STAFFEL 9 ist online. Freue mich, wenn ihr rein hört. Euer Andy Scholz.

LIVE VOR ORT: Kunstverein Ruhr Essen

Shownotes

Was trägt unsere Welt? Und vielleicht noch wichtiger: Auf wessen Schultern ruht sie eigentlich? Es gibt Ausstellungen, die zeigen uns Bilder. Und es gibt Ausstellungen, die verändern die Art und Weise, wie wir Bilder betrachten. Die Ausstellung »Auf dem Rücken der Anderen« von Axel Braun im Kunstverein Ruhr gehört eindeutig zur zweiten Kategorie.

Anlässlich der Ausstellung: AXEL BRAUN AUF DEM RÜCKEN DER ANDEREN Mixed-Media-Installation

  1. Mai – 26. Juli 2026 Kunstverein Ruhr, Essen

Axel Braun (*1983 in Düsseldorf) lebt und arbeitet in Essen. Er studierte Kommunikationsdesign mit Schwerpunkt Fotografie an der Folkwang Universität der Künste sowie Bildende Kunst an der École Nationale Supérieure des Beaux-Arts in Paris. Seine konzeptuell und forschungsbasierten Arbeiten verbinden Fotografie, Video, Text, Archivmaterial und Skulptur zu raumgreifenden Installationen. Im Zentrum seines Schaffens stehen Landschaften des Anthropozäns, Architektur, historische Weltbilder sowie die politischen und gesellschaftlichen Bedingungen von Bildern. Seine Werke wurden international in Museen, Kunstvereinen und Biennalen gezeigt. 2024 war er Stipendiat des Deutschen Studienzentrums in Venedig.

https://axelbraun.org

Peter Friese (*1952 in Siemianowice Śląskie, Polen) ist Kurator, Museumsleiter und Kunsthistoriker. Nach Stationen am Museum Bochum, Museum Folkwang und der Kunsthalle Düsseldorf übernahm er 1988 die künstlerische Leitung des Kunstverein Ruhr in Essen. 1992 wechselte er an die Weserburg Museum für moderne Kunst, wo er zunächst als Kurator, später als Hauptkurator, stellvertretender Direktor und von 2015 bis 2018 als Direktor tätig war.

https://kunstvereinruhr.de

​- - -

Episoden-Cover-Gestaltung: Andy Scholz Episoden-Cover-Foto/Grafik: Andy Scholz


Link zu unserem Newsletter:

https://deutscherfotobuchpreis.de/newsletter/


Idee, Produktion, Redaktion, Moderation, Schnitt, Ton, Musik: Andy Scholz

Der Podcast ist eine Produktion von STUDIO ANDY SCHOLZ 2020-2026.

Andy Scholz wurde 1971 in Varel geboren. Er studierte Philosophie und Medienwissenschaften an der Universität Düsseldorf, Kunst und Design an der HBK Braunschweig und Fotografie/Fototheorie an der Folkwang Universität der Künste in Essen. Er ist freier Künstler, Autor und Dozent. Seit 2012 unterrichtet er an verschiedenen Instituten, u.a.: Universität Regensburg, Fachhochschule Würzburg, North Dakota State University in Fargo (USA), Philipps-Universität Marburg, Ruhr Universität Bochum, Pädagogische Hochschule Ludwigsburg. 2016 wurde er in die Deutsche Gesellschaft für Photographie (DGPh) berufen. Seit 2016 ist er künstlerischer Leiter und Kurator vom INTERNATIONALEN FESTIVAL FOTOGRAFISCHER BILDER, das er gemeinsam mit Martin Rosner gründete. Im ersten Lockdown im Juni 2020 begann er mit dem Podcast und seit 2022 ist er Organisationsleiter vom Deutschen Fotobuchpreis, der ins INTERNATIONALE FESTIVAL FOTOGRAFISCHER BILDER in Regensburg integriert wurde. Er lebt und arbeitet in Essen (Ruhrgebiet).

https://fotografieneudenken.de/ https://www.instagram.com/fotografieneudenken/

https://festival-fotografischer-bilder.de/ https://www.instagram.com/festivalfotografischerbilder/

https://deutscherfotobuchpreis.de/ https://www.instagram.com/deutscher_fotobuchpreis/

https://andyscholz.com/ https://www.instagram.com/scholzandy/

Transkript anzeigen

00:00:01: Es gibt Ausstellungen, die zeigen uns Bilder und es gibt Ausstellung, die verändern die Art und Weise wie wir Bilder betrachten.

00:00:08: Die Ausstellung auf dem Rücken der anderen von Axel Braun im Kunstverein Ruhr noch bis zum sächsundzwanzigsten Juli gehört für mich eindeutig zur zweiten Kategorie.

00:00:23: Ja moin und herzlich willkommen zu einer weiteren Episode von Fotografien Neudenken Live vor Ort dieses Mal aus dem Kunstvereinen Ruhr in meiner Wahlheimat statt Essen!

00:00:33: Was trägt unsere Welt?

00:00:35: Und vielleicht noch wichtiger, auf wessen Schultern ruht sie eigentlich.

00:00:39: Ausgangspunkt von Axel Braun's neue Arbeit ist Venedig, jene Stadt eben von überwältigender Schönheit deren Geschichte untrennbar mit Handel-, Macht-Kolonialismus und der Beherrschung vor Natur verbunden ist.

00:00:53: Während eines Stipendiums am Deutschen Studienzentrum in Venedigh untersuchte Braun nicht nur die berühmten Fassaden der Stadt oder eben nicht die berühmten Fassaden der Stadt, sondern ihre verborgenen Voraussetzungen.

00:01:06: Ihre Materialien, ihre Architektur, ihre Bilder und ihre Geschichte.

00:01:12: Entstanden ist eine raumgreifende Installation aus Fotografie, Video, Text, Klang und Skulptur.

00:01:19: Es ist keine Ausstellung über Wenedig.

00:01:21: es ist eine Ausstellung darüber wie Geschichte in Bildern, Dingen und Räumen weiterlebt.

00:01:27: Ja, kurz zu Axel.

00:01:28: Axl wurde in Düsseldorf born und studierte wie ich Fotografie an der Vorkwang-Universität der Künste.

00:01:35: Er lebt und arbeitet nach wie vor in Essen.

00:01:39: Seine Arbeiten entstehen meist aus umfangreichen Recherchen.

00:01:42: Dabei interessiert ihn weniger das einzelne Bild als vielmehr die Systeme, in denen Bilder entstehen und wirken.

00:01:48: Architektur, Industriegeschichte Ökonomie, Erinnerungskultur und gesellschaftliche Machtverhältnisse bilden immer wiederkehrende Themen seiner Arbeit.

00:01:59: Fotografie ist für ihn kein Mittel der Illustration sondern ein Instrument der Analyse.

00:02:04: Seine Projekte verbinden häufig Fotografien, Videoinstallation und historische Recherche zu komplexen räumlichen Erzählungen.

00:02:13: Begleitet wird die Ausstellung von einem bemerkenswerten Essay des Kunsthistorikers und Kurators Peter Friese.

00:02:19: Schon zu Beginn schreibt er einen Satz, der für mich den Kern der Arbeit trifft.

00:02:24: Es handelt sich nicht um eine Dokumentation sondern um eine kunstspezifische Vorgehensweise.

00:02:30: Das klingt zunächst selbstverständlich tatsächlich aber beschreibt dieser Satz etwas Grundsätzliches.

00:02:36: Axel Braun nämlich dokumentiert keine Geschichte Er illustriert keine historischen Ergebnisse.

00:02:43: Er schafft Situationen in dem Geschichte erneut erfahrbar wird.

00:02:47: Friese spricht deshalb von einer Verräumlichung der Recherche, ein Begriff den ich wunderschön finde.

00:02:56: Er und nicht Informationen werden ausgestellt sondern Beziehungen zwischen Bildern, zwischen Materialien, zwischen Geschichte- und Gegenwart zwischen uns und dem Raum.

00:03:05: Besonders beeindruckt hat mich Frises Beschreibung der Videoprojektion über die Venetianische Lagune.

00:03:10: er beschreibt Natur erscheint nicht mehr als romantisches gegenüber sondern als Material, das angeeignet, strukturiert und funktionalisiert wird.

00:03:21: Das ist ein erstaunlich aktueller Satz finde ich denn plötzlich geht es nicht mehr nur um Venedig.

00:03:26: Es geht um unsere Vorstellung von Natur Nicht etwas Eigenständigem Sondern etwas das Vermessen organisiert und ökonomisch nutzbar gemacht wird.

00:03:35: Hier wird deutlich dass Axel Braun's Geschichte nicht erzählt sondern Strukturen sichtbar macht.

00:03:42: Ein weiterer Gedank hat mich besonders beschäftigt.

00:03:45: Ithafrize beschreibt nämlich die monumentale Atlasfigur und die monumentalen Atlasfiguren am Grabmal des Dojen Giovanni Pesavo.

00:03:55: Schwarze Männer tragen die Last der Macht, doch Axel Braun verändert die Blickordnung.

00:04:01: Der Doge verliert seine überrote Positionen – diejenigen, die bisher lediglich Träger waren werden zu den eigentlichen Protagonisten.

00:04:11: Dazu schreibt Friese, sie verkörpern jene anderen durch deren Ausbeutung der Glanz des Herrschenden erst möglich wird.

00:04:19: Ich finde darin liegt die eigentliche Kraft des Ausstellungstitels Auf dem Rücken der Anderen.

00:04:24: beschreibt nicht nur Geschichte.

00:04:25: Es beschreibt ein Prinzip Ein Prinzip das weit über Venedig hinausweist.

00:04:32: Am meisten beeindruckt hat mich allerdings Frises Beschreibung der ästhetischen Erfahrungen selbst erschreibt.

00:04:39: Der bewusste Gang in und durch den Raum gerät im Idealfall zu einem Durchgangenwerden der

00:04:46: Betrachtenden.".

00:04:48: Ich musste diesen Satz mehrmals lesen, denn plötzlich kehrt sich irgendwie alles um!

00:04:52: Und mir kommt es vor als betrechten nicht wie die Ausstellung sondern die Ausstellungen beginnt uns zu betrachten.

00:04:59: oder anders gesagt sie verändert die Bedingung unseres Sehens.

00:05:03: genau das verstehe ich unter guter Kunst Sie gibt keine Antworten Sie verändert unsere Fragen.

00:05:09: Auch der Schluss des Essay ist bemerkenswert, Friese beschreibt Kunst nicht als Ort der Bestätigung sondern ehemals Möglichkeit den eigenen Standpunkt zu verlassen.

00:05:19: Nicht Einigkeit entsteht Sondern Verständnis Nicht Gleichklang Sondern die Bereitschaft Den Blick eines anderen einzunehmen.

00:05:27: Das erscheint mir heute wichtiger denn je.

00:05:30: Mich hat dieser Text auch deshalb so angesprochen weil er etwas formuliert das mich seit vielen Jahren an der Fotografie interessiert.

00:05:36: Fotografie zeigt nicht nur Welt.

00:05:39: Sie organisiert Welt, sie schafft Ordnungen, sie erzeugt Sichtbarkeit und manchmal macht sie genau jene Strukturen sichtbar die sich unserem alltäglichen Blick entziehen.

00:05:51: Eine kleine Anmerkung von mir dann bin ich auch fertig.

00:05:53: und dann hören wir uns das Gespräch zwischen Peter Friese und Axel Braul mal an.

00:05:58: also ich habe inzwischen selber viele Ausstellungstexte geschrieben und gelesen.

00:06:02: manche beschreiben Kunst, manche überfrachten sie mit Theorie.

00:06:06: Peter Friese gelingt etwas anderes, er nimmt den Leser ernst.

00:06:09: Er führt ihn nicht zu einer fertigen Interpretation sondern lädt ihn ein mitzudenken.

00:06:15: Sein Essay erweitert die Ausstellung anstatt sie festzuschreiben.

00:06:19: Genau das wünsche ich mir von einem guten Ausstellungstext.

00:06:23: Ja und deshalb lasst uns mal reinhören in das Gespräch zwischen Axel Braun und Peter Friesel dass am achten Juli zwanzig sechsundzwanzig draußen vor dem Kunstverein Ruhe in Essen mitten in der Innenstadt stattgefunden.

00:06:36: Viel Spaß dabei!

00:06:38: Und du bist eben kein Kunsthistoriker, der mit einem Forschungsauftrag dahin kommt und über Renaissance oder Spätmittelalter forscht.

00:06:47: Sondern du hast einen anderen Blick.

00:06:49: und ich möchte jetzt mal ein Terminus einführen, der mir jetzt erstmal ganz klar geworden ist.

00:06:53: Ich hatte damals vor zwanzig dreißig Jahren so ein kleines Taschenbuch schon in deutscher Übersetzung Michael Baxander painting and experience in the fifteenth century.

00:07:07: Und da also Malerei und Erfahrung im fünften Jahrhundert, diese Erfahrung beschreibt einen einen Kontext, der aus der Zeit entsteht.

00:07:18: Das sind die Leute, die dort Handel betreiben, die Forschung machen, die Reisen machen und Geld machen usw.

00:07:26: Und sie spiegeln sich sozusagen in diesen Werken wieder.

00:07:31: Man nennt das unter den Horst-Bredekamp so diese Leute, Periode der Zeit heraus, einen Blick auf diese Zeit.

00:07:46: Und wenn man dir das unterstellen würde, würde man dich verkürzen weil du blickst ja auch... Du blickest nicht nur aus der Zeit raus sondern du blicke es aus der Gegenwart.

00:07:58: Du fragst nach dem Umgang mit der Natur also bei Backsendl während die die privilegierten Florentiner oder Venezianer, die da in eleganten Robben auf den Plätzen stolzieren und die die wissenschaftlichen Errungenschaften für sich selbst zu Nutze machen.

00:08:17: Aber du bringst die anderen auch mit rein!

00:08:19: Das sind ja diese vier afrikanischen Sermus für mich sehr schönen Männer imposant wie sie da gequält oben bringen.

00:08:29: Du hast den Blick der Anderen Du hast den Sklavenhandel mit eingebracht.

00:08:35: Also forscht du doch nicht wie ein reiner Kunsthistoriker oder Soziall historischer?

00:08:46: Ja, also als Kunsthistoriker?

00:08:49: mit Sicherheit nicht.

00:08:50: Weil auch die Kunstwerke ... Sie haben es ja auch als Materialkultur bezeichnet.

00:08:57: Es geht mir weniger um die kunstgeschichtlichen Zusammenhänge Objekte oder auch Gemälde oder Skulpturen, die ich ja auch im Buch gibt es ja einige Beispiele noch von weiteren Dingen, die mich da interessiert haben.

00:09:10: Dass alles im Prinzip Dokumente aus einer Zeit und für bestimmte Weltbilder sind.

00:09:15: Und die möchte ich schon in der Brille aus unserer Zeit mit den Fragen, die wir uns stellen nochmal neu betrachten und neu im Kontext setzen Welchen Einfluss Sie eigentlich auf unser Denken heute haben, denn oft sind das ja sehr wirkmächtige Ideen die auch heute immer noch in unserem Handeln, in unserem Denken fortwirken.

00:09:42: Dabei glaube ich ist es sehr schwierig meinen Forschen was ich schon als Forschen bezeichnen würde in irgendeiner einer speziellen oder spezifischen wissenschaftlichen Disziplin wirklich zu verorten wäre auch anmaßend, da ich ja keinen wissenschaftlichen Bildungs-Hintergrund habe.

00:10:03: Sondern wirklich aus der Kunst komme und eher über Fragen die sich in der Auseinandersetzung mit meinen künstlerischen Suges ergeben haben immer mehr auch in dieses Forschen hineingekommen bin und inzwischen das gar nicht mehr trennen kann.

00:10:18: Also meine künstlische Arbeit ist ohne die Recherche, ohne die Forschungstätigkeit gar nicht denkbar.

00:10:24: also Ich würde nichts machen wo ich nicht auch diese Hintergründe, diese theoretische Auseinandersetzung mit verknüpfen könnte.

00:10:34: Also klar, ich liebe es zum Beispiel in meinem Smartphone zu fotografieren wenn ich irgendwas einfach visuell ansprechend finde.

00:10:42: das ist aber eine ganz andere Sache weil ich halt das als, ich sag mal fast als Hobby betreibe.

00:10:46: Aber wenn's um meine künstlerischen Projekte geht da brauche ich immer diesen Nexus von Inhalt und Information der dann im Bild in irgendeiner Form manifestiert werden muss oder dadurch zumindest getriegert wird.

00:11:01: Da haben wir gleichzeitig eben deiner Arbeit auch, die sich der Fotografie bedient und einen Transfer leistet und auch die Kunst angesprochen.

00:11:10: Denn es ist eine Ausstellung über Kunst.

00:11:14: aber die Kunst ... Ich will's jetzt nicht so gleich sagen... Die Originale oder das Oratisierte Dosengrad oder hier.

00:11:24: das Original ist nicht da.

00:11:27: Diese Kunst ist mediatisiert, sie liegt als von dir bearbeitetes Bild vor zum Teil wirklich noch mal neu geraumt.

00:11:36: man könnte sogar fast ironisch fragen hast du es dann wieder reauratisiert wenn du so eine Art Rahmen drum baust und es dann so quasi leuchtend in das Fenster reinbringst als Tieser?

00:11:52: Und deine mediale Bearbeitung besteht ja auch darin, dass du ganz feine Kamerabewegungen machst.

00:12:03: Das habe ich dann sogar erkannt nachdem ich eine Stunde mich da drin aufgehalten hab.

00:12:07: Dass also so vertikale Bewegungen rauf und runter gehen und eine Horizontale von links nach rechts, sodass die Lagune ... das sind ja deine ... Das ist ja dein Hinzug zu tun.

00:12:19: Du lässt die Kunst sein, aber du transferierst das mit deinem eigenen Blick oder deinen Zugriff?

00:12:29: Ich wollte die Machtstrukturen, die im eigentlichen Grab manifestiert sind, auch invertieren.

00:12:35: Die wollte ich natürlich umdrehen und infrage stellen.

00:12:38: Normalerweise tragen diese für Sklavenfiguren den Doschen in seiner Herrlichkeit der eine Etage drüber sitzt und quasi von denen, die er allein durch seine... Geistige Macht, wie es dann auch in der Zeit formuliert wurde.

00:12:57: Damals halt.

00:13:00: was ist ihm ermöglicht diese Figuren schon zum Leiden und zu bringen und zu unterdrücken?

00:13:05: Dass diese Struktur dass das umgedreht wird is natürlich ein ganz entscheidendes Element.

00:13:09: dann auch In der Art und Weise wie ich es hier präsentiere gleichzeitig auch natürlich die da stimme ich dir erst mal zu Peter hat Die Art und Weise wie Ich Es Filme Ist Natürlich Schon Auch Nicht Zufällig gewählt Und Soll auch die Sichtweise auf diese existierenden Arbeiten, die natürlich auch immer geschaffen wurden mit einem Blick der Betrachtenden im Hinterkopf.

00:13:34: Da kann ich durch meine Kameraführung einen anderen Blick auf diese Arbeiten

00:13:38: lenken.".

00:13:39: beispielsweise dann auf die Details, auf die zerrissene Kleidung.

00:13:42: Die nochmal diese Figuren ganz anders lesbar macht als es der Fall wäre wenn man sie jetzt quasi als monumentales Konstrukt auch fast aus der Froschperspektive betrachten muss, wenn man in dieser riesigen Kirche steht und andere Dinge wenn wir hier über die Putti sprechen im Fenster sind.

00:14:02: wirklich das neu aurasisiert ist tatsächlich ein schönes Wort denn ich habe Sie ja nicht abfotografiert wie sie da vor Ort sind, sondern ich habe es im Prinzip mit Fotogrammetrie in ein Droid-Modell verwandelt und das dann quasi wenn man so will in einem virtuellen Studio nochmal neu ausgeleuchtet.

00:14:20: Also so kontrastreich so wie Sie hier gezeigt sind oder auch wie ich sie als Animation dann im Vortrag gezeigt hab, so würde man sie natürlich nie sehen.

00:14:31: Da schaffe ich dann auch wieder eine andere Ebene, auf der man diese Arbeit und die Ikonografie, die natürlich erhalten geblieben ist, wahrnehmen kann.

00:14:43: Und das Ganze vor dem Hintergrund von Venedig, was ja immer dieses Morbide, dieses Verschwinden da hat, wo man nicht weiß ... In fünfzig Jahren noch.

00:14:54: Hat dann für mich nochmal ein interessanter Aspekt, auch gerade was die Fotografie angeht?

00:14:59: Weil es einerseits dieses Medium ist, was uns Dinge, die vielleicht für viele von uns unerreichbar sind zugänglich machen kann und die Dinge im verschwinden Begriffen festhalten können.

00:15:12: Gleichzeitig gibt es aber auch so eine Künstlichkeit.

00:15:15: Dann steht auf einmal sowas ... So ein Simulacrum, wo da fast so was Disneyland-haft ist.

00:15:23: Dass man dieses Venedig gar nicht mehr in ... in seinem originalen Reiz genießen kann, sondern schon in so einer Metaebene ist die dann nur noch virtuell vermittelt.

00:15:35: Das finde ich wunderbar und das ist ja jetzt keine virtuelle Ausstellung, sondern es ist ganz konkret.

00:15:41: Es ist aufgebaut, es eine skulpturale Setzung, es ist eine Multimedia-Installation.

00:15:48: diese Form der... Aluminium-Stangen ist nirgendwo vorgeschrieben.

00:15:55: Das ist deine Erfindung, deine Überlegungen auch dieses Radiale.

00:16:00: Sie sehen ja dass die vier Atlantenfiguren korrespondieren mit dem hier unten am Katzentisch sozusagen Sitzenden Du hast es gesagt, ganz oben sitzt.

00:16:15: Das ist wie so ein Tümpern- und Triumphbogenartiger Architektur.

00:16:21: Und der Doge sitzt oben ... Er wird in der Sekunde seines Todes gezeigt.

00:16:30: D.h.,

00:16:32: er hebt sich scheinbar aus seinem Thron oder weil er in der Ferne einen Licht erblickt in die Augen schaut und dann nimmt er eine solche oranten Geste ein.

00:16:42: Ich habe sofort an Herrn Ratzinger gedacht, der diese leicht gekünstelte Geste einnimmt und wenn sie genau hingucken, erhebt er sich also, der scheint zu schweben aber erscheint jetzt nicht mehr Gott entgegenzuschweben sondern eben den Vieren unter größter Anstrengung ihrer Muskelkraft zu tragen haben.

00:17:09: Du hast das Wort Inversion invertiert, hast du ja gesagt?

00:17:13: Also Inversion hat es umgedreht oder man könnte auch von einer Dekonstruktion sprechen – ich nehme das jetzt im Sinne der Rida.

00:17:22: also nicht dekonstruieren indem man es kaputt macht und auf dem Boden ausbreitet sondern dass man das Konstruktionsprinzip begreift durch diese Vorgehensweise.

00:17:32: Also hast du ein anderes Verstehen da rein gemacht?

00:17:35: Und dann darf ich auch noch sagen, auch wieder monologisieren das hier ist ein Urkonflikt.

00:17:40: Das sind nicht einfach nur... Geflügelte dicke Jungs, die einen boxbeinigen Satür foltern.

00:17:49: Sondern das ist der Konflikt zwischen Kultur und Natur, zwischen Zivilisationen und Wildnis.

00:17:55: Es klang in deinem Vortrag auf zwischen Helenen und Barbaren.

00:17:59: Barbaren sind die mit dem Bart.

00:18:01: Die Helinen waren rasiert zwischen den Zivilisierten und denen, denen sie die Zivilisation beibringen im Prozess der Zivilization durch Kolonien.

00:18:14: Und deswegen läufst du da rum an der Skola di San Marco und es ist kein Zufall dass dir gerade dieses Ding da auffällt.

00:18:21: nicht weil das so sagt hallo hallo fotografier mich sondern weil du sozusagen schon in deiner ganzen Vorstellungswelt gepolt bist auf darauf.

00:18:32: und das passt dann

00:18:34: Ja, danke.

00:18:35: Tatsächlich habe ich das durch Zufall quasi wirklich klassisch flanierend gefunden.

00:18:40: also ich hatte schon wie beschrieben diese thematische Auseinandersetzung schon gewählt.

00:18:46: Ich hatte eine bestimmte Brille auf was sich für Themen gesucht hat aber kam einfach an die Skolagrande de San Marco ist ja heute eigentlich der Zugang zum Krankenhaus und sah diese.

00:19:02: Es war diese Reliefse und fand das einfach interessant.

00:19:05: Und bin mal näher gegangen, es ist ja eins von sechs wo diese Putti verschiedene Szenarien durchspielen.

00:19:11: alle sind in irgendeiner Form bezogen auf den Wertekanon dieser Bruderschaft.

00:19:19: Dann schließe ich auf dieses Relief und bin dann natürlich sofort dran hängen geblieben.

00:19:24: Und sah auf einmal, okay diese ganzen Fragen mit denen du dich auseinandersetzt also dieses Othering-Alternität das andere wie verhält man sich als Gemeinschaft zu dem Außenstehenden?

00:19:38: oder auch einfach was ist gut und böse?

00:19:40: Das ist da ja alles mit drin!

00:19:42: Da war eigentlich eine klare Geschichte dass für mich sofort scannen musste Und dann in dem Fall rückwirkend erst mal die Informationen dazu bekommen muss.

00:19:54: Es gibt gar nicht viel Literatur zu diesem Komplex, ich meine zur der Fassade unfassbar viel aber diese Elemente sind ja auf dieser riesigen Fassad extrem klein.

00:20:05: also das... Ich weiß auch nicht wie es dazu gekommen ist aber in irgendeiner Form haben wir zueinander gefunden und jetzt ist es quasi dass Zentrale Bild oder der Aufmacher, wenn man möchte für diese Ausstellung auch geworden.

00:20:18: Der

00:20:18: Teaser, der schon von außen sozusagen die Menschen reinloggen.

00:20:22: erstmal sollen die Betrachterinnen und Betrachten die Nase platt drücken und dann sollen sie während der Öffnungszeiten reingehen.

00:20:29: Und mein Vorschlag ist sich körperlich im Raum zu bewegen also einmal diese ideale Betrachter diesen Standpunkt einzunehmen, der ungefähr vor dem Dosen hier ist.

00:20:41: Und dann hin und her gehen auch gerne bis hinten durchgehen und das eine mit dem anderen in Verbindung bringen.

00:20:49: Das ist eine phänomenologische These weil ich beobachte nicht nur die Dinge, die ich von außen sehen kann sondern ich begebe mich selbst als partizipierender in den Raum rein und macht mich zu einem Teil meiner Beobachtung.

00:21:06: Das heißt, ich sehe nicht nur die Bilder sondern ich beobachte mich selbst auch beim Sehen.

00:21:10: Ich denke also über das nach was ich gerade erlebe und kombiniere und dazu gehören noch einige AHA-Effekte.

00:21:17: Also sie müssen drin sein um zu erkennen dass der Doge am Katzentisch sitzt.

00:21:23: Das können Sie von außen nicht sehen!

00:21:25: Sie denken was sollen diese schwarzen Männer da?

00:21:28: so Bodybuilding-artig Fuchteln und so verzerrte Gesichter haben.

00:21:32: Wenn sie drin sind, kriegen Sie es mit ohne dass sie genau wissen wie der Dorje heißt und was er gemacht hat.

00:21:41: Aber so wie ich auch immer gerne sage im Sinne der Ikonografie oder auch der Bildforschung die Kunst findet immer im symbolischen Bereich statt.

00:21:53: Sie ist nie eine Aufforderung zum Handeln gibt nie eine Rezeptur oder eine Art Lösung.

00:22:01: Das ist ja keine Lösung, das ist alles schon passiert.

00:22:04: Sondern hier wird ein Kunstgriff gemacht der uns eine andere Sicht auf das was passiert ist und auf dass was denkbar ist ermöglicht.

00:22:16: Und diese These könnte auch einen Widerspruch zu diesem Period I sein also nicht nur nicht nur die Unterdrückten und die Frauen und die Ausgebäuteten mit dazu zu nehmen in den Blick, sondern auch zu ermöglichen dass der Blick, den wir auf die Welt haben möglicherweise sich verändern kann.

00:22:40: Weil auch wir uns verändern weil ich immer damit rechnen muss das es einen Punkt gibt indem ich einen Aspekt entdecke den ich vorher noch nicht erkannt habe Dekonstruktion machen oder durch eine Blickverschiebung, meinetwegen auch erst mal durch ein Umhergehen im Raum.

00:23:01: Also Kunstbetrachtung könnte dann sogar auch ein ethisches Analogon besitzen oder sein.

00:23:08: denn wenn ich hier vorne stehe und du Axel stehst dahinten da siehst du garantiert was anderes als das was ich sehe Und das weiß ich in dem Moment und räume dir Der Rudo kennt diesen Gedanken auch.

00:23:21: Ich räume dir den anderen die Möglichkeit dieses Anderen Sehens gleichermaßen ein, während ich meine Sicht auch als gültig einfordere und dann kommt es vielleicht zum Austausch oder zum Streit oder zur Begegnung.

00:23:37: aber da mit dieser Andersheit muss sich immer rechnen Und ich hätte dich gar nicht einladen können wenn das nicht hier schon angelegt gewesen wäre in der Betrachtung deines Venedig-Exkurses.

00:23:53: Du hast ja diese These formuliert, dass Venedigt praktisch ein Modellfall ist auch für eine Form zu handeln und zu denken und zu wirtschaften wie wir sie heute betreiben.

00:24:07: Wir sprechen immer vom Spätkapitalismus aber etwas was in Venedigg passiert Ja, du hast es doch schon formuliert.

00:24:17: Ich freue mich ganz besonders über diese Wahrnehmung denn so habe ich mir das ja auch vorgestellt.

00:24:23: Ich mache auf der einen Seite die Recherchen wo ich sehr komplexe Dinge zusammentrage durch eigene Arbeiten ergänze.

00:24:31: aber gerade in einer Präsentation wie ich sie jetzt hier im Raum als Installation habe gibt es mir dann die Möglichkeit, dass man die Betrachtenden wirklich auch physisch mit einbezieht.

00:24:42: und genau wie sie es gerade beschrieben haben.

00:24:46: Man muss sich im Raum bewegen und man wird involviert und beginnt diese Fragmente zusammenzufügen.

00:24:54: So wie Sie es beschrieben haben, wünsche ich mir eigentlich, dass man auf einmal merkt wo ist meine Rolle eigentlich darin?

00:25:00: Was hat das mit mir zu tun?

00:25:01: und dann kommt ja das was du jetzt gerade gesagt hast Peter.

00:25:04: Das ist ein Stück weit auch eine Parabel auf die Gegenwart darstellt.

00:25:08: also da ganz viele Punkte sind in denen auch wie ich meinen Vortrag gestaltet habe, wo ich hoffe, dass da die ein oder andere Klingel geht, dass Und dann kann man das verknüpfen.

00:25:22: Dann kann man quasi die Wahrnehmung, die eigene Wahrnehnung und die Wahrnehmung... unserer Zeit, unserer Fragen und unsere Probleme mit diesen Hinweisen aus der Vergangenheit zusammenbringen.

00:25:34: Und ich hoffe das da vielleicht ein oder andere auch produktive Gedanke bei entsteht.

00:25:39: Gleichzeitig ist es nicht meine künstlerische Absicht diesen Prozess in der Form zu lenken dass sich sagen möchte jetzt bitte aber das und das dabei am Ende

00:25:49: denken

00:25:50: muss dabei rauskommen sollen.

00:25:51: Es soll im Prinzip wie ich ja am Anfang gesagt habe Fragen aufwerfen und vermeintliche Gewissheiten so ein bisschen aus der Bahn bringen.

00:26:02: Und vielleicht noch mal zu vertieften Nachdenken dann irgendwie anregen, ja?

00:26:08: Also in die Sonderdebatte, auch der schonmal genannte Bredekamp geführt hat wurde, so einen Begriff genannt Kunstgeschichte gegen den Strichbürsten also die Linearität einer zwingenden ... teleologischen.

00:26:28: Entwicklungsgeschichte in der Kunst, die gilt es abzulehnen.

00:26:34: Auch wenn manche das behaupten... Also auch wenn der Geist der Moderne wie er so noch nach dem Zweiten Weltkrieg auftauchte sozusagen zum finalen, zum endgültigen, zum immer reineren Form bis man dann das vollkommen weiße Bild vor sich hatte also die Purifizierung Das halte ich nicht für möglich.

00:26:57: Ich halte es für wichtig, einmal gewonnene Gewissheiten zu verunsichern und durch Kontaminierung aufzurühren.

00:27:07: Und das noch mal neu zu machen.

00:27:10: Ich könnte tausend Beispiele – na ja, tausende nicht!

00:27:13: Aber vielleicht fünfzig im Bereich der Moderne so Jackson Pollock, Andy Wall und so wie die das miteinander gemacht haben.

00:27:20: Du bist eben auch einer von diesen, sagen wir mal Störern.

00:27:25: Also ich sage nochmal so, als der Andy Warhol auf eine Leinwand urinierte weil die mit Metallfarbe beschichtet war imitierte er Pollox Dripping.

00:27:41: Man nannte ihn ja auch Jack the Dripper.

00:27:43: diese Bilder Von Wall kosten jetzt trotz der degutanten Entstehungsweise viele Millionen.

00:27:51: Man kann sie sich nicht leisten, aber es war keine finale Abrechnung mit Pollock sondern eine andere Form der Rezeption.

00:27:58: Das heißt er hat diesen reinen Geist der Moderne sowie Clement Greenberg das damals theoretisierte Pollock als Ausdruck des Gipfels der Modernität.

00:28:11: Hat er gestört?

00:28:12: durch die Persiflage, durch die Ironie und hat eine andere Rezeptionsform hinzugefügt.

00:28:18: Die Qua-Ironie etwas in unserem Kopf bewegte.

00:28:23: Das heißt wir sind mit Pollock Gott sei Dank noch nicht am Ende sondern können immer noch eins dazu fügen.

00:28:30: Und so machst du das im Grunde genommen auf deiner Art.

00:28:33: Du bist jetzt nicht der Kunsthistoriker der die Geschichte umschreibt, aber du kontaminierst sozusagen mit dieser Art von andersartiger Rezeption.

00:28:51: Dieses klare Weltbild der Venedig als schwebende schöne Stadt widerspruchslos – wir können es nur noch genießen!

00:29:01: Aber es hat eben mehrere Seiten.

00:29:09: Wenn man das umweltpolitisch sieht, ist das ein schlechter Begriff.

00:29:12: Aber wenn man es im erkenntnis theoretischen Sinne sieht, dann ist eine Kontamination eigentlich sehr heilsam, weil bequeme Gedanken auf einmal infrage gestellt

00:29:24: werden sollen?

00:29:26: Ja also zumindest die Irritation finde ich schon sehr produktiv in der Hinsicht dass Gerade Venedig, das ist ja so eine Projektionsfläche für uns aus dem westlichen Kulturkreis.

00:29:41: Da kann sich alle darauf einigen, dass es Hochkultur da ist unglaublich schön und unglaublich inspirierend.

00:29:49: Darauf hatte ich zumindest verwiesen oder wollte ich verweisen im Vortrag als um die politischen und wirtschaftlichen Errungenschaften der Serinissima ging.

00:30:02: Für viele ist das so ein Demokratievorläufer, was man durchaus in Frage stellen kann.

00:30:06: Aber so wird es nun mal gelesen, dann ist auch ein protokapitalistisches System also ganz viel, was heute aktuell ist, dort entstanden und wird auch idealisiert.

00:30:18: Und dass zumindest so ein bisschen ins Wanken zu bringen und dadurch auch dazu zu führen uns zu fragen Wie gerechtfertigt ist das eigentlich?

00:30:33: wie soll man sagen, diesen Anspruch auf eine gewisse Fortschrittlichkeit der westlichen Kultur, die ja zurecht in den letzten Jahrzehnten auch infrage gestellt wird.

00:30:45: Trotzdem aber in der Praxis oft nicht infrage gestellt wird das zu bewerkstelligen also dass man da so ein bisschen das Haar in der Suppe sucht und den Venedig genuss zumindest temporär mal vermisst, um danach vielleicht auch wieder ganz neu auf die schönen Aspekte zu gehen.

00:31:05: Das ist schon ein Anspruch dieser Arbeit.

00:31:09: Ja und dann kam eine Frage aus dem Publikum weil wir saßen da natürlich in so einem Halbkreis ganz schön draußen und der Besucher hat darauf eingegangen dass er sich eine starke Beklemmung empfindet wenn er in diese Ausstellung.

00:31:25: Und im zweiten Teil hat er dann nochmal lange nachgefragt, was eigentlich bleibt wenn sozusagen die elektrische Leitungen unterbrochen wird.

00:31:34: Also wenn man das Licht ausschaltet, wenn man die Monitorer ausschaltet und so weiter?

00:31:38: Und hören wir uns mal die Antwort von Axel an!

00:31:41: Die Beklemmung, die du jetzt beschrieben hast bei der Betrachtung der Arbeit ist natürlich... Tut es mir leid, wenn dich das beklemmt hat.

00:31:53: Auf der anderen Seite würde ich lügen, wenn ich sage, es wäre jetzt nicht so, dass das nicht auch beabsichtigt ist, dass dieses Gefühl aufkommen kann.

00:32:02: Gleichzeitig spricht es ein Stück weit für die Sensibilität einer Wahrnehmung.

00:32:06: Da haben wir zum Beispiel ganz viele Leute einfach sagen, ich finde das so schön wie sich bewegt und die Farben... Das ist so meditativ und sowas.

00:32:14: Aber gleichzeitig ... das ist natürlich auch schön.

00:32:18: ein interessantes Kunstwerk aus, dass es beide Möglichkeiten hat.

00:32:21: Dass man es einfach ästhetisch wert und sinnfrei genießen kann und gleichzeitig aber vielleicht auch auf einer anderen Ebene eine Wirkung erzielt wird die einen vielleicht auch näher berührt als einem das im ersten Moment vielleicht lieb ist und die dann dadurch auch erst mal Prozesse in Gang setzt.

00:32:43: Dieses Unwohlsein spielt dann ganz stark in das Rhein, was ich gerade vielleicht auch nicht in der letzten Antwort ganz so gut in Worte fassen konnte.

00:32:52: Also dieses Gefühl der Überlegenheit die europäische Kultur einfach über ganz lange Zeit für sich behauptet hat dass man das durch ein gewisses Unwohlsein auch infrage stellt und ja zumindest ein Stück weit abschwächt.

00:33:12: Ich glaube, das ist auch ein produktiver Prozess.

00:33:17: Das nächste ist wenn du jetzt darauf angesprochen hast dass ein Großteil der Dinge die jetzt hier gezeigt sind entweder komplett virtuell sind also nur als digitales digitaler Datensatz existieren oder halt die Leuchtkästen nur funktionieren wenn sie auch tatsächlich mit elektrischer Energie beleuchtet werden Ja, das ist tatsächlich erst mal ein Aspekt.

00:33:42: Ich finde es eigentlich eine schöne Sache, dass auf einmal dieser ganze Kultur Schatz Venedig nur noch dieses Ephemere des Virtuellen hat.

00:33:52: Dass man sich schon fast alles in der Cloud gespeichert und nur noch mit Datenbrille genießen kann.

00:33:59: Übrigens auch eine Idee, die ich zwischendlich hatte, ob ich die ganze Ausstellung nur als Daten mit der drei D-Brille zugänglich machen könnte ist ein Aspekt und ist natürlich auch so gewollt, aber hat die Kehrseite natürlich das Vieles einfach von der Ausstellung nicht bleiben wird.

00:34:16: Hier läuft sie jetzt halt, hier läuft sie seit dem Platz geschuldet ist.

00:34:20: also man kann sich jederzeit ansehen.

00:34:22: Aber umso mehr und da gehe ich jetzt auf den dritten Teil deiner Frage ein war es mir auch in Anliegen wirklich ein physisches Objekt zu haben oder eigentlich du hast gesagt zwei physische Objekte, das Buch und vor allen Dingen den Stein.

00:34:37: Dieser Stein steht ja auch ein bisschen zwischen der Fallstudie spezifisch zu Venedig und diesem Langzeitprojekt was sich allgemein mit dem Verhältnis von Mensch und Natur beschäftigt um diesen historischen Weltbildern.

00:34:51: Und dieser Idee ist dann langsam aber lange bei mir gewachsen Als ich herausgefunden hatte, dass Venedik aus diesen Steinen gebaut ist, die quasi aus einer ganz anderen Gegend der Adria gewonnen wurden und ohne die Venedika aber gar nicht existieren konnte.

00:35:10: Deswegen umso mehr wollte ich an diesem Ort bin ich zu den Steinbrüchen gefahren Und habe da die ersten Steine gesammelt kleine Steine, die ich halt einfach so mitnehmen konnte damals und dachte damit musst du arbeiten.

00:35:21: und irgendwann kam der Gedanke Ich muss dieses Zitat was programmatisch für dieses ganze Langzeitprojekt ist, eigentlich in diesen Steinen einbringen.

00:35:31: Und dann im Beratung mit dem Steinmetz der das umgesetzt hat wurde klar die Steine, die ich schon hatte waren einfach viel zu klein.

00:35:37: Das wäre technisch nicht gegangen und so musste ich wieder hin.

00:35:40: und dann war das eigentlich für mich so die ideale Situation wirklich auch zu einer performativen Arbeit, wenn man so will zu machen wo ich auch selbst körperlich tätig werden musste.

00:35:51: Das war mir eigentlich auch wichtig dass es natürlich ist.

00:35:54: das Akt des Fotografierens ist auch ein körperlicher Akt Aber in dem Fall mit dem Stein ist es, glaube ich, noch mal viel unmittelbarer Nachvollziehbar für alle Betrachtenden.

00:36:05: Dass sich diesen ursprünglich mal neun dreißig Kilo schweren Stein irgendwie auch da wegkriegen müssen und dann hier nach Deutschland verbringen müssen.

00:36:13: Und dann wurde der von jemandem, der eine sehr spezialisierte Ausbildung hat, in einem sehr komplexen Prozess halt weiterverarbeitet Kunstprodukt umgestaltet, was jetzt hier steht und da gebe ich dir vollkommen recht, was wahrscheinlich alle anderen Exponate am längsten überdauern wird.

00:36:34: Also bei den Daten habe ich immer Sorge dass irgendwann auch das dritte Backup irgendwo flöten geht.

00:36:39: aber dieser Stein muss schon einiges passieren.

00:36:44: beim Buch ist es noch mal etwas anderes.

00:36:46: Das Buch ist natürlich ja auch zwar einerseits eine schöne physische Manifestierung auch dieses Gesamt Projekt ist und das sehe ich auch quasi als Pendant zu der Installation im Raum.

00:36:58: Im Buch gibt es ja, das ist ja im Prinzip so ein Mikroraum ne?

00:37:01: Da kann man auch wieder mit Überlagerungen arbeiten da kann man Inhalte kontextualisieren.

00:37:08: gleichzeitig gibt es mir die Möglichkeit der Ausstellung wie du ja auch gesagt hast die mit wenig Informationen erstmal einher geht und quasi die Betrachtenden auch damit konfrontiert dass sie sich erst mal selber einen Reim auf das machen müssen was Sie jetzt hier sehen.

00:37:22: Da kann das Buch mit seinen Texten einen weiteren Input geben, der bei der Lektüre und Interpretation helfen kann.

00:37:31: Gleichzeitig bin ich auch realistisch als Kunstschaffender, weil sich das den Großteil des Besuchenden im Ausstellungsraum dieses Buch nicht lesen wird und mit Sicherheit nicht von A bis Z. Mit

00:37:42: den weißen Handschuhen ist es als Künstlerbuch auch erratisiert auf der Bank.

00:37:48: Ein

00:37:49: Stück weit vorbei ... Ich sage das jetzt mal unter uns, obwohl es aufgezeichnet wird.

00:37:53: Ich bin da schon großzügig.

00:37:54: Man darf es auch, wenn man vorsichtig ist ohne die Handschuhe blättern soll im Prinzip auch eher als kleiner Hinweis gelten.

00:38:03: Bitte seid vorsichtig!

00:38:04: Das sind handgemachte Auflage von drei Exemplaren.

00:38:09: Wäre schön, wenn das den Ausstellungszeitraums wenigstens überdauert.

00:38:17: Auch da ist wieder was.

00:38:18: Dieses Buch wird sich auch betrachten lassen, wenn man ohne elektrische Energie bzw.

00:38:25: ohne digitale Datenströme auskommen muss und das finde ich auch weiterhin interessant dieses Medium zu

00:38:31: bespielen.".

00:38:32: Und dann kam eine interessante Frage aus der Rundende von einer Afrikanerin die gesagt hat Das kann ja dann grundsätzlich nur der Anfang sein, um solche Dinge hinzuweisen und das mit der eigenen Geschichte, auch in Deutschland mit der Geschichte zu verbinden.

00:38:50: Und da weiter zu recherchieren.

00:38:52: Es ist genau ein Anspruch an meiner Arbeit diesen Bezug zur lokalen Geschichte wiederherzustellen.

00:39:01: In dem Fall hatte ich jetzt... die Möglichkeit, diese Arbeit aus Venedig hier nach Essen zu bringen.

00:39:06: Aber du hast vollkommen recht!

00:39:07: Wir müssen auch jetzt weiterarbeiten den Zusammenhang zur unserer direkten Umgebung noch mehr herzustellen.

00:39:16: Denn in der Hinsicht ist ein Stück weit eher so'n UFO was ich jetzt hier aus Italien quasi hintransferiert habe... noch bestehen die Verbindungen hier in die Stadt ja nur durch die gedankliche Assoziation.

00:39:32: So wie du es gesagt hast, ich finde schon gut wenn solche Gedanken aufkommen aber im Sinne meiner Arbeit würde jetzt vollkommen auch Sinn machen diesen Fäden weiter zu folgen.

00:39:46: also ich nehme das gerne so auf.

00:39:48: und dann sagte sie noch dass das ist nicht Also, dass die Sklaverei natürlich krass ist auf jeden Fall.

00:39:55: Aber das ist ja am Ende ... Die Geschichte dann doch so war, dass es jetzt nicht nur schlechte Sachen dabei rausgekommen sind.

00:40:04: Dass es auch eine positive Seite gibt, die wir dann sehen oder eine positive Entwicklung daraus entstanden ist.

00:40:11: Das soll überhaupt nichts relativieren.

00:40:12: aber sie als Afrikanerin sieht halt dann auch, dass sich da Dinge verändert haben und dass da auch afrikanischer Einfluss quasi widerspiegelt wurde.

00:40:24: In dieser Ausstellung von Axel Braun sehen wir auch kleine Aufnahmen von solchen Perlen, die in Venedig hergestellt wurden von italienischen Kaufmännern und dann wieder zurückgebracht wurden nach Afrika und die eigentlich inspiriert waren vom afrikanischen Perl.

00:40:40: Das gefällt mir sehr.

00:40:41: Also jetzt nicht einfach sagen, hast du es jetzt so polarisiert?

00:40:47: Aber das ist dieser Ergebnis Offenheit.

00:40:49: Dass es nicht nur eine Art von Verdammung der Geschichte ist sondern dass daraus andere Impulse gezogen werden können.

00:41:01: Dass du gerade als Afrikanerin so etwas sagst, gefällt mich sehr!

00:41:07: Es ist ja im Prinzip auch das, was ich im Vortrag gesagt habe.

00:41:11: Also dass Schönheit und Schrecken oft sehr komplex miteinander verwoben sind.

00:41:18: Ich würde sagen keine der Dinge die ich hier zeige, ist nur schrecklich.

00:41:24: Da ist immer zumindest auf einer ästhetischen Ebene ein faszinierendes Element drin.

00:41:31: Gleichwohl... würde ich zumindest Schwierigkeiten haben, es einfach unvoreingenommen schönzufinden wenn ich das Wissen darüber habe was der Kontext ist.

00:41:40: Was die Perlen angeht, kann ich eine Anekdote erzählen?

00:41:45: Gestern war eine Gruppe von Studierenden hier Historikerinnen und da haben wir uns darüber unterhalten ob diese Perlen denn in Venedig nur für Afrika hergestellt wurden oder auch für andere Märkte hergestellt worden.

00:42:01: gab es in Benedikt auch schon eine Perlenindustrie, auch für Europa.

00:42:05: Hier steht auch ein Buch vom Glasmuseum aus Morano, wo es im Prinzip so die ganze Sammlung, die sie haben, die strukturiert in Perlen zu den europäischen Markt und perlen vor Afrika.

00:42:18: Meine ganz persönliche Meinung ist dass die Perlen, die für Afrika produziert wurden und wo man sich natürlich an der Kultur und an den Vorlieben, an der ästhetischen Wahrnehmung Afrikas orientiert hat dass die heute einfach

00:42:32: viel

00:42:33: interessanter, viel schöner sind.

00:42:35: Auch obwohl sie geschaffen wurden um im Prinzip sehr oft sehr fragwürdige Handelsgeschäfte zu machen, sind sie trotzdem ästhetisch viel interesser als die Perlen, die für den europäischen Markt geschaffen wurde, die man damals so hochwertiger hielt wenn man da noch ganz viel Perlmut und Gold und was auch immer mit angebracht hat, die ich aus meiner Warte zumindest als ziemlich kitschig empfinde, also ich sag jetzt mal so Manirismen.

00:43:02: Und die Pellen für Afrika sind in der Form viel puristischer und haben eine viel stärkere Energie.

00:43:13: Trotzdem haben sie aber auch wieder diese dunkle Geschichte und ich glaube diese Ambivalenz muss man immer mitdenken.

00:43:22: Ich weiß so viel.

00:43:23: Irgendwie, wenn man mit Miles Davis darüber über den Ursprung des Jazz und des Blues diskutierte ... Und dann sagte der ein Weißer, ne?

00:43:33: Der sagte dann ja, Jazz ist doch auf dem Leid und auf der Schmach- und Auf der Ausbeutung entstanden.

00:43:42: Und diese Traurigkeit ... Da ging der Miles Davis dazwischen und sagte ich hab damit überhaupt nichts zu tun!

00:43:50: meine Musik gemacht, aus Freude.

00:43:52: Ich bin kreativ

00:43:54: geworden.".

00:43:54: Natürlich ist das sehr provokant weil die historischen Wurzeln von Blues auch Musik zur Arbeit war auf den Plantagen aber dass der Miles Davis sich als jetzt lebender Intellektueller Musiker, der Vater war Zahnarzt, er kam aus einer reichen Familie.

00:44:14: Der sagt ich habe mit euren mit euren Trauergesängen oder Trauerteorien nichts zu tun.

00:44:21: Ich mache meine Kunst, weil ich so stark bin.

00:44:27: Auf diese Antwort warte ich auch immer so.

00:44:31: Also Africa Strikes Back, das möchte ich gerne!

00:44:38: Axel, du darfst und solltest das letzte Wort haben.

00:44:41: Ach Gott!

00:44:42: Das gibt mir jetzt so eine Bürde auf?

00:44:44: Nein

00:44:44: nicht

00:44:45: mehr.

00:44:45: Wir

00:44:45: haben Bürden genug hier.

00:44:47: Ja eben also die Lasten werden ja jetzt leider von den anderen getragen.

00:44:51: aber trotzdem ich dachte eigentlich dass diese Verflechtung von Schönheit und Grausamkeit Was ich vorhin gesagt habe, das wäre ein ideales Schlusswort gewesen.

00:45:05: Und das rufe ich jetzt einfach noch mal in Erinnerung und ich glaube viele haben gesagt dass es sie zum Nachdenken angeregt hat.

00:45:13: Ich hoffe, dass das auch noch ein bisschen nachhaltet und dann sehen wir uns in der nächsten Gelegenheit wieder In der nächsten Ausstellung und

00:45:21: vielleicht können wir da noch mehr materielle Sachen hier zeigen.

00:45:27: So soll's sein!

00:45:38: Ja vielen Dank und grüße in den Kunstverein Ruhr.

00:45:40: Und an Tankrett Stachelhaus, der das möglich gemacht hat!

00:45:45: Die Finisage ist gerade angesprochen worden die es am sechsohnzwanzigsten Juli.

00:45:49: wer also möchte unbedingt hingehen.

00:45:52: Axel Brauns Arbeiten erinnern uns daran dass Bilder nie allein von dem erzählen was sichtbar ist.

00:45:57: sie erzählen ebenso von dem was fehlt von den Voraussetzungen unseres Sehens und manchmal auch von den Menschen auf deren Rücken buchstäblich Geschichte geschrieben wurde.

00:46:08: Vielleicht liegt genau darin die besondere Kraft dieser Ausstellung, sie verändert nicht nur unseren Blick auf ihn niedig sondern auch auf die Gegenwart.

00:46:15: Ja ich bedanke mich herzlich bei Axel Braun für die Ausstellung und bei Peter Friese für einen Essay der die Ausstellung nicht erklärt sondern ihr einen weiteren Denkraum eröffnet.

00:46:30: Zu lesen ist der Text von Peter Friese in der Ausstellung erliegt dort aus.

00:46:36: Also unbedingt hingehen, noch bis zum sächsundzwanzigsten Juli im Kunstverein Ruhr mitten in der Innenstadt von Essen am Kopfstadtplatz.

00:46:48: Ja und habt ihr beim Zuhören an Bilder Bücher Fotografen denken müssen?

00:46:52: Dann teilt eure Gedanken super gerne mit mir und schreibt mir eine Mail an.

00:46:56: Podcast et Fotografie neu denken.

00:47:00: Ja und wenn ihr eine interessante Veranstaltung habt zum Thema fotografische Bilder, Fotografie, KI, Photophilosophie, Fototheorie usw.

00:47:07: dann meldet euch auch gerne und wir schauen was wir gemeinsam machen können vielleicht sogar live vor Ort!

00:47:13: Auch hier einfach einen Mail an Podcast at Fotografieneudenken.de.

00:47:18: Wenn euch diese Folge gefallen hat freue ich mich wenn ihr Fotografieneudenken weiter empfehlt abonniert oder mit anderen teilt.

00:47:27: In diesem Sinne Ciao, ciao und bis zum nächsten

00:47:35: Mal.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.