

00:03:23: Meine Hypothese ist und so ja auch der Titel meines Vortrags, dass wir es an vielen Stellen zumindest mit einer kuratierten Wirklichkeit zu tun haben.

00:03:33: Interessiert mich persönlich jetzt der künstlerische Aspekt in Millers Bildern nicht weil ich unbedingt beweisen will das sie Kunst macht oder weil ich diskutieren will ob Kunst jetzt Fotografie sein kann oder nicht?

00:03:44: Vielmehr treiben mich andere Fragen herum.

00:03:47: Wie und mit welchen Strategien arbeitet sie?

00:03:49: Welche Chancen ergeben sich aus der Tatsache, dass sie sich von ihrem künstlerischen Blick leiten lässt.

00:03:56: Was kann Kunst in diesem sehr speziellen Kontext leisten, was Dokumentation vielleicht nicht kann?

00:04:01: Wo gibt es aber auch Probleme mit diesem Ansatz?

00:04:05: Und wie kann man ihre Arbeit neu und angemessen in die Kunst- und Fotografiegeschichte einordnen?

00:04:13: Ich beschäftige mich mit Miller seit einigen Jahren und neuerdings mit diesem Fragenkomplex, was ich heute präsentiere ist also klassischer Work and Progress.

00:04:20: Und ich möchte diese Gelegenheit hier auch einfach mal nutzen um in dieser Community meine Ideen ansitze und meine Vorgehensweise weiterzuschärfen.

00:04:29: das vor dem Hintergrund dass sich nächsten Frühling an der Gedenkstätte Buchenwald mit der dortigen Kuratorin zusammen eine kleine Ausstellung zu diesem Thema eröffne und für im Zentrum für verfolgte Künste eine größere Schau zu diesem Thema Plane.

00:04:44: Bevor ich beginne, möchte ich noch eine Triggerwarnung aussprechen.

00:04:47: Zweimal werde ich sehr grafische Fotografien von Leichen zeigen unter anderem aus dem KZ Buchenwald.

00:04:53: Ich weiß aber beide Male bevor ich die Folien aufrufe darauf hin.

00:05:01: Dem heutigen Publikum ist Miller sicher hindlänglich bekannt.

00:05:03: also hier nur eine sehr knappe Einführung.

00:05:07: Sie wurde in nineteenhundertsieben in Prokipsi, New York geboren.

00:05:10: Sie studierte in Paris und New York Bühnenbild- und Theater, arbeitete als Tänzerin und wurde neunzehnzechsundzwanzig als Model entdeckt.

00:05:19: Neunzentneunzig bis neunzentzweiunddreißig war sie als Men Race Kollaborations- und Lebenspartnerinnen in Paris im Kreis der französischen SurrealistInnen eingebettelt.

00:05:30: Nach einem kurzen Aufenthalt in New York, zog sie von der neuen Ehemann Asis Elouie Bay in Dissen ägyptische Heimat.

00:05:39: Die Britisch-surrealistischen Marla Rowland-Penrose traf sie für den sie im Jahr neununddreißig nach London zog.

00:05:45: Sie fährte dort Modestrecken für die Vogue an und eindrückliche Aufnahmen der von den deutschen Luftangriften arg gebeutelten Stadt.

00:05:55: Seit einviertig freundete sich mit dem amerikanischen Live-Fotograf David E. Sherman an über den sie dessen Arbeit als Kriegsberichterstatter kennenlernt, aber auch eben andere Frauen die dieser Tätigkeit nachging wie die amerikanische Fotografin Margaret Birkwald.

00:06:10: Für die britische Vogue hatte Miller bereits die Heimatfront aufgenommen.

00:06:14: das reicht ihr aber nicht aus.

00:06:15: In two forty ließe sich als Kriegskorrespondentin für die amerikansche Vogue akkreditieren.

00:06:22: Unmittelbar nach dem Beginn der amerikanischen Invasion Europas über Nordfrankreich am sechsten Juni konnte sie dessen Folgen in Feldlazer retten und bereits befreiten Städte wie Paris aufnehmen.

00:06:35: Ab nineteenfünfundvierzig folgte sie General as Patton aus einer dritten Armee bei der Befreiung des Kontinents, kam dabei nach Frankreich und Belgien über Aachen, Köln, Ludwigshafen Heidelberg Frankfurt Weimar Leipzig und Bad Nauheim nach Dachau München und Berchtesgaden.

00:06:51: das nur als Fußnote.

00:06:52: diese Bewegungen sind unglaublich schlecht erforscht und sehr schwer überhaupt nachzuvollziehen.

00:06:58: also Ja, eine der Herausforderungen in der Millerforschung.

00:07:03: Nach dem offiziellen Kriegsende reiste sie mit Sherman in das befreite Dänemark und nach einem kurzen Aufenthalt in London dokumentierte sie die unmittelbare Nachkriegszeit in Österreich, Ungarn-und Rumänien.

00:07:14: Da kehrte sie dann endgültig nach Großbritannien zurück, heiratete von den PEN-Rows und bekam einen Kind.

00:07:22: In forty-neunen kaufte das Paar die Farleys Farm in Sussex Und ihren Kriegsfotografien wollte sie nichts mehr wissen.

00:07:28: Erst nach ihrem Tod entdeckte ihr Sohn Anthony die Aufnahmen auf dem Dachboden wieder an sich an einem Versuch, sich selber zu therapieren.

00:07:37: er fand sie sich als Gummiköchin neu.

00:07:40: Miller arbeitete sporadisch weiter für die Vogue kämpfte aber mit Depressionen und wandte sich dem Alkohol zu.

00:07:45: Begriffe wie posttraumatische Belastungsstörungen waren damals einfach kein Begriff geschweige denn das ist da auch behandlungsmöglichkeiten gegeben hätte.

00:07:54: Mila starb in der Krebserkrankung.

00:08:01: Ich würde gerne kurz noch einen Schritt in die Pariser Zeit zurückgehen, weil ich denke, dass sich ihr künstlerischer Blick entscheidend formte.

00:08:09: Die SurrealistInnen um Andre Breton waren inspiriert unter anderem von den Theorien von Siegmund Freud.

00:08:17: Das Unbewusste war folglich der Dreh- und Angelpunkt allen kreativen Schaffens der Grupphörer, was sich zum Beispiel in der traumartigen inkongruenten Kombination von Motiven manifestiert.

00:08:27: Und Techniken wie der Ekretierautomatik die das Ziel haben... Die vom Intellekt gesteuerte Kontrolle von Gedanken und Handlungen zu umgehen.

00:08:43: Miller hielt sich ja doch so ein bisschen am Rand der Gruppe auf und entwickelte schnell ihre eigenen künstlerischen Ausdrucksformen.

00:08:49: Trotzdem war der Kontakt mit dem Surrealismus, vor allem der dort vermittelte Künstlerische Zugang zur Fotografie für ihre Arbeit prägend.

00:08:57: Miller eignete sich die Ästhetiken der Gruppen an, v.a.

00:08:59: aber deren instinktiven Blick für die Widersprüchlichkeiten und Brüche in der alltäglichen Erscheinung der Welt – und einen gewissen Wunsch zu schockieren!

00:09:09: Sie erschuf wie viele ihrer surrealistischen Kolleginnen inszenierte Fotografien, wie das hier zu sehende Bild Tanya Rum Under a Bell Jar von ungefähr neunzehnunddreißig.

00:09:19: Das wirkt als ob der scheinbar losgelöste Kopf des Modells unter einer Glasglocke ein Exponat in einer traumartigen gespenstischen Ausstellung sei.

00:09:31: Besonders beeindruckend und es ist was mich auch wirklich hier endlos fasziniert, ist ihre Fähigkeit in trivialen nicht gestellten Szenerien auf Bedeutungs- und Assoziationsebenen zuzugreifen, die den Betrachtenden normalerweise verschlossen bleiben.

00:09:46: Mit ihrer Kamera lenkt sie beispielsweise in diesem Bild von ungefähr ein Dreißig unseren Blick auf eine Frauenhand, die im Begriff ist die Tür der Galarperformerie in Paris zu öffnen.

00:09:57: Die Glastür ist an der Klinke von unzähligen Besuchenden stark zerkratzt, sodass sich um die Frauenhandspitze bolkige Formen bilden.

00:10:05: Mila erinnert dies visuell an den Vorgang einer Detonation und sie imaginiert eine Exploding Hand.

00:10:12: Dieses Stil, Mittel- und künstlerischen Zugänge ziehen sich durch ihr gesamtes Övre.

00:10:22: In der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts um jetzt auch im ersten Vortrag anzuschließen war die Fotografie Die Autorität für Wahrhaftigkeit schlechthin und als faktisches Dokument in den Wissenschaften der Rechtsprechung dem Journalismus und dem alltäglichen Leben vollumfänglich anerkannt.

00:10:38: Ich ziehe hier zum Beispiel David Campigny, Art & Photographie.

00:10:44: Vom Fotogenalismus erwartet man allgemein gerade auch damals einen Anführungszeichen wahres akkurates Abbild der Realität ein Produkt des Zufalls das aus der Hitze des Gefechts entsteht so erklärtes Ute-Wrocklage in einem Katalogtext zu Miller von twentyfünfzehn.

00:11:03: In Wahrheit haben Fotografinnen natürlich schon immer Aufnahmen nach ihrem Sinn gestaltet.

00:11:08: Ja, das glaube ich in diesem Kreis auch klar.

00:11:11: Allein durch die Wahl des Bildausschnitts lässt sich dessen Inhalt maßgeblich beeinflussen.

00:11:17: Trotzdem gibt es eben diese Erwartungshaltung und Wahrnehmung, die Miller immer wieder unter als radikal untergräbt.

00:11:27: Im Folgenden möchte ich einige der Strategien vorstellen, die aus meiner Sicht dafür verantwortlich sind dass man viele von Millers Kriegsbildern eher als Kunst denn als Dokumentation bezeichnen kann.

00:11:38: Miller ist fester Bestandteil der künstlerischen Avongar des letzten Jahrhundertes mit deren Protagonistin sie im lebenslangen intensiven Austausch steht.

00:11:50: Kunst ist ihre Lebenswelt, ihre Arbeit und sie kannte sich in der europäischen Kunstgeschichte blendend aus.

00:11:56: wenig überraschend sind Referenzen zur Kunstgeschicht bzw ein Blick auf eine Situation durch den Filter der Kunstgeschichten, ein integraler Teil ihrer Werke.

00:12:06: die hier zu sehen des Szenes aus einem Feldlazerrett in der Normandie erinnert Sie selbst an die Bildstrategien europäischer Barockmahler.

00:12:14: Sie sagt, in die Chiaroscuro of Kaki and White.

00:12:19: I was reminded of Hirono's boss painting The Carrying Of the Cross.

00:12:29: Der ehemalige Lagerin Sasse Buchenwalds den Miller in dieser Aufnahme festhält hatte sich aus Lumpen selbst Schuhe angefertigt.

00:12:37: Einige Kunsthistorikerinnen sehen in dem Fokus auf das Schuhwerk eine Referenz zu Millers Modeaufnahmen.

00:12:44: Ich möchte allerdings auch auf mögliche Bezüge, gerade in dieser tänzerischen Pose zu Pablo Picasso's Zirkus-Szenen hinweisen.

00:12:50: Etwa akrobat und junger Hallekin von nineteenhundertfünf.

00:12:55: Miller und Picasso waren von neunzehnundsebendreißig bis zu.

00:12:57: Picasso ist tot.

00:12:58: Neunzehntdreihensebzig befreundet.

00:13:01: die Kraft dieser Fotografie generiert sich meiner Meinung nach daraus dass wir dem Gestaltungsmuster welchem auch immer wird zuerst verfallen.

00:13:09: zunächst folgen Der Schock aber umso größer ist, sobald der Verstand meldet mit welchem Inhalt wir es zu tun haben.

00:13:21: Molly Nesbitt sagt, das Dokument war ein Bild und hat einen Job zu performen.

00:13:28: Vielleicht lässt sich hier auch eine mögliche Grenze zur Kunst ziehen?

00:13:32: Denn Miller macht immer wieder Aufnahmen deren dokumentarischer Wert gegen null geht die im Kontext ihrer Arbeit im Krieg keinen Job haben und ihren Fokus an anderer Stelle zu finden sind.

00:13:44: Dieses Bild der Hohenzollernbrücke in Köln ist sicher bis zu einem Gewissengrad auch eine Bestandsaufnahme der Beschädigung des Bauwerks, das die Wehrmacht bei ihrem Rückzug auf die östliche Rheinseite am sechsten März nineteen-viertundvierzig gesprengt hatte.

00:13:58: Miller hebt aber in den Brückentrümmern vor allem den ästhetisch ansprechenden Rhythmus der Stahlstreben hervor und ihren Wechsel zwischen einer luftigen Netzwerkartigen oben mit einer dichteren gröberen Struktur an der Seite der dem Bild eine abstrakte ornamentale Qualität verleiht.

00:14:19: Dieses Bild eines profanen Holzstapels bürgt keine Informationen über den Ort, die Zeit oder die Umstände unter denen sie aufgenommen wurde.

00:14:26: Wir wissen allerdings von Miller selbst das es in Belgien entstand.

00:14:30: Stilistisch erinnert ist an Bilder des neuen Sehens und der Bauhausfotografie.

00:14:35: Hier zeigt sich auch wieder Millers assoziativer Blick mit dem Sie in der Lage sind visuelle Verbindungen zwischen Objekten zu ziehen die eigentlich nichts miteinander zu tun haben.

00:14:44: Wie uns der Titel verrät, erinnert sie die gestapelten Holzstämme an aufeinander geschichtete Granaten.

00:14:55: Oft wie bei dieser Aufnahme eines beschädigten Wegkreuzes im älsessischen Straßburg bricht sich ihr Sinn für manchmal recht schwarzen Humor und ein Blick für Skurrilität auch um Kriegsgeschehen beahen.

00:15:07: Das Bild eines in Telefonkabeln verstrickten Erlösers zusammen mit dem Titel Hotline to God also dem offensichtlich nicht mehr problemlos nachvollziehbaren heißem Draht zu Gott entbehrt nicht einer gewissen Komik.

00:15:21: So, jetzt zeige ich als nächstes ein Bild von einer Frauenleiche, nur dass sie vorbereitet sind.

00:15:31: In dieser Fotografie der toten Tochter des Leipziger Bürgermeisters Kurt Lisso, Regina Lisso – die Familie hatte sich vor dem Eintreffen der Amerikaner das Leben genommen – finden sich erneut Bezüge zur Kunstgeschichte.

00:15:45: Es spiegelt sich die mobile poetische Schönheit preraphaelitischer Gemälde.

00:15:49: Ich denke, insbesondere an John Everett-Millese Ophelia von eighteenhundert und eintenfünfzig das Intertate Britain in London hängt.

00:15:58: Und es Miller mit Sicherheit kannte.

00:16:01: vor allem verleiht Miller des Szenen nämlich etwas Schönes.

00:16:04: Lissos Körper wird dramatisch auf einem Sofa der Niedergesunken und perfekt vom Licht umspielt präsentiert.

00:16:11: Wir sind fast dann ein Beauty Shot in der Vogel erinnert.

00:16:15: So, jetzt noch einmal Achtung.

00:16:16: Jetzt kommt das grafischste Bild meiner Präsentation Leichen aus dem Konzentrationslager in Buchenwald.

00:16:24: Die Nationalsozialisten hatten es vor ihrer Flucht aus dem Lager nicht geschafft alle Leichen zu verbrennen und auch nach der Befreiung starben die Menschen dort weiter eine Entkräftung.

00:16:34: Die These ist ein bisschen, dass die Überlebenden in den folgenden Tagen diese Leichenstapel für die Besuchenden quasi aufrechterhalten haben zur Demonstration was dort passiert.

00:16:44: Es kamen dann ja amerikanische Berichterstatter aber auch die Weimarer Bevölkerung.

00:16:50: Es spiegelt sich hier erneut Millers Sinn für Ästhetik auch im größten Schrecken.

00:16:55: Im Bildausschnitt rhythmisieren und strukturieren die ausgemergelten Glieder der Toten die Aufnahme zu einer ästhetisch ansprechenden Komposition.

00:17:09: Eine von Millers bekanntesten Aufnahmen und vermutlich eine der bekanntesten Fotografien der Fotogeschichte überhaupt ist das von David Sherman aufgenommenen Bild, von ihr in Adolf Hitler's Badewanne, in dessen Wohnung am Prinz Regentenplatz XVI in München.

00:17:23: Dieses Bild ist gleich ihrer früheren surrealistischen Aufnahmen sorgfältig von Miller inszeniert worden.

00:17:29: gerade aus dem befreiten Konzentrationslager Dachhol zurückgekehrt besudelt sie mit dem Schmutz aus dem Lager des Führers Badematte und lässt ihn in Form einer Fotografie bei diesem frivolen Palaststurm zusehen.

00:17:41: Die hat sie natürlich dorthin

00:17:43: gestellt.".

00:17:44: Das Einbringen der extra aus einem anderen Zimmer transluzierten kleinen Skulptur nach einem Entwurf, das NS-Künstlers Rudolf Keesbach wird im Grunde genau wie die gesamte Aufnahme wieder als Referenz zu Millas Modelkarriere interpretiert.

00:17:59: Miller eignet sich ganz haptisch mit ihrem Körper den Raum an, reinterpretiert ihn und schafft so ein starkes Symbol für Hitlers Entmachtung.

00:18:06: Was besondere Würze dadurch erlangt dass sie eine Frau ist und Schirmen der ebenfalls badete.

00:18:12: davon gibt es auch Aufnahmen.

00:18:14: ein Jude.

00:18:16: Das Foto wurde am ersten Mai nineteenhundertfünfundvierzig aufgenommen nicht so wie fälschlicherweise angenommen.

00:18:22: am dreißigsten also in der Nacht zuvor hatte Hitler sich in Berlin das Leben genommen.

00:18:29: Diese bewusste künstlerische Konzeption bzw.

00:18:32: die Manipulation einer vorgefundenen Situation zugunsten einer subjektiven Botschaft zieht sich als inherente Eigenschaft durch ihre Kriegsphotografien.

00:18:41: Dokumentarische Korrektheit ist, wie dieses Beispiel überdeutlich macht – nicht mehr das Ziel!

00:18:46: Sie wählt sehr selektiv aus was sie abbildet und was nicht und was sie als Motiv präsentiert so dass einige ihrer Kriegsphotographien eine kuratierte assoziative Realität zeigen.

00:18:58: Hier noch mal ein weiteres Beispiel.

00:19:00: Wir finden hier eine ganz effektvolle Lichtsituation vor, in dieser Aufnahme von ehemaligen Gefangenen vor den verbrannten Überresten ihrer Kameraden.

00:19:11: Millerschaft ist ein starkes Bild für die unfassbar hohe Opferzahl im Buchenwald.

00:19:15: Staben insgesamt sechsundfünfzigtausend Menschen.

00:19:18: Das wussten sie zu diesem Zeitpunkt natürlich nicht aber auch für die Wahllosigkeit des Mordens.

00:19:25: Wäre das Lager einige Wochen später befreit worden, hätten auch die hier abgebildeten zu einem Teil dieser furchtbaren Knochenhäufung werden können.

00:19:34: Ute Vrocklage weist darauf hin und da stimme ich ihr zu, dass Miller die Männer wahrscheinlich vor der Ansammlung menschlicher Überreste per Regieanweisung platziert hat.

00:19:42: Vrocklage argumentiert, das Fotos so zu arrangieren für Miller kann in Anführungszeichen fremdes Terrain gewesen sein, dass sie das selber ja auch als Model so erlebt hat.

00:19:55: Achso wir können das noch stehen lassen!

00:19:58: Welche Probleme ergeben sich jetzt möglicherweise aus Millers Ansatz?

00:20:02: Viele von Millers Bildern mit wenig dokumentarischem Wert, arrangiert und inszeniert.

00:20:07: Gefärbt von Referenzen zur europäischen Kunstgeschichte und Stilmitteln des Surrealismus, ästhetischen Überlegungen folgend auch im Schrecken mit assoziativen Bedeutungsebenen und subjektiver Meinung kann man sicher mit Fug und Recht als Kunt bezeichnen.

00:20:21: Das schließt nicht aus dass auf diese Aufnahmen einen gewissen Wert als historische Dokumente haben und beispielsweise Zeugenschaft ablegen über die Gräueltaten, die sich in den Konzentrationslagern abgespielt haben.

00:20:34: Aber als Träger von Informationen und Fakten sind sie unzuverlässig und bieten oft wenig Inhalt.

00:20:40: Mir fällt es darum schwer, Millers Werker als Fotogenalismus zu klassifizieren.

00:20:44: Vielmehr haben wir es an vielen Stellen mit einer kuratierten Wirklichkeit zu tun.

00:20:49: Darum sind ethische Fragen im Zusammenhang mit Millers Kriegsphotografien nicht unwichtig.

00:20:53: Ich nenne hier nur zwei Ansatzpunkte.

00:20:57: Erstens, manche von Millers Fotografien wurden in der Vogue während und kurz nach dem Krieg veröffentlicht.

00:21:02: So etwa auch das aus der Serie In Hitlers Badewanne.

00:21:06: natürlich wird im Text nicht darauf hingewiesen wie durch arrangiertes Bild eigentlich ist.

00:21:10: Im Übrigen sind auch ihre Texte hoch subjektiv.

00:21:13: kann man solche Bilder unkommentiert einer lesenden Öffentlichkeit als Kriegsreportage vorsetzen.

00:21:20: Zweitens Spricht man etwa mit Mitarbeitenden der Gedenkstätte Buchenwald, hört man als Kommentar zu ihren Bildern schon einmal ein verständnisloses.

00:21:29: Was soll das?

00:21:31: Vor allem im Bezug zu dem Bild des befreiten inhaftierten mit den selbst hergestellten Schuhen habe ich das gehört.

00:21:38: Darf man in einem gerade befreitten Konzentrationslager Bilder herstellen die von anderen Motivationen geleitet sind es der Welt zu zeigen was hier passiert ist?

00:21:46: darf man hier Kunst machen ästhetische Maßstäbe anlegen?

00:21:51: Sowohl Margaret Birg-White als auch Miller erklärten, dass sie sich hätten zwingen müssen die Lager zu fotografieren.

00:21:56: Sie sich aber dazu verpflichtet gefühlt hatten.

00:22:00: Meine Frage ist natürlich aus heutiger Sicht können wir das schwer nachvollziehen.

00:22:04: wie regiert man in einer solchen Situation?

00:22:06: was tut man da?

00:22:08: Ich persönlich denke nicht, dass Miller Zwinisch das Leid der ehemaligen Gefangenen ausnutzte sondern eine extremen Situation auf vertrautes Zurückgriff.

00:22:16: Kunst ist ihre Muttersprache und die die sie am besten spricht.

00:22:21: Diskussionen, wie die hier angerissenen kommen übrigens in der Miller-Literatur eigentlich nicht vor.

00:22:30: Andererseits bietet ihr spezifischer Blick und ihre Arbeitsweise vielleicht auch ganz grandiose Chancen.

00:22:36: In der schriftlichen und bildlichen Berichterstattung der westlichen Alliierten über die befreiten Konzentrationslager bildeten sich schnell spezifikere Muster heraus.

00:22:45: Ich orientiere mich an der exzellenten Forschung von Barbie Zelitzer Die in dem Buch Remembering to Forget die Fotografien aus diesem Kontext genau untersucht und ausgewertet hat.

00:22:56: Auch Johann Glasenab's Analysen der Schemata innerhalb der journalistischen Berichterstattung waren sehr hilfreich für meine Überlegungen.

00:23:04: Zeitgenössische Texte waren von einer gewissen Sprachlosigkeit, einer weitgehenden Ignoranz gegenüber jeglicher auch geografischer Kontexte der Lager geprägt.

00:23:13: Letzteres gilt auch für die bildliche Berichtestattung.

00:23:16: Vielen Journalisten fiel es schwer adäquate Worte oder überhaupt Worte für das Gesehene zu finden.

00:23:22: Man zog sich aus Not auf Vergleiche und Metaphern zurück, die sich oftmals im semanischen Feld Hölle oder Inferno bewegten.

00:23:30: Johann Glasenab weist auf die dabei entstehende Problematik hin, dass diese Praxis – Zitat – doch eine Entordnung der Verbrechen in ein vermeintliches Jenseits der Zivilisation Vorschub

00:23:42: leistete.".

00:23:45: Er betont, dass dieser deutschen Bevölkerung, die er nur zu gerne behauptete von nichts gewusst zu haben, Indikatenspielte.

00:23:51: wenn irgendwas Ganz weit weg ist, was Fremdes hat es ja nichts mit mir zu tun.

00:23:56: Zellitzer führt weiter aus dass individuelle Details die ein KZ unterscheidbar und identifizierbar machen wie der Name des Lages seine Geschichte die Nationalitäten seiner Insassen oder Opfer in der Bildberichterstattung oft fehlten oder falsch dargestellt wurden.

00:24:11: das übrigens bis heute auch neueren Publikationen.

00:24:15: zu Li Miller wird zum Beispiel dieses Foto aus dem KZ Buchenwald mit diesem schrecklichen Leichenhaufen oft auch mal Dachau zugeschrieben.

00:24:24: Ein beliebtes Erzählschema der Texte war die genaue Beschreibung und das Nachvollziehen der Topografie eines Lagers.

00:24:30: So bekam man einen nach innen gerichteten Eindruck eines Konzentrationslagers, aber nicht ein seiner geografischen Positionierung und Verankerung in der Welt.

00:24:40: Dieser Mechanismus wiederholt sich in der Fotografie.

00:24:43: Bergweit berichtete dass sie sich gezwungen hatte to map the place with negatives Also in diesem Fall die Überreste des Buchenwalder Außenlagers Leipzig Teckler zu kartografieren.

00:24:57: So, und jetzt hier mit diesen Bildern einer Begräbnisprozession setzt Miller sich von diesem Kanon radikal ab!

00:25:04: In einem Akt der Selbstermächtigungen bereiteten überlebende Gefangene ihren Kameraden ein würdiges Begrebnis in Reingräbern am Südhang des Etterbergs.

00:25:14: Am späten Nachmittag des fünften April noch nicht ganz im eigentlichen Lager angekommen, ist diese Prozession das erste was Miller auf dem Gelände begegnete.

00:25:26: Besonders relevant sind hier die beiden Aufnahmen oben rechts hier jetzt mal eine größer dargestellt da diese den Prozessionszug im Kontext der ihnen umgebenden Landschaft zeigen.

00:25:38: Miller schaut über die Gefangenen hinweg Richtung Weimar beziehungsweise auf dessen westliche Vororte wie Gabandorf.

00:25:45: Warum ist es so wichtig dass Miller als Einziger vergleichbare Bilder sind extrem selten, ihren Blick in Richtung Weimar wendet.

00:25:53: Also das nur zum Verständnis.

00:25:55: ich habe wochenlangen Bilddatenbanken durchsucht von der Gedenkstätte Buchenwald selber aber auch vom US United States Holocaust Memorial Museum in Washington und ich hab genau zwei gefunden die aber technischer Natur waren dann noch an die andere Richtung geguckt haben.

00:26:11: also gibt es einfach nicht.

00:26:15: Warum ist es so wichtig dass sie danach weimar guckt?

00:26:19: Spätestens seit es uns DenkerInnen wie Aleida Asmann und Simon Schamann angebracht haben, wissen wir dass Landschaften und Orte mit Bedeutung aufgeladen sind.

00:26:27: Unterinnerungen Kultur und Geschichte wuchstäblich im Boden verankern.

00:26:32: Die Landschaft in der Miller die Begräbnisprozession aus dem ehemaligen Konzentrationslage aufnimmt ist die wortwörtliche Kulturellandschaft bei Weimar.

00:26:41: Die Stadt Weimar steht synonym für die Weimara-Klassik Errungenschaften in der Literatur, Philosophie, Architektur und anderen Disziplinen, die um im Achtzehnthundert in Weimar her vorgebracht wurden.

00:26:53: Im Vordergrund standen dabei die Erziehungen des Menschen und die Veränderungen der Gesellschaft durch Kultur und Bildung – noch heute steht der Begriff für die deutsche humanistische Hochkultur.

00:27:03: Die Weimara-Klassik ist seit ihrer Zeit ein maßgeblicher Teil der deutschen Identität die von den nachfolgenden politischen Systemen, auch von der Nationalsozialisten angeeignet und instrumentalisiert wurde.

00:27:17: Das ist eines von den Bildern, die ich gefunden habe aber natürlich wie soll ich sagen in Sinne Intention ganz anders als das von Miller und das Guckdrichtung Erfurt.

00:27:34: Also ich weiß jetzt nicht genau wie vertraut Liemiller mit Goethe und Schiller war.

00:27:37: Ich war letztens bei den Liemillar-Archers und hab da mal nachgefragt.

00:27:40: Die haben noch ein paar Bücher von ihr Aber leider nicht mehr.

00:27:42: alle können also auch nicht genau sagen, ob sie das jetzt selber gelesen hat oder nicht.

00:27:46: Oder wie sehr vertraut Sie mit der Weimarer Klassik war?

00:27:52: Dass sie aber sehr, sehr genau wusste wo sie sich befand, könnten wir daran ablesen dass sie nach dem Konzentrationslager des zerbompte Weimarmeter Kamera einfingen wo sie besondere Schwerpunkte auf die zerstörten Wohnhäuser von Goethe und Schiller legt.

00:28:06: Also Goethes Wohnhaus oben links zum Beispiel.

00:28:11: Das ist hier eben Kontaktbogen aus Weimar.

00:28:14: Auch mit diesen Bildern aus dem Zentrum der Klassikerstadt war sie in diesen Tagen die einzige, da habe ich nichts vergleichbar ausgefunden.

00:28:20: erst danach wenn so ein bisschen das einsetzt dass die Soldaten auch ja nicht sagst mal einen Anführungszeichen ein bisschen mehr Sinn für eine touristischere Wahrnehmung haben dann gehen wir runter in die Stadt.

00:28:31: aber Miller ist wirklich die Einzige die bei der Befreiung darunter geht oder kurz nach der Befreihung.

00:28:42: Also dieses unscheinbare Bild birgt höchste Sprengkraft.

00:28:47: Provokativ könnte man behaupten, dass Milla das Heere klassische Weimar des Humanismus und der Aufklärung mit der visuellen Präsenz der ehemaligen Häftlinge unter Integration des Lagers in diesem räumlichen Kontext ebenso beschmutzt wie sie später Hitlers Bademeite.

00:29:04: Sie findet eine kraftvolle visuelle Metapher für die Zerschlagung der Behauptungen, dass es keine Verbindung zwischen Stadt- und Konzentrationslager gegeben habe.

00:29:13: Verweigert den Deutschen ein Weckducken vor der Verantwortung für das Geschehene und nimmt ihnen vor allem die Illusion, dass der Holocaust ein aus der Kulturgeschichte losgelöstes Phänomen war.

00:29:23: Deutsche Identität ist beides Goethe und Buchenwald.

00:29:28: Ich bin der festen Überzeugung, dass es Millers andersartiger nämlich künstlerisch-kultureller visueller aber auch intellektueller Referenzrahmen war.

00:29:35: Der ist ihr erlaubt über den Tellerrand beziehungsweise über die Lagergrenzen und die Grenzen eines Bilderkanons hinaus zu blicken.

00:29:43: So jetzt bin ich fast am Schluss versuche mich aber nochmal an einer extrem groben Einordnung.

00:29:49: also wie kann man jetzt Millers Arbeit während des Kriegs einordnen?

00:29:55: Die Beziehung zwischen Kunst und Krieg ist gut etabliert, erprobt und malnigfeiltig.

00:30:00: Ich hatte ja bereits Bedenken angemeldet, Milla in eine Reihe wie die hier mehrfach erwähnte Margaret Burg White zu stellen.

00:30:06: Aus meiner Sicht ist sie keine klassische Fotojournalistin wie ein Robert Kappa oder einen Don Macal.

00:30:14: Nun gibt es allerdings auch die Kategorie der von den jeweiligen Regierungen beauftragten Kriegskünstlern.

00:30:19: Wie die FotoreporterInnen sind sie nahe am Kampf geschehen haben aber explizit den Auftrag Kunst zu produzieren.

00:30:26: Ich habe Ihnen mal als Beispiel ein Gemälde von Stanley Spencer mitgebracht, der im Ersten Weltkrieg für das Vereinigte Königreich gearbeitet hat.

00:30:34: Das hat aber natürlich später im Atelier gemalt und macht Milla aber Kunst unmittelbar und nicht erst nach Rückkehr von der Front wie Spencer und eben für das Publikum der FotoreporterInnen.

00:30:47: Dann wieder gibt es unzählige Werke die pur künstlerisch auf Kriegshandlungen reagieren ohne dass er oder die Künstlerin in die Kriegsgebiete überhaupt betreten hat.

00:30:56: Und das berühmteste Beispiel in der Kunstgeschichte ist wahrscheinlich Pablo Picasso's monumentales Wandgemehl de Gernica von die Annihilation des gleichnamigen baskischen Dorfes durch deutsche Luftbomben im selben Jahr bezieht.

00:31:12: Miller taucht sicher auch ähnlich tief in künstlerische Aspekte ein und kuratiert ihre Bilder und Botschaften allerdings vor Ort.

00:31:20: Ich bin verfügt, Miller als eine Kombination aus allen drei Gruppen zu beschreiben.

00:31:27: Ich behaupte allerdings und es gibt keine Hinweise, dass das Gegenteil der Fall ist.

00:31:32: Dass sie ihre Arbeit intuitiv ausführte und ohne ein durchkonstruiertes Konzept in den Krieg zog.

00:31:39: Aus meiner Sicht folgte sie den Arbeitsweisen, die sie im Laufe ihrer Karriere entwickelt hatte, die nun aber in diesem neuen extremen Kontext eigene Dynamiken entwickelten.

00:31:49: Als Referenzpunkt konnte möglicherweise der Fotokünstler Richard Moss dienen.

00:31:54: Moss reist mit den Fotosjournalisten in die Krisengebiete dieser Welt und nimmt dort oft stark visuell verfremdete Bilder auf, die am Rande der Dokumentation angesiedelt sind.

00:32:04: Aber klar aus einem künstlerischen Ansatz heraus entstehen und für Intentionen Kunstwerke mit politischen Botschaften sein sollen.

00:32:12: In diesem Areal sehe ich auch Miller.

00:32:15: Moss scheint auch einige Ansätze reflektiert zu verbalisieren – die Miller unbewusst verfolgte!

00:32:21: So beschreibt er etwa Schönheit als Zitat, the sharpest tool in the box.

00:32:27: In dem er das Publikum dazu bringt, ästhetisches Vergnügen zu empfinden.

00:32:30: bei Bildern die dafür eigentlich unangemessen sind möchte einen Moment der Selbsterkenntnis erzeugen, der Zitat forces the audience to reflect on how images from conflict are constructed.

00:32:44: Ja, damit bin ich am Schluss angekommen und entschuldige mich dafür dass sich in diesem Rahmen einige ja recht große Themen kurz anreißen konnte nur.

00:32:53: Ich hoffe aber trotzdem das meine Gedanken klar geworden sind und ich freue mich wirklich sehr auf konstruktives Feedback für meine persönliche weitere Miller Reise und freu mich vielen Dank!

00:33:06: Was für ein intensiver Vortrag von Katharina Günther damals im November Zu sehen, wie selbst in der Dokumentar- und Kriebsfotografie von Lee Miller eine kuratierte Wirklichkeit steckt.

00:33:19: Das rückt unseren Begriff von Fakten Fake noch einmal in ein ganz anderes Licht.

00:33:23: Es zeigt das Fotografie eben nie einen neutraler Spiegel der Welt war sondern immer von der Perspektive und den Stilmitteln der Person hinter der Kamera geformt wird.

00:33:34: Ja, wie ging es euch beim Zuhören?

00:33:36: Verändert dieser Blick in die Geschichte eure Sichtweise darauf was wir historischen Bildern überhaupt glauben können?

00:33:42: Schreibt mir eure Gedanken super gerne auf und schickt sie mir PMail an podcastatfotografienneudenken.de.

00:33:51: In der nächsten Folge machen wir direkt weiter mit dem nächsten exklusiven Mitschnitt vom Symposium in Regensburg – Mit dem Beitrag von Stefanie Regina Dietzel von der Alfred R. Stiftung Inn Berlin.

00:34:06: Ja, sie beleuchtet wie generative KI und technologische Bildprozesse unsere visuelle Gewissheit komplett auf den Kopf stellen – und wann aus einem vermeintlichen Fakt plötzlich ein perfekter Fake wird!

00:34:21: Kleiner Hinweis noch wer sich die Beiträge, Panels & Vororträge lieber als Video ansehen möchte der kann das tun auf unserem YouTube Kanal unter youtube.com.

00:34:35: Und ihr habt es vielleicht schon mitbekommen, die Ausstellungs-Tour läuft und läuft vom deutschen Fotobuchpreis.

00:34:41: Noch bis zum August, ist die preisträger Ausstellung des Jahrgangs im Regierungspräsidium in Karlsruhe zu sehen.

00:34:50: Vom Elften bis zum September, sind sie dann in der Kunsthalle in Düsseldorf auf der Kunstbuchmesse Between Books.

00:34:58: Dort werde ich auch sein und ein paar Live vor Ort Gespräche führen.

00:35:02: Kommt also gerne vorbei!

00:35:04: Danach sind wir wieder auf der Frankfurter Buchmesse mit den Nominierten des deutschen Foto-Buchpreises, die jetzt gerade suggeriert werden vom siebten bis zum elften Oktober.

00:35:17: Und wer wieder die begärten Ticketrabatt Infos bekommen möchte, der möge sich doch einfach gerne bei unserem Newsletter anmelden und ganz schnell eintragen unter www.deutscherfotobruckpreis.de slash newsletter oben in der Leiste einfach auf Anklicken.

00:35:37: Ja und auch die Preisverlauung vom deutschen Foto-Buchpreis hat bereits einen Termin, und zwar ist das am Samstag, den November, dem November, im Regensburg.

00:35:46: Infos dazu demnächst aber wer sich schon mal anmelden möchte kann das natürlich sehr gerne tun unter info at deutscherfotopreis.de Und selbstverständlich sind diese Informationen auch in den Show Notes für euch zum Ankliken aufbereitet.

00:36:02: Ja, sind euch beim Zuhören Fragen gekommen oder etwas aufgefallen?

00:36:04: Oder ihr möchtet einfach nur einen Kommentar loswerden.

00:36:07: Sehr gerne!

00:36:07: Dann schreibt mir eine Mail an Podcastatfotografieneudenken.de.

00:36:12: Und wenn ihr eine interessante Veranstaltung habt zum Thema fotografische Bilder, Fotografie, KI, Photophilosophie, Fototheorie

00:36:18: usw.,

00:36:19: dann meldet euch gerne und wir schauen was wir gemeinsam vielleicht sogar live vor Ort machen können.

00:36:25: auch hier eine E-Mail an mich Wenn euch diese Episode gefallen hat, selbstverständlich teilt's mit euren Kollegen und Freunden.

00:36:33: Drückt auf abonnieren und hinterlasst mir super gerne!

00:36:37: Was soll es auch anders sein?

00:36:38: Eine fünf-Sterne-Bewertung auf Spotify oder Apple Podcast.

00:36:46: Vielen Dank fürs dabei sein, fürs zuhören, fürs Mitdenken.

00:36:49: Ciao ciao hund bis bald.

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