Ruth Horak
Shownotes
Vortrag: Eine Frage der Flexibilität
Mit der Dehnbarkeit des Fotografiebegriffs steht auch die Flexibilität des Wahrheitsgehalts einer Fotografie zur Diskussion. Sind analoge Fotoarchive die letzten zuverlässigen Bildzeugnisse? Aber wie groß ist der Interpretationsspielraum, wenn sie Jahrzehnte später gesichtet werden? Und können nicht auch Fakes das materielle Erbe einer ungeschriebenen Geschichte antreten? Selbst wenn sie keine indexikalische Beziehung zum Geschehnis haben, aber gut recherchiert und inszeniert sind? Künstler*innen und ihr freier Umgang mit Materialien sind eine gute Grundlage, um über solche Fragen zu reflektieren, reizen sie doch das Feld, in dem sie sich bewegen, ständig aus.
Ruth Horak ist Kuratorin, Autorin und Lehrbeauftragte und befasst sich vor allem mit konzeptueller Fotografie und Fototheorie, insbesondere mit der technologischen und gesellschaftlichen Entwicklungsgeschichte des Mediums, welche Bildsprachen dabei generiert und welche Fragestellungen bei TheoretikerInnen aufgeworfen werden. Außerdem verfolgt sie, wie die Fotografie in Literatur und Film reflektiert wird. Besonders über den künstlerisch-experimentellen Umgang mit den Bedingungen und Eigenschaften der Fotografie sowie über das Analoge als Motiv hat sie vielfach publiziert.
https://photography-she-said.com
Foto: Susanne Suttner
Link zum Vortragsvideo: https://festival-fotografischer-bilder.de/portfolio/ruth-horak/
- - -
Episoden-Cover-Gestaltung: Andy Scholz Episoden-Cover-Foto: Susanne Suttner
Link zu unserem Newsletter:
https://deutscherfotobuchpreis.de/newsletter/
Idee, Produktion, Redaktion, Moderation, Schnitt, Ton, Musik: Andy Scholz
Der Podcast ist eine Produktion von STUDIO ANDY SCHOLZ 2020-2026.
Andy Scholz wurde 1971 in Varel geboren. Er studierte Philosophie und Medienwissenschaften an der Universität Düsseldorf, Kunst und Design an der HBK Braunschweig und Fotografie/Fototheorie an der Folkwang Universität der Künste in Essen. Er ist freier Künstler, Autor und Dozent. Seit 2012 unterrichtet er an verschiedenen Instituten, u.a.: Universität Regensburg, Fachhochschule Würzburg, North Dakota State University in Fargo (USA), Philipps-Universität Marburg, Ruhr Universität Bochum, Pädagogische Hochschule Ludwigsburg. 2016 wurde er in die Deutsche Gesellschaft für Photographie (DGPh) berufen. Seit 2016 ist er künstlerischer Leiter und Kurator vom INTERNATIONALEN FESTIVAL FOTOGRAFISCHER BILDER, das er gemeinsam mit Martin Rosner gründete. Im ersten Lockdown im Juni 2020 begann er mit dem Podcast und seit 2022 ist er Organisationsleiter vom Deutschen Fotobuchpreis, der ins INTERNATIONALE FESTIVAL FOTOGRAFISCHER BILDER in Regensburg integriert wurde. Er lebt und arbeitet in Essen (Ruhrgebiet).
https://fotografieneudenken.de/ https://www.instagram.com/fotografieneudenken/
https://festival-fotografischer-bilder.de/ https://www.instagram.com/festivalfotografischerbilder/
https://deutscherfotobuchpreis.de/ https://www.instagram.com/deutscher_fotobuchpreis/
https://andyscholz.com/ https://www.instagram.com/scholzandy/
Transkript anzeigen
00:00:00: Fotografie neu denken, der Podcast.
00:00:03: Moin und herzlich willkommen zu Fotografien neu denken – der Podcast!
00:00:07: Mein Name ist Andy Scholz.
00:00:15: Ja wie ihr wisst bin ich nicht nur Podcaster sondern auch Festivalintendant und künstlerischer Leiter und zwar vom Internationalen Festivalfotografscharbilder das alle zwei Jahre in Regensburg stattfindet.
00:00:26: Und genau um dieses Festival soll es heute und in den kommenden Episoden gehen.
00:00:31: Mit dabei sind Rotorak, Katharina Günther, Stefanie Regina Dietzel, Emma Rüter, Maren Kringes und Anja Schirmann.
00:00:40: Darüber hinaus werdet ihr ein hochinteressantes Künstler-Innengespräch hier zu hören bekommen nämlich von einigen beteiligten Künstlerininnen der Ausstellung Fakt and Fake die ich letztes Jahr in Regensburg für das Internationale Festival fotografischer Bilder kuratiert habe.
00:00:58: Also bleibt doch gern dabei und genießt den Sommer mit meinem Podcast rund um fotofilosophische brandaktuelle Themen aus meinem fotografischen Universum.
00:01:12: Ja,
00:01:12: und im November zwanzig-fünfundzwanzig war es dann wieder soweit!
00:01:15: Und ich möchte heute in einigen weiteren Folgen einen Blick hinter die Kulissen eines der spannendsten Events der Fotografieszene in Deutschland werfen wie ich finde Und zudem wir, also Martin und ich das Internationale Festivalfotografschabilder in den vergangenen neun Jahren gemacht haben.
00:01:34: Hoffen wir dass es eine weitere Ausgabe twenty-sevenundzwanzig geben wird!
00:01:39: Wir arbeiten daran!
00:01:41: Mit der Ausgaben Fakt and Fake letztes Jahr widmete sich das Festival der aktuell wohl brennendsten Frage unserer visuellen Kultur.
00:01:50: Die Kernidee dahinter ist radikal neu zu hinterfragen wo die Grenze zwischen dokumentarischer Wahrheit und digitaler Torschung verläuft.
00:02:00: In Zeiten von generativer KI und deepfakes zeigte das Festival Fotografie eben nicht als bloßes Abbild, wenn man so will sondern viel mehr als hochpolitisches Instrument dass unsere Wahrnehmung manipuliert.
00:02:17: Genau in diesem Spannungsfeld schaffte das dazugehörige prominent besetzte Symposium den Spankage Pagan zwischen künstlerischer Ästhetik und messerscharfer Medienkritik.
00:02:28: Und das Beste, ihr musstet nicht selbst im Publikum sitzen um dabei zu sein!
00:02:32: Ich habe für euch die Mikrofone mitlaufen lassen und präsentiere hier jetzt nach und nach die spannendsten Tonmitschnitte.
00:02:39: Den Anfang macht die Wiener Fototheoretikerin Kuratorin und Autorin Ruth Horak.
00:02:46: Wer ihre Arbeit kennt, weiß dass ihr das Medium dort hingehend hinterfragt wo es wehtut und spannend wird.
00:02:53: Passend zum Festival-Motto hat sie uns eine Frage mitgebracht die im Zeitalter von digitaler Simulation aktueller kaum sein könnte.
00:03:02: Nämlich eine Frage der Flexibilität.
00:03:06: Rotorat beleuchtet darin wie denbar unser Begriff von Fotografie und damit auch unser Verständnis eigentlich geworden ist.
00:03:17: Sind alte analoge Fotoarchive wirklich unsere letzten verlässlichen Bildzeugnisse?
00:03:23: Oder können gut inszenierte Fakes vielleicht sogar das Erbe einer ungeschriebenen Geschichte antreten?
00:03:30: Hören wir also mal direkt rein in ihren klugen, augenöffnenden Vortrag über die Grenzen zwischen Fakt fake und der wunderbaren Dehnbarkeit der Linse!
00:03:40: Viel Spaß mit den exklusiven Einblicken vom Symposium letztes Jahr.
00:03:46: Hier ist Ruth Horak.
00:03:49: Ich war ja vergangenes Jahr schon mal hier auf Einladung von euch beiden bei der Jury für den Fotobuchpreis und damals bin ich auf Bücher aufmerksam geworden, oder jetzt ein Jahr später sind quasi Bücher für mich in Erinnerung geblieben die mit Materialien aus Familienarchiven zum Beispiel gearbeitet haben.
00:04:11: das war Diana Müller die Jana Müller mit dem falschen Hasen, wo es um Akten und Objekte ihres Vaters geht der Polizist war oder die Saskia Daria Gettl.
00:04:23: die mit dem Archiv der Großeltern oder des Großvaters gearbeitet hat.
00:04:29: Beide Großelter hatten eine Gift-Schlangenfarm, wo sie das Gift gewonnen haben.
00:04:35: Oder es war der Sebastian Rima da mit den Presspaintings und noch mehrere andere.
00:04:41: Das ist mir so in Erinnerung geblieben vom Vorjahr, dass diese Arbeit mit Bildarchiven aus einer analogen Zeit in seine künstlerische Beschäftigung hineingeflossen ist.
00:04:54: Sie haben mich angesprochen, weil sie eben ein weiteres Puzzlestein waren in den Bewusstsein dass das nun wirklich die letzten Papiererinnen-Bildarchive sind.
00:05:07: Ausbelichtete Fotografien stehen für das zwanzigste Jahrhundert.
00:05:11: Sie stehen für diese erste Allgegenwart von Analogen damals Fotografin von Stapelweise Fotografien.
00:05:18: Für eine Allgegen war damals auch von Zeitungen, Zeitschriften endlos Drucksorten also.
00:05:23: unsere Postfächer waren ja voll mit Einladungskarten von diversen Ausstellungseröffnungen und es war üblich dass man aus fotografierte Filme... Sie mussten nicht einmal ausfotografiert sein.
00:05:35: manchmal macht die halben schon zurückgespult aber sie in Stundenlabore gebracht um kurz darauf dann die chemisch ausbelichteten Fotos wieder abzuholen.
00:05:46: Und diese damalige Allgegenwart der Fotografie kommt in Filmen vor, wie hier dem One Hour Foto.
00:05:54: Denn wahrscheinlich eh die meisten gesehen haben.
00:05:56: also worum geht das sein Angestellte?
00:05:58: In so einem Stundenlabor sich die Fotos einer Kundin dupliziert, deren er verärzt sozusagen hat und wo er halt an den Familienleben teilhaben wollte und hat sie dann.
00:06:10: aber es wird dann gruselig hat sie bei sich zu Hause auf der Wohnzimmerwand da bezieht.
00:06:16: Ich selbst habe auch in einer Ausstellung «Simon-Ninzig» in der Galerie Metzanin, die damals in Wien war und heute in Genf eine solche Zweigwand sogar.
00:06:25: Zwei Wände tapiziert richtig gehend mit Fotos zu denen ich Zugang hatte weil man eben schneller bohren die Fotos ja zurückgeben konnte, die man nicht wollte.
00:06:35: Man musste sie auch nicht bezahlen also man hat einfach den Ausschuss dort lassen können.
00:06:41: Ist die Frage, sind sie weggeworfen worden oder nicht?
00:06:43: In meinem Fall hat sich Zugang zu ganzen Truhen voll solcher Tausender Fotos.
00:06:49: und habt ihr dann auch durchgeschaut.
00:06:50: Das war jetzt nicht wahllos sondern die waren schon ausgewählt von mir.
00:06:54: also hier ist ein kleines Detail das wir dann im Ausstellungsfolder hatten weil sie ja doch faszinierend sind.
00:07:01: diese analoge all Gegenwart von Fotografie hat sich innerhalb der nächsten zehn Jahre in den digitalen Raum verlagert.
00:07:09: Beziehungsweise hat das natürlich auch parallel existiert, bis dann die Big Player der Fotoindustrie gehen mussten.
00:07:15: Und in Österreich war es zum Beispiel, seit Jahrzehnten soweit, dass in der Statistikaustria der Farbnegativfilm aus dem Warnkorb genommen wurde – also aus diesem Verbraucherpreisindex Warn korb gestrichen wurde und mit ihm natürlich auch die Entwicklung von Farb negativ filmen sowie die Farbbildvergrößerung Beziehungsweise Fotos erst Ausarbeitung.
00:07:38: Also ich habe jetzt den Vergleich nicht gesucht, wie es in Deutschland war, aber wahrscheinlich so ähnlich... also mit dem Jahr zwei Jahrzehnten war das quasi klar dass im normalen Haushaltsbudget eine Familie der Farbfotofilm keinen Platz mehr hat.
00:07:54: Das heißt dieser total verschwenderische Umgang mit Papierenden Fotos ist nun gut zwanzig fünfundzwanzig Jahre her.
00:08:02: Und diese Bücher letztes Jahr haben eben auch mitschwingen lassen, dass solche papierenden Teile aus einer anderen Zeit eben auch wie Briefe oder Zeitungsartikel natürlich zunehmend einen anderen Stellenwert bekommen.
00:08:16: Und es ist jetzt für meine Generation – wir waren quasi noch froh, dass das auch mal Schluss ist mit diesem ganzen Chemie-Aufwand – die Jana Müller ist Jahrgang seventy-seven.
00:08:26: Die hat diesen verschwenderischen Umgang wahrscheinlich auch noch sicher sogar miterlebt.
00:08:31: Beim Sebastian Riemann mit Jahrgang zweiundachtzig ist schon nicht mehr so selbstverständlich.
00:08:35: Der hätte auch theoretisch als seine erste Kamera digital sein können, war es nicht jetzt in dem Fall aber von der Generation her.
00:08:43: und die Saskia Gettl mit Jahrgang zweitausend für dies natürlich schon ganz ein anderer besonderer Zauber wenn Fotografien auf einer anderen Ebene auch authentisch sind, weil die ja wirklich dort waren.
00:08:56: Das Negativ war dort bei der Giftschlange und der Großvater hat dieses Foto in der Hand gehalten.
00:09:01: also das hat natürlich noch so einen zusätzlichen emotionalen autentischen Wert.
00:09:06: D.h.,
00:09:06: diese oben genannten Bücher waren weitere Indizien dass sie sich nun tatsächlich um solche letzten papierenden Fotoarchive handelt.
00:09:15: es wird sie nie wiedergeben, so wie der Sebastian Rima.
00:09:19: Sie durchforstet hat diese Konvolute an Abzügen die jemand Bild für Bild vielleicht händisch in der Dunkelkammer ausbelichteten und entwickelt hat.
00:09:30: Über sie wird jetzt den Kategorien Wie Nachlässe oder bestenfalls noch Vorlässer verhandelt.
00:09:37: Wenn sie jemand als relevante achtet werden sie digitalisiert und dann ins eure freien Schachtel archiviert eine Auswahl publiziert.
00:09:46: Wenn nicht, landen Sie zuerst am Flohmarkt und in Trödel-Läden.
00:09:50: Wenn sie Glück haben werden sie dann von Sammlern entdeckt die sich solchen analogen Alltagsfotografien anwenden dabei zum Beispiel diese Sammlung in Aarles dieses Jahr von Marion Philipp Chakier.
00:10:04: Die werden dann zum Beispiel nach Kategorien gesortiert aber wie Sie sehen das war jetzt in der Ausstellung.
00:10:10: die Präsentation ist halt auch schachtelnvoll von solchen Materialien Und in Österreich gibt es dann das Milaneum oder Orthogrom, also es gibt schon viele die jetzt sich darauf spezialisiert haben auch solche Dinge zu sammeln.
00:10:25: Wahrscheinlich auch mit dem Bewusstsein sind eben die letzten dieser papierenden Fotoarchive.
00:10:32: Die, die nicht entdeckt werden kommen früher oder später auf den Müll.
00:10:36: und wenn sie da noch ganz großes Glück haben, dann werden Sie vom Arno Geiger zum Beispiel von unserem österreichischen Schriftsteller entdecken der jahre, Jahrzehnte lang wie ein Altpapierton gekramt hat und Briefe und Fotos geborgen hat.
00:10:51: Und der dann die eine oder andere Geschichte um seine Fotografie baut.
00:10:55: also was ich da jetzt mitgebracht habe das war vor zwei Jahren in Leipzig auf der Buchmesse.
00:10:59: da hat Österreich den Landesschwerpunkt gehabt und in dieser Ausstellung österreichische Literatur der letzten fünfzig Jahre waren an das Beispiel Und lustigerweise hat er die Fotos in einer Weinkiste, die aus dem Chateau Talbot kommt.
00:11:15: Also das war noch seine nette Verknüpfung und zieht halt auch einzelne quasi aus der Kiste und schreibt dann relativ banale Texte weil er auf der Ebene jetzt auch diese Alltagsphotografien bleiben will.
00:11:31: In der Tageszeitung der Standard veröffentlicht also nimmt dann auch diese Rückbindung wieder auf an den Alltag.
00:11:41: Wir wissen jetzt natürlich, wodurch dieses Material seine Wirkung entfaltet.
00:11:46: Solche Fotografien erscheinen als zuverlässige Bildzeugnisse, weil entweder sie selbst oder ihre negative vor Ort waren, weil sie den Status von Augenzeugen haben und eine Reise hinter sich haben durch verschiedene Hände gegangen sind einen händisch gemachten Tierrand zum Beispiel haben, weil sie handisch beschriftet sind auf den Rückseiten.
00:12:09: Weil sie in einem Album waren aus dem sie wieder herausgenommen wurden, weil Sie ein Gewicht haben eine Haptik und ein Geräusch.
00:12:17: das heißt die haben ganz andere sinnliche und damit menschliche Dimensionen als Bildschirmfotos.
00:12:25: Das Ende der Analogenbildarchive kulminierte dann für mich im Gespräch mit dem Sebastian Riemann der ein Projekt eingereicht hat, mit dem er dieses Ende der Papierendenbildarchive drastisch vor Augen führt.
00:12:40: Nämlich indem er eine Tonne schwarz-weiß Fotografien zerstört und anfangszeichen.
00:12:46: Er hatte es ja schon mit den Preisebildern diesen gigantischen Abfall Berg angesprochen, den die Pressefotoindustrie erzeugt hat Und führte dann diesen Gedanken des Abfalls jetzt noch mal weiter.
00:13:02: Ich zitiere aus seinem E-Mail Von einem Protagonisten der deutschen Nachkriegsfotografie habe ich ca.
00:13:10: tausend kilo hochwertige Windage-Silber-Skeletinabzüge erhalten, die Werke waren vom Nachlass bereits zur Entsorgung bestimmt.
00:13:20: Ich habe sie unter der Auflage übernommen dass keine Abbilder der Motive entstehen dürfen.
00:13:28: Dann hatte ich folgende Idee Dass in den Abzügen bildgebende Silber wird extrahiert und zu einer Skulptur gegossen.
00:13:38: Die Bildträger werden im Prozess erhalten, also die Papiere selber und so zum minimalen fotografischen Plastiken als Träger ohne Bilder gelöschte analoge Fotografien.
00:13:52: Das heißt, die ursprüngliche Motive.
00:13:56: hier sieht man jetzt eben diese Tonne wie er sie bekommen hat, wie Sie es zum ersten Mal sichten Und dann geht es eben weiter, dass er sie zusammen mit einem Chemiker in ein Bad legt.
00:14:09: Wo sich diese Silber-Schicht wieder abhebt und Teile... Also das gibt verschiedene Stadienaufnahmen.
00:14:18: Ich habe jetzt nur eins mitgebracht wo das Motiv schon sehr weg gewaschen quasi ist weil ich nicht wusste wie sehr die Motive jetzt sehen darf.
00:14:28: Aber jedenfalls geht es um diesen Prozess und wir werden das dann in einer Ausstellung im März unter dem Titel Some Secrets on Photography in Francisco Carolino mit Linsach zeigen.
00:14:38: Und er wird eben dort die Ergebnisse haben, also diese leer gewaschenen Papiere, dann dieses Objekt aus dem Silber, das er gießen lassen möchte wahrscheinlich zusammen... einem geometrischen Figur und dann zwischen Stadien.
00:14:53: Also so wie hier, dieses Bild ist eben ein Stadion das er in die Wanne hineinfotografiert und dieses Motiv gerade in Auflösung ist.
00:15:05: Hier sieht man seine Vorgehensweise dass dann die Reaktionslösungen nach der Entnahme quasi sich setzt und am Schluss gefiltert wird Und aus diesem Filter dann quasi im Ideal, die so viel wie möglich silber gewonnen wird um draus dann diese geometrische Figur zu gießen.
00:15:27: Im Franzisco Carolinum wollen wir eben auch diesen Prozess ausstellen.
00:15:30: also soll sie diese Reihe der wirkliche Zerstörung und dann mit dem Produkt am Ende zu sehen sein.
00:15:37: Das heißt, meine Aufmerksamkeit für Projekte in welchen Archivmaterialien verwendet werden ist dann beim Roncantra und Arl noch einmal getriggert worden.
00:15:48: Dort war ein Raum vom Jean-Michel André, hat den jemand gesehen, Raum zweihundertsieben und begleitet mit dem Vorwissen wenn man sich, wenn man den Satz am Beginn liest dass das La Chambre des enfants était durch son set.
00:16:08: Also das Zimmer der Kinder war das Zimmer zweihundertsieben, dort habe ich meine Erinnerungen und meine Kindheit zurückgelassen.
00:16:16: Und am Beginn des Ausstellungsrundgangs war dieses Bild von einem Wallpaper von einem Fenster mit einem Vorhang, das hinauszieht.
00:16:29: Das heißt man wusste es hat so quasi eine einen tragötischen Hintergrund und ist dann immer wieder über verschiedene Dokumente in die Geschichte hinein gezogen, als ein Telefax aus dem dann schon relativ klar wird dass die Körper der sieben Opfer ermordeten Opfer von den zwei Überfalleräubern ermordete Opfern in der Luxus im Sofitel in Avignon gefunden wurden in der Lobbyliegend und so weiter.
00:17:02: Es wird dann relativ schnell gehört, dass es einen unmittelbaren familiären Bezug hat – man sieht dann rechts das Passbild eines Mannes eine Anbanduhr aus den Achtzigerjahren.
00:17:15: Also es klärt sich relativ schnell, dass ein Überfall auf ein Hotel geht, wo er der Künstler jetzt, Jean-Michel André mit seinem Vater, Und der Vater ist ermordet worden.
00:17:30: Kind war in einem anderen Zimmer, weil Vater mit seiner damaligen Freundin und deren Tochter auf Reisen waren – das heißt die haben die zwei Kinder in ein Extrazimmer gebucht – und die beiden Eltern sind ermordnet worden plus fünf andere Leute.
00:17:45: Und was ihm geblieben ist, ist eben nichts!
00:17:48: Also er hat es komplett vergessen an Nessie….
00:17:51: …und hat dann ab dem Jahr zeigend Jahre später begonnen das aufzuarbeiten und unter anderem weil ihm diese damalige, wie sagt man Stiefschwester einen Brief geschickt hat ob er sich an irgendwas erinnert.
00:18:09: Und dann hat er eben begonnen jetzt aus diesen verschiedenen Materialien die zum Teil Fakten sind also Telefaxe von der Assurance France Press von der Presse Agentur aus dem Tag oder vom Tag danach wie hier als dann die Leute schon ein Krimi-Tourismus gemacht haben, hingereist sind zum Sophitel und sich da gegenseitig fotografiert haben vor der Fassade des Hotels wo gestern quasi am Vortag dieser Überfallstadt gefunden hat.
00:18:44: Er hat dann recherchiert, er hat die ganzen Archive möglich waren.
00:18:49: Auch das diplomatische Archiv der Vater war eigentlich Diplomat einsehen können – die Pressearchive und die Polizei-Archive.
00:18:59: Und dann eben verschiedene Zusammenstellungen für diese Serie, für den Buch.
00:19:06: auch probiert muss man fast sagen Was mir dann aufgefallen ist, dass er eben auf der Suche nach der Wahrheit ist und auf der suche auch nach der Verarbeitung seines Traumers.
00:19:19: Aber für mich jetzt als Außenstehende eine andere Vorgehensweise interessant war.
00:19:27: Also ich zeige noch ein paar, das ist so eine Zusammenstellung wo wo man sieht, wie er mit dem Material umgeht.
00:19:33: Also rechts ist auch wieder ein Telefax, wo einer der Mörder zu sehen ist, mit dem eingeblendet auch diesem Telefaxis Text aber eher vergrößert so stark dass eben wirklich diese Fax-Optik dieses ganz kriselige schwarze den Hintergrund eigentlich total übernimmt.
00:19:54: also auch den Hals jetzt der Person und das Gesicht hat er sowieso ausgelöscht unter anderem, weil einer der drei beteiligten Mörder von den anderen beiden Richtigen hingerichtet wurde.
00:20:09: Also die haben ihm auch in den Kopf geschossen mehrere Male.
00:20:12: also es ist so eine Mischung aus... das war wahrscheinlich nicht viel übrig und er sagt aber für sich muss jetzt dieses Gesicht natürlich auch auslöschen, weil er's nicht sehen will.
00:20:23: oder so eine Seite, das war damals im Paris March, Paris-March in der Magazin wo er dann das Knittern, was vielleicht jetzt auch so.
00:20:34: beim Hemd gibt es natürlich Falten und das Knittern ist auch seine Möglichkeit in der Falte etwas zu verbergen.
00:20:40: Also er knittert dann diese Seite so stark dass man die Leichen, die eigentlich am Boden liegen nicht zieht um sie wegzumachen.
00:20:48: aber sein Umgang ist eben dann einer der in so eine künstlerische Form hineinzieht.
00:20:56: Und während André selbst dem Projekt den denotativen Titel Room Two Hundred Seven gibt, überschreiben die Kunstmagazine wie das Blind-Magazin des Projekts aber schon mit Photography as a tool for Reconstruction oder Recomposing Memory.
00:21:15: Und da André es selbst sieht als seine Suche nach der Wahrheit die aber immer wieder verloren geht, weil er sich auch nicht erinnern kann.
00:21:23: Und dann wenn er in den Archiven ist taucht sie manchmal wieder auf und dann ist es eine Frage wie er sie interpretiert?
00:21:30: Für mich als unabhängige Beobachterin stellt es sich unweigerlich die Frage – Ist die Wahrheit denn nicht eh immer eine Konstruktion aus der Sicht derer, die Sie formulieren?
00:21:43: Sei das jetzt eben der Jean-Michel André aus seiner Sicht oder es gibt eine Schwester eines Opfers, die Genevieve Serviette, die dann ein Buch geschrieben hat über den Bruder der eigentlich Pianist war und eins der Opfer war.
00:21:57: Oder wie sieht die Wahrheit aus?
00:21:59: Aus der Sicht der Mutter, deren Sohn quasi den Überfall beim Überfall dabei war und dann hingerichtet wurde von den Kollegen oder aus der Sicht eines Journalisten, der auch einen Buch geschrieben hatte er das wieder als Krimi gedreht hat weil ja der Diplomat vielleicht Vielleicht gibt es einen anderen Grund, warum man den Diplomaten ermordet hat und so weiter.
00:22:20: Also Wahrheiten sind natürlich auch als je nach Sicht... Und das hat mich dann erinnert an ein Film der mich als junge Frau sehr beeindruckt hat vom Akira Kurasawa Rashomon Wo es genau um das geht, dass dann vier Leute in eine Szene verwickelt waren auch in einen Mord und die vier Leute inklusive dem Toten der dann quasi vom Himmel aus sein Statement abgibt.
00:22:51: Jeder von den Vieren erzählt was komplett anderes, das am Ende nicht einmal klar ist wer eigentlich der Mörder ist.
00:22:56: Also das Opfer bleibt klar aber wer eigentlich gemordet hat?
00:23:00: Und es ist so ein schönes Symbolik für die Verzerrung von Wahrheit, weil eben die unterschiedlichen Bedeiligten das ganz unterschiedlich wahrnehmen.
00:23:10: Das heißt, vierzig Jahre später jetzt beim Jean-Michel André und als unabhängige Beobachterin, die man sich nicht mit dem Trauma befassen muss beeindruckte mich vor allem die Form, die der Künstler wählte – die Zusammenstellung der Dreierlei Materialien mit welcher die Geschichte rekonstruierte also die Aktenbeweise historischen Mitschriften
00:23:32: usw.,
00:23:34: Dinge mit denen wir einen sehr hohen Grad an Wahrheit verknüpfen.
00:23:38: Dann die Erinnerungsgegenstände wie die Uhr, den Kopfverschlüssel des Vaters persönliche Fotos noch wo Vater und Sohn zu sehen sind Und dann die Reise in der Jetztzeit.
00:23:50: also die großen Fotografien sind immer Reisen aus der jetzt Zeit die er entweder mit dem vater eigentlich machen wollte weil sie waren am Weg nach Sardinien oder Wo er mit dem Vater gelebt hat das kleiner Junge oder wo der Vater in Saarbrücken gearbeitet hat als Diplomate.
00:24:07: Es sind verschiedene diese Verknüpfungen, also der Transport in die Jetzzeit, wo er sich auf den Weg gemacht hat, wo eher noch und wo der Vater noch aktiv war.
00:24:20: Der besondere Umgang mit dem Auslöschen der Gesichter oder dem Zerknüllen der Seite des Gesichtes, des Täters weg zu kratzen.
00:24:33: Die Form wird die Einzelteile in der Ausstellung eine Choreografie packt, also jetzt auch die Schneeflocken oder das dritte Bild des Sprung ins Wasser wo auch quasi Dinge eigentlich ausgelöscht sind.
00:24:47: und letztlich kombiniert sie so einem Satz wie ich möchte Meine verschwundenen Erinnerungen neu erfinden.
00:24:54: Also ein Französisches Reinventé, also so was eigentlich nicht geht.
00:24:59: Also Erinnerung neu erfinde sie zum Teil und den Rest muss er dazu erfinden!
00:25:06: Also er selber hat gar keine Erinner- rungen, er stützt sich auf den Brief der Tochter der Lebensgefährtin auf die Archive und die Rekonstruktion der historischen Ereignisse funktioniert für mich jetzt persönlich sehr über die künstlerischen Eingriffe, die die verwendeten Materialien über die bloßen Tatsachen hinausheben.
00:25:28: Und ich finde erzählt die Geschichte wirklich so eindringlich indem man sie aber eben mit seinen eigenen ... also quasi über den Aktenstand hinausgeht und mit seinen eigentlichen Eindrücken parrt.
00:25:41: Also hier immer wieder neue Zusammenstellungen, auch das Passbild des Vaters mit der Uhr und dem Sprung im Wasser rechts.
00:25:50: Das ist jetzt eher ein kleiner Junge die Frau, die ihn aus dem Hotel geleitet war aber auch wieder ein Stück vom Foto wegreißt um halt auch dem Recht der Frau auf ihr Gesicht quasi nicht zu nahe zu treten.
00:26:08: Das heißt, es geht nicht ums Geschichte schreiben und der Geschichte einen einheitlichen Platz zu geben.
00:26:17: Und dann aber immer wieder was er macht wie er die Materialien in eine neue Form bringt also dieses Bild aus dem Paris-March zerknittert.
00:26:27: Die Paris March hat da mit zwanzig Der Großvater hat das Magazin gegeben, wo der Überfall beschrieben war und als Zwanzigjähriger hat es verbrannt.
00:26:37: Er wird durchgeschaut und verbrannt.
00:26:39: Jetzt noch vier, zwanzig Jahre später hat er sich's wieder gekauft und wieder verbrankt aber das Verbrennen halt als Form einer fotografischen Arbeit auch verwendet.
00:26:52: Das heißt, dass gibt diese gelöschten Gesichter das abgerissene Bild aus dem Foyer Die überbelichteten Teile eines Films rechts unten, das beschnitterne Foto vom Fluchtfenster.
00:27:05: Das ganze Eingang ist dieses Fenster mit dem Vorhang.
00:27:07: Da liegen eigentlich auch unten die Leichen also wo er dann auch halt für sich einfach was welche wie viel ist zu zeigen entscheidet.
00:27:17: Das verbrannte Magazin das beschnittene Bild dann das habe ich jetzt nicht mit mir dass nur die Schuhe des Polizeieinspektors zeigt Also so wie eine Parallelle zur Amnesie, dass er sich nicht erinnert und dann eben auch ganz viele Teile aus den Bildern wegnimmt oder zerstört.
00:27:34: Und also dieser freie Umgang mit Materialien, deswegen habe ich das jetzt ausgewählt.
00:27:39: Es ist glaube ich so eine gute Grundlage über solche Fragen zu reflektieren weil sie immer eine ganz andere assoziative Vorgehensweise sich erlauben können.
00:27:48: Sie müssen ja nicht an den Fakten bleiben sondern sie können auch wie ein Schriftsteller einfach eine gewisse fiktionale Autobiografie quasi schreiben und damit spielerisch Flexibilität, wenn man so will der Wahrheit umgehen.
00:28:04: Das hat mich dann in der Reihe meiner Überlegungen wieder inspiriert von einem künstlerischen Beitrag noch zu einer weiteren Überlegung gebracht.
00:28:12: Wenn wir sie nämlich nicht nur als sensible Interpretation sehen und Reisarbeit sondern auch als Zeichen unserer Zeit wie wir mit recherchierten Fakten umgehen werden wir nicht zunehmend.
00:28:27: also kam für mich die Frage ob wir nicht Zunehmenden toleranter werden mit Informationen oder mit Abbildungen.
00:28:34: Also basieren Wahrheitsgehalt und ihre Herkunft an gehen, also wenn wir ja auch mit unseren Smartphones korrigierte Fotografien verwenden, wenn wir auf Kurzinfos die NKI für uns zusammenfasst?
00:28:49: Es sind so viele Dinge wo wir ja mit ganz wenig Informationsgehalt zufrieden sind und uns vielleicht gar nicht weiter darüber Sorgen machen, wie sehr die Wahrheit dahinter stimmt.
00:29:02: Also ich kann mir auch noch erinnern, wie das erste Model aufkam in einem Online-Shop wo dann jemand bemerkt hat jetzt ist ja immer das gleiche Modell der hatte nur andere Kleidungsstücke an und ich glaube inzwischen fragt sich niemand mehr.
00:29:15: natürlich sind es immer die gleichen KI generierten Personen die wechselweise Kleider an haben die immer verschiedene Farben auch an haben.
00:29:23: also Das ist ja als Gemeinplatz schon längst angekommen.
00:29:29: Es ist nur die Frage, ob jetzt kann es nicht sein dass wir uns quasi auch zunehmend daran gewöhnen das Dinge auch wahr oder wahrhaft sein können, die nicht unbedingt echt sind?
00:29:41: Aber so gut aufbereitet sind oder so gut recherchiert sind, dass sie einen gewissen Anspruch auf Wahrheit hegen.
00:29:47: Der Anspruch für einen Erkenntnis wert!
00:29:50: Also das wäre quasi die provokante Frage, ob wir nicht fakes akzeptieren werden können auch wenn sie keine indeksikalische Beziehung zum Geschehen haben aber doch so gut recherchiert sind und interpretiert sind dass es passt.
00:30:07: Und das Beispiel was ich jetzt noch mitgebracht habe als Letztes ist eine Diplomarbeit auf der angewandten vor zwei Jahren von der Marlene Fröhlich Also hier die Diplomausstellung mit rund hundert überwiegend kleinvermatigen Fotografien, die allen Regeln der analogen Fotografie zu Gehorchen schienen.
00:30:27: Es waren klassische Fotopapiere mit Fotoemotionen, beschichtete Glasplatten, Keramiken, Polaroids, die gesteigten Szenen waren aus dem frühen zwanzigsten Jahrhundert und analog war quasi auch der Look also durchaus unschliern, chemischlierne und unscharfen verschiedene Körnigkeiten und so weiter.
00:30:50: Verdächtig hingegen waren, verdächtige Unteranfangszeichen waren einzelne Motive weil sie eben atypisch waren für das zwanzigste Jahrhundert einander zugetahrene Frauen sich küssende Männer oder eine Schrift die wir heute natürlich sofort als Queer lesen.
00:31:07: Und die Wirkung war als hätten wir quasi veröffentlichte Fundstücke vor uns Die eins jemand wahrscheinlich absichtlich zur Seite geräumt hat, um Tatsachen zu verschleiern.
00:31:21: Und so quasi die Malene Fröhlich hat sie ans Licht befördert als sei es ihm jetzt an der Zeit die Geschichte der Geschlechter zu korrigieren und sowie nachträglich Beweise für nonbinäre Identitäten zu liefern.
00:31:36: Dazu hat sich natürlich zwei Welten verknüpft, die sich auf den ersten Blick widersprechen also einerseits Text-to-Image Bilder die sie dann aber materialisiert in allen nur erdenklichen Fassungen von analogen Materialisierungen.
00:31:51: Sie war bei der Claudia Rohrauer im Fotolabor auf der Angewandte und sie haben quasi alles durchprobiert, was geht?
00:31:57: Und man ist – also es sind einigermaßen überzeugend jetzt nicht endgültig – vor allem von den Motiven irritiert.
00:32:09: Was bedeutet so eine Arbeit für den allgemeinen Diskurs?
00:32:14: ist seine Kritik an unserem Vertrauen, dass wir solchen KI-generierten Bildern entgegenbringen.
00:32:21: Ist diese Collage aus bestehenden Bildern nur die logische Konsequenz unserer übermäßigen Massenproduktionen an Bildern und unsere Angewohnheit sämtliche Tätigkeiten ins Digitale zu verlagern?
00:32:35: Neigen wir dazu das wir so eine Materialität als Beweis akzeptieren dass reale Szenen den ausbelichteten Bildern zugrunde liegen könnten?
00:32:45: und kann man mit solchen Bildern quasi nachträglich Tatsachen korrigieren, die man eben damals unter dem Tisch gekehrt hat.
00:32:54: Wir haben dann bei der BILD-Beschriftung – es ist schon mal abgedruckt worden auch diese Arbeit – haben wir dann besprochen das wir im Schreiben ohne Titel analoge Fotografie KI generiertes Bild drei tausend vierhundert fünfundzwanzig mal zwei tausenfünfneunsechzig Pixel, dann Kleinbildfilm.
00:33:15: Windage war Zweißpapier, sie hat ihm auch also gebrauchte oder abgelaufene Papiere verwendet in den Maßen da-da-da und zweitausend dreieundzwantig.
00:33:23: Also es ist so.
00:33:24: man sieht an der Bildtitel auch schon die verschiedenen Ebenen, die drinstecken.
00:33:32: Also das ist so die Frage, die jetzt für mich so aufgepoppt ob denn solche Fakes das materielle Erbe einer ungeschriebenen Geschichte antreten können.
00:33:42: Weil es findet eine Vergegenwärtigung von historischen Augenblicken statt, beziehungsweise noch deutlich als werden neue Erinnerungen in die alte Geschichte eingeschleust, die aber wieder aus ihr verdrängtes oder einseitig betrachtetes und unbeachtetes sichtbar
00:34:00: machen.".
00:34:02: Das heißt Geschichte ergänzend, Geschichte ein wenig umschreiben aus der Perspektive von Frauen und Queeren Personen.
00:34:11: Zitat Malene Fröhlich – Geschichte zerfällt in Bilder!
00:34:16: Nicht den Geschichten schreibt Walter Benjamin.
00:34:19: Was aber wenn die Bilder fehlen?
00:34:21: Trotz der unermüdlichen Arbeit von Queeren- und feministischen Historikerinnen haben es nur wenige feministische oder queere Bilder in das kollektive visuelle Gedächtnis geschafft.
00:34:33: Also beschloss ich, die Situation zu ergänzen.
00:34:37: Sie heißt auch – das sehen sie unten – Studiosabblament also die Ergänzung, Studio der Ergänsungen Dokumente abbilden, die materielle Grundlagen für unser kulturelles Gedächtnis sind und durch die neuen Möglichkeiten Bilder zu generieren können wir Szenen schaffen, die zwar nicht existiert haben aber existiert könnten.
00:35:02: Der Wert steigt mit dem Archivpotenzial, also mit den Eigenschaften, die spezifisch für Archivalien sind.
00:35:09: Das untermauert auch den Gebrauch von Begriffen aus der Antike wie Pseudomnesia hat er Boris gehabt, also die Gedächtnis-Täuschung oder Prospanosia Gesichtserkennungsschwund ein anderes Projekt oder bei ihr eben Studie-Supplemente, also Die Ergänzung.
00:35:28: Also welche Auswirkungen haben solche materialgewordenen Fiktionen auf die allgemeine Geschichtsschreibung?
00:35:36: Werden wir sich hinzufügen, quasi als Supplements.
00:35:39: Das heißt mit einer solchen Vergegenwärtigung von historischen Augenblicken werden gegen Archive eingerichtet, die auf die festgeschrebernen Narrative einwirken im dunkelliegenden Bereich beleuchten und eben eine Geschichte schreiben, die sich erst entwickeln muss, weil sie erst im Nachholbedarf stattfindet.
00:36:05: Meiner Meinung nach passt es auch zur Entwicklung dass wir alles was wir tun denken und sehen und suchen aufzeichnen und die logische Konsequenz ist für mich das man auch rückwirkend dann Dinge machen möchte also die scheinbar abgeschlossene Vergangenheit wieder öffnen können.
00:36:27: Und ich glaube mit zunehmender Häufigkeit, mit der wir andere Entwürfe von Geschichten sehen stellt sich dann auch eine zunehnende Normalität ein.
00:36:37: Dass die Dinge nicht unbedingt Fakten oder Archivmaterialien sein müssen sondern dass sie Geschichte auch mit einer interpretativen Fassung schreiben können.
00:36:49: Danke!
00:36:53: Ja, das war der Beitrag von Gut Horag im November zwanzig-fünfundzwanzig auf unserem Festival in Regensburg mit ihren faszinierenden Gedanken über die Dehnbarkeit der Fotografie und die Frage wie flexibel unsere visuelle Wahrheit eigentlich sein darf.
00:37:07: Ein perfektes Beispiel finde ich dafür, wie tief unser Festival – das Internationale Festivifotografschabilder – in Regenburg das Thema Fakt and Fake da eingetaucht ist!
00:37:18: Ich lasse dir da Gedanken, ob gut inszenierte Fakes am Ende nicht sogar Lücken in unserer Geschichte füllen können.
00:37:23: So schnell!
00:37:24: Nicht los... Also was denkt ihr darüber?
00:37:27: Diskutiert gerne mit und schreibt mir eure Gedanken auf und schickt sie mir per Mail an podcastatfotografieneudenken.de.
00:37:36: Das war aber erst der Anfang unserer Reihe zum Festival-Symposium.
00:37:41: In der nächsten Folge hören wir den nächsten spannenden Vortrag von Katharina Günther und blicken in die Welt von Liemiller.
00:37:48: Und was das zu tun haben könnte, mit dem Festivalthema Fact and Fake.
00:38:15: Between Books.
00:38:17: Dort werde ich auch ein paar Live vor Ort Gespräche führen, kommt einfach vorbei und macht Euch bemerkbar!
00:38:23: Danach sind wir wieder auf der Frankfurter Buchmesse mit den Nominierten des deutschen Fotobuchpreises vom siebten bis zum elften Oktober.
00:38:44: über unseren Newsletter.
00:38:45: Also ganz schnell eintragen unter deutscherfotobo-preis.de slash newsletter und auch für die Preisverlagerung beim Deutsche Fodbo-Preis gibt es bereits einen Termin, und zwar am Samstag, der November XXI in Regensburg.
00:39:02: Infos dazu demnächst natürlich hier mehr!
00:39:06: Selbstverständlich sind die Informationen auch in den Show Notes für euch zum Anklicken aufbereitet.
00:39:12: Ja, und sind euch beim Zuhören Fragen gekommen oder etwas aufgefallen?
00:39:15: Oder ihr möchtet einfach nur einen Kommentar loswerden?
00:39:18: dann schreibt mir eine Mail an Podcast at fotografieneudenken.de.
00:39:23: Und wenn ihr eine interessante Veranstaltung habt zum Thema photographische Bilder, Fotografie, KI, Photophilosophie, Fototheorie
00:39:29: usw.,
00:39:30: dann meldet euch gerne!
00:39:33: Wir schauen, was wir gemeinsam vielleicht sogar live vor Ort machen können.
00:39:38: Auch hier eine E-Mail an Podcastetfotografieneudenken.de.
00:39:43: Ja und zum Schluss wenn euch diese Episode gefallen hat teilt sie mit euren Kollegen und Freunden drückt auf abonnieren und hinterlasst mir super gerne eine fünf Sterne Bewertung auf Spotify oder Apple Podcast.
00:39:55: das rankt meinen
00:39:57: Podcast
00:39:57: weiter nach oben.
00:39:59: Ja, in diesem Sinne vielen Dank fürs dabei sein und zuhören.
00:40:02: Und mitdenken.
00:40:04: Ciao ciao bis zum nächsten
00:40:11: Mal!
Neuer Kommentar