STAFFEL 9 ist online. Freue mich, wenn ihr rein hört. Euer Andy Scholz.

Lotte Reimann (they/them)

Shownotes

Lotte Reimann (they/them) ist multimedialer Erzählerin, Forscherin und Lehrender und lebt und arbeitet derzeit in Berlin und München. Lotte arbeitet an biografischen Narrativen über Körperlichkeit, die das koloniale historische Konzept des »Fetischs« – also den Blick auf die »Anderen« – unterlaufen. Die im fotografischen Blick eingeschriebenen Machtverhältnisse werden dabei nachverfolgt und immer wieder neu verhandelt. Im Zentrum der Untersuchungen stehen die (heilenden) Beziehungen zwischen Menschen und Nicht-Menschen, wie Wasser, Steinen, Winden, Pflanzen, Tieren und anderen sogenannten unbelebten Dingen. Lotte studierte an der Fachhochschule Bielefeld und an der Gerrit Rietveld Academie in Amsterdam. Lottes Arbeiten wurden unter anderem im Stedelijk Museum Amsterdam, bei De Appel, im Fotomuseum Winterthur, bei den Rencontres d’Arles, im Museum Arnhem sowie im Marta Herford gezeigt. Seit 2025 hat Lotte die Professur für »Fotografie und Identität« an der Hochschule München inne. 2026 ist Lotte Teil unserer Fotobuchpreis-Jury.

https://www.lottereimann.de https://www.instagram.com/lotte.reimann/ https://femxphotographers.org

Hochschule München https://design.hm.edu/kontaktede/phonebookdetailseite_103947.de.html

Links

Kunstverein Hildesheim Landleben 26.04.2026 - 05.07.2026

Eine Ausstellung mit Jo Langenhoff, Sandra Schäfer, Lotte Reimann, Eva Seiler, Heinrich Riebesehl, Asunción Molinos Gordo, Antje Schiffers und Thomas Sprenger

Eröffnung am Samstag, 25. April 2026, 19:00 Uhr

https://www.kunstverein-hildesheim.de/ausstellungen/landleben/

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Episoden-Cover-Gestaltung: Andy Scholz Episoden-Cover-Foto: Enrique H. Herrero


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Idee, Produktion, Redaktion, Moderation, Schnitt, Ton, Musik: Andy Scholz

Der Podcast ist eine Produktion von STUDIO ANDY SCHOLZ 2020-2026.

Andy Scholz wurde 1971 in Varel geboren. Er studierte Philosophie und Medienwissenschaften an der Universität Düsseldorf, Kunst und Design an der HBK Braunschweig und Fotografie/Fototheorie an der Folkwang Universität der Künste in Essen. Er ist freier Künstler, Autor und Dozent. Seit 2012 unterrichtet er an verschiedenen Instituten, u.a.: Universität Regensburg, Fachhochschule Würzburg, North Dakota State University in Fargo (USA), Philipps-Universität Marburg, Ruhr Universität Bochum, Pädagogische Hochschule Ludwigsburg. 2016 wurde er in die Deutsche Gesellschaft für Photographie (DGPh) berufen. Seit 2016 ist er künstlerischer Leiter und Kurator vom INTERNATIONALEN FESTIVAL FOTOGRAFISCHER BILDER, das er gemeinsam mit Martin Rosner gründete. Im ersten Lockdown im Juni 2020 begann er mit dem Podcast und seit 2022 ist er Organisationsleiter vom Deutschen Fotobuchpreis, der ins INTERNATIONALE FESTIVAL FOTOGRAFISCHER BILDER in Regensburg integriert wurde. Er lebt und arbeitet in Essen (Ruhrgebiet).

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Transkript anzeigen

00:00:00: Rethinking.

00:00:01: Fotografie.

00:00:13: Fotographie neu denken, der Podcast.

00:00:16: Moin und herzlich Willkommen zu Fotografien neu Denken der Podcast!

00:00:19: Mein Name ist Andy Scholz.

00:00:25: In dieser Episode geht es um Lotte Reimann.

00:00:28: Lotte is non-binär wird dieses Jahr in der Jury vom deutschen Fotobruchpreis sein und hat seit dem Jahr her, eine Professur an der Hochschule München mit dem Titel Photografie Und Identität.

00:00:43: Was sie eigentlich genau macht und wie sie dazu gekommen ist, was sie so macht, erzählt sie uns jetzt.

00:00:49: herzlich willkommen liebe Lotte.

00:00:51: herzliche Grüße nach München.

00:00:52: Hallo Andi schön dich zu sprechen

00:00:54: ebenso ebenso Lotte.

00:00:56: erste Frage Ich fange immer so an ich steig immer so einen in meinem podcast Wie bist du eigentlich zur fotografie gekommen?

00:01:03: Ja Also das ist eigentlich ein ganz, ganz langer Weg und auch ein lustiger bisschen.

00:01:09: Ich weiß gar nicht ob lustig das richtig trifft aber genau so... ich habe so ein Bild im Kopf als Kind mein Vater mit einer schönen Kamera, mit so einer Spiegelreflexkamera.

00:01:21: Ich weiss nicht mehr was es war.

00:01:23: So eine alte Schwarze mit glitzenden Silber Dinge dran.

00:01:30: Und genau, ich war irgendwie immer... Ich mochte die gerne und ich durfte sie aber nicht benutzen weil ja mein Vater war halt so ein leidenschaftlicher Fotograf und er dachte ich hätte die kaputt gemacht oder so.

00:01:41: keine Ahnung.

00:01:42: und dann war ich in der vierten Klasse habe ich gesagt wir sind eine Klassenfahrt gemacht und ich wollte halt ne Kamera mitnehmen.

00:01:48: Dann hab' ich solange halt genörgelt und genervt bis sie mir eigentlich gekauft haben.

00:01:55: Also halt, genau das war dann so eine Point-and-Shoot.

00:01:57: Das billigste Modell glaube ich aus dem DM gab es damals noch nicht aber aus dem Drogeriemarkt.

00:02:04: und dann ist das so ein begleitendes... das begleitet mich eigentlich die ganze Zeit immer.

00:02:11: Aber auch wie ja vielleicht ne untypische Art und Weise weil ich eigentlich niemals in meinem Leben eine leidenschaftliche Fotografin war.

00:02:23: Das ist so ein bisschen paradox vielleicht, aber ich habe glaube immer Bilder geliebt und ich hab auch zeitweise sehr viel fotografiert.

00:02:37: Aber in den letzten zehn Jahren habe ich eigentlich hauptsächlich Archivarbeiten gemacht Das heißt, ich habe gar nicht selber oder sehr wenig selber fotografiert.

00:02:46: Und so war das irgendwie immer.

00:02:48: Also ich hab mich immer für Bilder interessiert und die Geschichten... Ich hab dann in der Schule Projekte gemacht mit Fotografieren und so.

00:02:56: Dann hab' ich auch ein Praktikum bei TheaterfotografInnen gemacht in Bremen und Hamburg bevor ich das Studium angefangen hat.

00:03:06: Genau!

00:03:08: Dann habe ich ja so richtig angefangen zu studieren, Quatsch zu fotografieren glaube ich hab ich im Studium.

00:03:15: Okay das zu studien oder das daraus einen Beruf zu machen ist ja dann wieder ein ganz anderer Schritt oder auch die Entscheidung das zu Studieren.

00:03:23: wie kam es dazu?

00:03:25: Weil dass der Vater eine schöne Kamera hat.

00:03:27: okay aber warum hast du dich entschieden das dann auch zu studierend mehr darüber zu wissen?

00:03:33: Genau ich glaube Also, ich hab mich das nie so richtig gefragt.

00:03:39: Das war irgendwie klar!

00:03:42: Wie gesagt, ich habe spät in der Schule einen Praktikum gemacht ... Ich glaube Marianne Menke oder so hieß sie?

00:03:53: Die war die Hausfotografin bei der Shakespeare Company in Bremen.

00:03:58: Da habe ich ein Schulpraktikum gemacht.

00:03:59: Ich war allerdings auf einer Rudolfsteiner Schule, das heißt es war nicht nur so eine Woche mal reinschnuppern sondern ich war da drei Monate und also nicht am Stück, sondern immer so vier Wochen genau.

00:04:10: Und da war irgendwie klar... Also das liegt mir!

00:04:14: Ich hab da Stunden im Schwarz-Weiß-Labor bei der verbracht und hab da einfach Freude dran gehabt.

00:04:20: Das war was, was ich gerne gemacht habe Genau, und dann habe ich nach der Schule direkt ein Praktikum gemacht bei Arno de Clare.

00:04:31: Das war damals ein sehr bekannter erfolgreicher Theaterfotograf in Hamburg... ...und hab dann quasi da noch so ein halbes Jahr dran gehängt nach der Schule.

00:04:42: Dann habe ich erst mal nichts gemacht.

00:04:44: Ich bin reisen gegangen und so, also halt was man heute so gap hier nennt.

00:04:49: Da waren aber mehr so zwei drei.

00:04:52: Ich war irgendwie so fertig mit Lernen und ich wollte alles gerade nicht.

00:04:58: In dieser Zeit habe ich darüber nachgedacht, was ich mit meinem Leben machen will.

00:05:03: Wir waren klar, dass wir das machen wollen.

00:05:05: Und ich will auch keine Ausbildung machen oder studieren.

00:05:09: Warum?

00:05:10: Keine Ahnung!

00:05:11: Das kann ich auch nicht richtig sagen.

00:05:14: Ich wollte irgendwie mit Bildern arbeiten, aber ich wollte jetzt auch nicht Hochzeiten fotografieren und Porträts machen oder Kekse fotografieren.

00:05:21: Das wusste ich irgendwie.

00:05:23: Dafür war ich dann nicht so nerdy genug, Technik.

00:05:25: nerdy vielleicht, dass mir das irgendwie gereicht hätte.

00:05:31: Da war es vielleicht schon klar, dass ich mich vor allen Dingen für Bilder interessiere und nicht sehr für die Technik drum herum.

00:05:42: Das hätte ich aber so nicht benennen können!

00:05:44: Aber es gab irgendwie so eine Auseinandersetzung mit meinem Vater.

00:05:47: Der wollte gerne, der meinte, nein du musst erst ne Ausbildung machen und so... Und ich wusste das einfach.

00:05:52: Nein auf gar keinen Fall mache ich nicht habe ich gesagt.

00:05:56: Dann hab' ich auch paar extra Runden gedreht und so weil ich war gar nicht... also keine Ahnung ob man sowas aussprechen sollte aber ich glaube irgendwie nicht an Talent und ich hatte mich halt nicht so krass jetzt mit Fotografie beschäftigt und ich komme auch nicht aus nem bürgerlichen Haushalt.

00:06:11: Mein Vater hat zwar fotografiert und irgendwie so, genau.

00:06:15: Der ist auch selber... der war Gartenlandschaftsplaner, also Architekt.

00:06:21: Genau, der hatte irgendwie auch was Kreatives gemacht und so.

00:06:24: aber ich war niemals im Museum oder so.

00:06:26: Ich hatte mit Kunst wirklich gar nichts am Hut.

00:06:31: Und dann hat das ein-, zwei Runden gedauert bis sich in Bielefeld an der damals noch Fachhochschule angenommen wurde.

00:06:38: Das war gar nicht meine erste Wahl, aber ich war ganz glücklich an das.

00:06:42: Ich glaube es war genau richtig, dass die mich nicht in Leipzig oder so genommen hätten.

00:06:47: Wie wäre da irgendwie ... Also ich hätte da, weiß ich nicht, mich verloren?

00:06:52: Hätte mich dann nichts zurechtgefunden,

00:06:55: glaub ich.

00:06:55: Sehr interessant!

00:06:56: Ich könnte mir vorstellen, liegt's vielleicht daran, dass eine Fachhochschule strukturierter ist?

00:07:03: Nee, mit Struktur hat das nicht zu tun und mit Erwartungen zu tun.

00:07:09: Und wenn man jetzt nicht aus dem Bildungsbürgertum oder also nicht aus der höheren Klasse kommt, wo man sozusagen die Bildung Freihaus schon mitbekommen hat.

00:07:17: Dann ist man glaube ich mit der Freiheit, mit der vermeintlichen Freiheit, die man an einer Kunsthochschule hat erstmal total überfordert.

00:07:24: so und das würde ich sagen dass der Unterschied also jetzt zumindest damals in Bielefeld haben eine zweigleisige Ausbildung gemacht.

00:07:32: Die haben klassisch also technisch klassisch, wie sagt man, kommerzielle Fotografie oder kommerziell?

00:07:40: Wie sagt man denn das?

00:07:42: Na so Auftrags.

00:07:43: Also dokumentarisch aber auch einfach Porträt und so Sachen wo man sozusagen klassische Fotografien die jetzt nicht unbedingt im Kunstkontext verortet ist also die sich selber vielleicht nicht so im Kunst Kontext sondern eher in einem Fotokontext ... aber eben auch künstlerische Fotografie unterrichtet.

00:08:03: Und für mich war das genau, also ich habe quasi im Laufe des Studiums in Bielefeld gemerkt... ...dass ich eigentlich Kunst machen will und nicht angewandte Fotografin werden möchte.

00:08:14: Das ist das Wort was mir gerade gefehlt hat.

00:08:16: angewandt so heißen sie ja heute Hochschule für angewandter Wissenschaften.

00:08:21: Man hat sozusagen so ein Hands-on man kriegt da schon eine Art Ausbildung... ...und ja kriegt dabei gebracht wie man in dem klassischen ... fotografischen Beruf sozusagen... ... ja, so Fotostrecken erstellt oder also genau was da so von einem erwartet wird.

00:08:40: Aber darüber hinaus haben die eben Fotografie total frei auch unterrichtet.

00:08:44: Also eben wirklich mit nem künstlerischem Anspruch.

00:08:46: Also eher dann wenn ich in Schulen, in Deutschland denke, dann eher so weiß ich nicht Düsseldorf oder Leipzig oder so wo man eher so konzeptionelle Ansätze hat, wo man das Bild befragt und so.

00:08:59: Und für mich war es Ja, für mich war das so ein Geschenk.

00:09:02: Weil es war so ein Türöffner und das hat mir irgendwie einen Schritt in die Welt ermöglicht, die mir vorher verschlossen war oder irgendwie, die ich nicht erreicht habe.

00:09:10: Und ich hab dann daraus auch eine Konsequenz gezogen und hab nach drei Jahren mich nach Amsterdam beworben an der Riedfeldakademie Genau, hab dann da in der freien Kunst meinen Studium abgeschlossen.

00:09:24: Also erst mal die angewandte Fotografie kennengelernt und den Sprung in die Kunst quasi?

00:09:29: Ja genau also das war auch... ich weiß nicht manchmal habe ich das Gefühl in meinem Leben Ich treff gar nicht so richtig Entscheidungen sondern das sind so Dinge die sind einfach klar!

00:09:38: Ich kann ja nicht... weil ich hab dann im Studium probiert man sich ja so aus und dann habe ich so die eine oder andere Auftragsgeschichte gemacht Und da sind immer total geile Bilder entstanden.

00:09:49: Aber die waren untauglich für den Auftrag eigentlich, weil ich irgendwie ... Ich hatte so eine Vision und ich konnte meine Visionen nicht unterordnen unter das was die Leute eigentlich brauchten.

00:10:01: Dann war das irgendwie wie so ja gut dann mach' ich es halt auch richtig!

00:10:06: So ist es irgendwie auch glaube ich.

00:10:08: Ich mache auch keine halben Sachen.

00:10:12: Ich hab dann noch so ein Gespräch mit meinem Vater geführt.

00:10:15: Ich meinte, ich würde noch mal wechseln wollen und so unterstützt du das?

00:10:19: Dann hat er gesagt, ja mach' ich.

00:10:22: Und dann war ihm okay, ich mache das.

00:10:24: Weil es dauerte nochmal länger und so.

00:10:27: Wenn man nette Eltern ist, dann supportet man noch einmal ein bisschen länger.

00:10:35: Was kam denn dann sozusagen für dich ... extra oben drauf, als du in Amsterdam warst.

00:10:41: Also wie war dann sozusagen auch der Staat in die Kunstwelt und so weiter?

00:10:45: Ja, ganz spannend!

00:10:48: Ich kann das eigentlich nur empfehlen jedem... also ich empfehle es auch jedem von meinen Studierenden hier, die mich fragen.

00:10:55: So ein Schulwechsel und vielleicht nicht nur einen Schulwechsel sondern auch im Land zu wechseln, weil man krass die merkt ach das ist alles eine Perspektive auf die Dinge und nicht die Wahrheit.

00:11:06: Also ich bin irgendwie in die Niederlande gegangen und habe so gedacht naja das ist ja die Niederlande es ist ja fast wie Deutschland.

00:11:13: aber irgendwie als ich dann da war hab ich so gemerkt nie.

00:11:17: also wir verstehen zwar die Sprache so ein bisschen und so aber damit hört sein auch eigentlich schon auf Es gibt total viele Unterschiede einfach eben auch, was die Fotografie und die Kunst und das Verständnis irgendwie angeht.

00:11:32: Also genau wenn ich versuche es mal in einfachen Worten oder in wenigen Sätzen zu sagen also im Bielefeld war's glaube ich oder in Deutsch ja ich kann ja nur von Bielefield sprechen weil andere Hochschulen habe ich nicht besucht.

00:11:46: da wars eigentlich so dass es gab immer sowas wie Es wurde konzeptionell gearbeitet.

00:11:54: Aber es gab immer so eine gesellschaftskritische Perspektive, und die musste irgendwie auch ... Irgendwie war sie relativ objektiv mit einem Ansatz von Versuch, von Sachlichkeit und Objektivität.

00:12:10: Und als ich in die Niederländer kam, hab ich irgendwie ... Es gab einen ganz bestimmten Anspruch an der Ästhetik.

00:12:17: Dinge mussten auf eine bestimmte Art aussehen um ernst genommen zu werden.

00:12:22: war so mein Empfinden.

00:12:23: Vielleicht enttäuscht mich das, ich kannte mich auch noch nicht so gut aus aber jedenfalls war es mit den Lehrenden die mich unterrichtet haben, so mein Gefühl.

00:12:33: und dann kam ich in die Niederlande und ständig landeten Bilder auf dem Tisch an der Riedfeld von Mitstudierenden wo ich echt gedacht habe was ein langweiliges dummes Bild.

00:12:45: und die Lehrerinnen sind ausgerastet.

00:12:48: Ah, was eine tolle Arbeit.

00:12:49: Ich hab's nicht verstanden!

00:12:52: Was ist daran toll?

00:12:53: Ähm... ich versteh es irgendwie nicht.

00:12:57: Und dann gab es so eine Situation, dass jemand hat Bilder mitgebracht.

00:13:02: Das ist so ne Geschichte, sondern eine Dote die ich gerne erzähle halt.

00:13:06: Da waren vielleicht so sieben Bilder und man hat eigentlich nur Fensterrahmen von innen gesehen.

00:13:14: Und der Lehrer guckt den Studenten an ... Ah ja, war's krank die letzte Woche.

00:13:21: Und dann sagt der Student so Ja genau ich hab das Haus nicht verlassen und er sagt ja tolle Arbeit!

00:13:27: Da ist so ein Groschen gefallen.

00:13:29: Aha es geht gar nicht darum irgendwie wie was aussieht oder so.

00:13:32: Oder dass sich jetzt eine bestimmte Majestätik oder Irgendwie der Erhaben halt transportiert sondern eher sowas wie Dass das Bild genau das sagt was ich damit sagen will.

00:13:47: vielleicht dass sich die Geschichte, die ich damit erzählen will.

00:13:50: Dass das Bild diese Geschichte erzählt und mehr brauche ich eigentlich nicht.

00:13:54: also genau Das ist jetzt natürlich kein Meisterwerk gewesen aber das war wie so.

00:13:59: es ist halt so eine Anekdote wo mir so ein Groschen gefallen ist Und dann hat das irgendwie auch funktioniert.

00:14:06: Also dann habe ich plötzlich gemerkt aha okay also es ist irgendwie vergiss doch mal die Ästhetik oder dieses.

00:14:13: Die Studierenden reden immer von, ich muss mir so ein Stil aneignen oder so.

00:14:17: Ich muss irgendwie meinen eigenen Stil finden.

00:14:19: Ich mal vergiss doch mal diesen Stil!

00:14:23: Also macht doch das was du erzählen willst und mach das gut und dann hast du am Ende schon deine eigene Art da drin weil wir sind alle unterschiedlich auch wenn wir uns ganz vielen Stellen ähnlich sind.

00:14:38: Und wenn das eben dann so eine ganz bestimmte Estetik mit der Großformatkamera ist, weil du das liebst die drei Stunden lang aufzubauen und irgendwie im Labor zu stehen.

00:14:47: Dann passt es bestimmt auch.

00:14:49: aber halt genau Nicht einfach als sozusagen preset oder so, ne?

00:14:54: Als Voreinstellung.

00:14:55: Oder German Photography und dann fallen uns immer alle gemeinsam die gleichen fünf Namen ein.

00:15:00: Genau!

00:15:01: Und das habe ich halt in der Riedfeld... Da haben sie mir halt gründlich den Kopf gewaschen.

00:15:05: Das fand ich ganz gut.

00:15:06: Und genau so unterrichte ich auch hier was glaube ich so ungewöhnlich ist also... Ich hatte gestern Unterricht.

00:15:17: eine Person, die bei mir studiert hat macht eine Arbeit mit Essen und genau, die beschreibt quasi mit Essen Leute.

00:15:24: Und gestern hat sie mich beschrieben und sie hat ne Zitrone mit geworden.

00:15:28: Ich finde

00:15:28: das passt ihm jetzt gut.

00:15:29: Sehr schön!

00:15:32: Genau es ist so.

00:15:34: Sie meinte irgendwie ich bin die Zitronen hier im Haus also die Säure oben auf dem Schnitzel drauf.

00:15:45: Ja mit dieser Haltung hast du dann weiter studiert und dann Abschluss gemacht.

00:15:50: Womit hast du deinen Abschluss gemacht und was gibt es da zu sagen?

00:15:56: Genau.

00:15:56: Ich würde mal behaupten, ich habe ganz interessante und nette Arbeiten gemacht vorher auch als Studierende aber meine Abschlussarbeit war eigentlich die erste, die wirklich interessant war.

00:16:08: Das war so... Also ich hab eine autobiografische Arbeit gemacht Literaturbegriffen handiert, dann ist es so eine Autofiktion gewesen.

00:16:18: Also ich habe Kurzgeschichten geschrieben und Bilder gemacht von mir selber und meiner Familie und von Orten und Dingen die mir wichtig waren zum Beispiel wo ich gewohnt hab auch.

00:16:30: aber ich habe.

00:16:33: sowohl die Kurzgeschichte als auch die Bilder entspringen echten Element aus meinem Leben so verstärkt, dass eine fiktive Geschichte draus geworden ist.

00:16:48: Also am Ende gibt es einen Charakter der bin ich auch nicht mehr wirklich.

00:16:54: und das war also ne Wandinstallation wo ich dann tatsächlich die Bilder habe wie... Es waren sehr viele sehr großformatige Bilder, ich weiß nicht ein Meter mal eins Fünfzig oder so.

00:17:06: Die hab' ich wie Tapete quasi, das war damals noch.

00:17:10: Es war damals noch nicht so ein Hype wie heute, dass man das so kennt.

00:17:13: Ständig überall diese Fototapeten.

00:17:17: Das waren wirklich auch so feiner Drucker und ich habe die aber an die Wand gekleistet.

00:17:20: und dann hab' ich mit so einer Schablone, die ich selber mit der Laser-Cutter geschnitten hab', die Texte so... ...an der Wand drauf kollagiert quasi.

00:17:29: Es war eine Wandkollage dann.

00:17:31: Bild und Text haben sich zum Teil überlappt, zum Teil waren sie halt einzeln.

00:17:36: Ich hab' quasi die Wand oder den Raum Blatt Papier verwendet oder so.

00:17:42: Und hab dann eben so einen Raum gefüllt mit diesen Geschichten, ja und damit da habe ich dann so ein Gefahr heißt die Arbeit also Lachen schallendes Lachen auf Deutsch und sie hat sich damals schon irgendwie mit dem Konzept von Weiblichkeit beschäftigt.

00:18:02: das habe ich erst paar Jahre später so deutlich formulieren wollen vielleicht genau Ich hab da halt bisschen Ja, so ein Bad Butch oder so instiniert.

00:18:15: Genau, bisschen aus dem abgerockten Milieu.

00:18:19: Es gab ganz viele Autos und Pistolen und irgendwie so Bilder ...

00:18:25: Okay, Bad Butsch?

00:18:26: Was ist ein Bad butch?

00:18:27: Also

00:18:27: ja, butch ist vielleicht Manns-Vibe auf Deutsch.

00:18:32: Und dann so, ja genau, was ich so ein bisschen derbe.

00:18:37: Dreckig.

00:18:38: Genau, das ist so eine Geschichte gewesen und die ... Da war ich für ein paar Preise nominiert und habe auch einen gewonnen damit.

00:18:48: Und dann nahm das so seinen Lauf.

00:18:50: Dann hab' ich ein kleines Buch daraus gegeben.

00:18:52: Ein Jahr später habe ich mit einer Freundin zusammen tatsächlich in so einem Stencyprint-Bucklet daraus gemacht... Also wie heißt es auf Deutsch?

00:19:07: Jetzt komme ich gerade nicht drauf.

00:19:08: Diese tolle Maschine, die in der Zeit dann so gehypt wurde wo man so einzelne Farben... naja ist auch egal.

00:19:17: Genau da habe ich jedenfalls ein Jahr später oder so noch einen Buch draus gemacht und genau dann war die Arbeit eben auf relativ... also die war wirklich so ja.. Ich hab dann so ein Jahr oder anderthalb Jahre lang einfach nur dieser Arbeit irgendwie gezeigt, so rumgehört die so rumgewandert, vor allem in den Niederlanden.

00:19:34: Dann hattest du deinen Stempel drauf für das was du so machst und dann muss aber ja die nächste Arbeit kommen?

00:19:41: Und wie sieht die denn aus?

00:19:43: nach dem Motto Die zweite Platte die man herausbringt muss da zeigt man was man wirklich kann.

00:19:48: Ja irgendwie so.

00:19:49: ne genau also das war ich weiß nicht.

00:19:51: es hat sich dann sowas entwickelt bei mir dass kann Ich gar nicht so sagen warum das so ist.

00:19:54: Aber ich mache immer so drei Jahreigen irgendwie Also quasi so Trilogien.

00:20:00: Also dreimal mache ich Arbeiten, die sozusagen so ähnlich sind.

00:20:05: Ich habe dann noch zwei weitere Arbeiten gemacht in einem ähnlichen Stil, die auch autofiktional waren und wieder mit Bildern an der Wand.

00:20:13: Und dann habe ich aber währenddessen schon ... quasi an dem Konzept für meine erste so richtige Archivarbeit gearbeitet.

00:20:24: Und da habe ich dann das erste Mal ein fettes Stipendium für bekommen, eine Jahresförderung von Mondry Anfons.

00:20:31: Du bist die ganze Zeit noch in Amsterdam in den Hinterlanden wohnengeblieben?

00:20:35: Ja,

00:20:36: halb-halb!

00:20:38: Das zieht sich auch so durch mein Leben, dass ich oft zwei Wohnorte habe oder mehrere Orte an denen ich mich viel aufhalte.

00:20:46: Ich war dann sehr viel in den Niederlanden und hab auch eine Atelier-Zeit lang da gehabt.

00:20:55: Der Start meiner Karriere... Also genau, ich komme aus der niederländischen Schule würde ich sagen.

00:21:01: Ja, relativ erfolgreich eben durch diese stipendien Landschaft gewandert und so.

00:21:08: Und hab irgendwie relativ viele Ausstellungen dort gehabt und tolle Sachen machen dürfen, Preise gewonnen.

00:21:21: Bis zu einem... Aber genau mein Partner hat immer in Bielefeld gewohnt.

00:21:28: Daher habe ich immer eine Base auch dort gehabt ... ganz lange, bis wir dann zusammen nach Berlin gezogen sind.

00:21:34: Genau.

00:21:37: Und an irgendeinem Punkt habe ich dann auch mal so gesagt, ey jetzt bin... ...ich eigentlich immer nur noch so zum Arbeiten in den Niederlanden und bin da privat irgendwie gar nicht mehr verankert.

00:21:46: Dann hab' ich irgendwie gesagt okay, jetzt mache ich die.

00:21:50: also jetzt höre ich auf, irgendwie da auch Stipendien anzufragen.

00:21:53: Also irgendwie war's dann so, ich hatte dann irgendwann das Gefühl es ist... Ich muss mal ein bisschen vielleicht zur Ruhe kommen, oder so.

00:22:02: Dann passt jetzt ja die Frage auch so ein bisschen?

00:22:05: Wie würdest du denn deine Arbeit beschreiben?

00:22:07: ... wenn dich jemand fragen würde wie ich zum Beispiel?

00:22:11: Genau, ich sag dann eigentlich ganz gerne dass ich mich als Geschichtenerzählerin verstehe.

00:22:17: So mit einem Storyteller und Fotografien sind eigentlich mein Zugang zur Welt.

00:22:27: Also genau, ich erklär mir nicht die Welt mit Fotografien.

00:22:32: Aber die sind oft sozusagen wie so.

00:22:36: viele Jahre lang haben sie mir wie so ein Türöffner gedient oder so.

00:22:40: Ich hab zum Beispiel einen Projekt gemacht über den Mann der gerne in seinen Klamotten badet und das sehr obsessiv getan hat und fünfzehn Jahre lang auch immer eine Kamera dabei hatte Christian.

00:22:53: Und der hat daraus eine Webseite gebaut.

00:22:55: und ich habe diese Webseiten gefunden, und weißt du was macht er da?

00:22:58: Ich wollte einfach heraus, also was zur Hölle geht da vor sich?

00:23:01: Ich hab es einfach nicht so richtig verstanden!

00:23:03: Ich hab so gedacht ah ich kann's mir vielleicht ein bisschen erschließen aber ja dann habe ich den angeschrieben und gefragt Also gesagt, wer ich bin und dass sich gerne eine Arbeit machen würde mit ihm und seinen Bildern.

00:23:19: Und ob er da Lust hat und dann war der voll begeisterte zu kommen.

00:23:21: Dann sind wir zusammen schwimmen gegangen paar Mal.

00:23:26: Ich hab ihn irgendwie halt kennengelernt und ausgefragt und so und habe dann ein Buch gemacht Aus den Bildern Mit Texten die ich geschrieben.

00:23:34: also ich habe genau seine Bilder verwendet und auch quasi sie mir auch angeeignet.

00:23:39: das ich habe die vom Bildschirm ab fotografiert weil ich die eben als Webseite sozusagen kennengelernt hatte, die Bilder.

00:23:47: Und hab dann Texte geschrieben über diese Treffen wo wir zusammen unterwegs waren.

00:23:54: Genau und irgendwie gibt's da so eine Verschmelzung von seinem und meinem Blick in den Bildern, die danach in dem Buch zu finden sind.

00:24:02: Also ich erzähle Geschichten und meistens über Leute.

00:24:08: also da ist immer so biografische Elemente drin Die handeln oft von Körpern.

00:24:13: Und die handeln auch im entfernten, also von Körperlichkeit und von vielleicht Normen oder so um Körperlichkeit drum herum... ...und ich befrag diese Normen!

00:24:29: sozusagen zuzuhören und Fragen zu stellen, die wir sonst immer so.

00:24:34: ach nee also genau früher hat man gerne so glaube ich meine Arbeit irgendwie oder habe auch selber diesen Begriff fetisch verwendet.

00:24:45: Und er wurde irgendwie viel verwendete.

00:24:48: aber ich streut mich total dagegen weil der halt eine ganz kaffe koloniale Geschichte hat.

00:24:54: Der wurde von den portugiesischen Seefahrern mitgebracht und ist ja eigentlich, also bezieht sich eigentlich auf Gläubigkeit.

00:25:04: Aber man hat sozusagen den Völkern abgesprochen eine Abstraktionsfähigkeit zu haben.

00:25:13: Also dass wenn man sozusagen den Gott im Stock anbetet... Ja egal das geht so sehr ins Detail.

00:25:19: Jedenfalls gibt es seine Also eine abwertende Konnotation, die diesen Begriff von Anfang an gleitet.

00:25:25: Und ich will das... also genau, deswegen habe ich sträubig mich dagegen.

00:25:30: Ich rede gerne dann schon darüber, weil es mir sozusagen Türöffner ist für die Kritik an Authoring.

00:25:37: Also andere als anders zu labeln und sie da deshalb auszugrenzen?

00:25:45: Genau!

00:25:45: Was ich eigentlich gemacht hab in den letzten zehn, fünfzehn Jahren Projekte zu machen über Leute, die aus vielleicht der konventionellen Perspektive ein bisschen anders erscheinen.

00:26:00: Die letzten Jahre habe ich so Filme gemacht und zum Teil auch der eine Film dauert auch vierzig Minuten für heutige Verhältnisse und aufmerksamkeitskapazität relativ lang ist.

00:26:12: Die sind auch ganz langsam und meditativ eher die Filme.

00:26:18: was ich damit machen will, ist sozusagen Raum geben um dieses als anders gelabelte von innen zu begreifen und zu verstehen ach so das ist ja gar nicht so komisch.

00:26:32: Also ich lasse mich halt darauf ein und die Projekte, die ich mache, die Arbeiten, die nehmen sozusagen.

00:26:40: also es sind immer irgendwie Orte die mir selber auch neu sind oder Personen die ich nicht kenne.

00:26:45: Und ich lasse mich drauf ein und wenn ihr sozusagen meine Arbeit in euch bis zum Ende anschaut, dann seid ihr sozusagen mit mir diese Kundungstour gemacht.

00:27:00: In der ich sozusagen versuche ja so mit Vorurteilen aufzuräumen Raum zu bieten für Komplexität für Menschlichkeit, für Ambivalenzen auch.

00:27:13: Dass Dinge nicht einfach nur gut und schlecht oder schlecht sein können sondern vielleicht ein bisschen bald ist.

00:27:20: Wie findest du denn dann so einen Christian zum Beispiel?

00:27:23: Oder wann hast du das Gefühl, dass es jetzt ...

00:27:28: Ja also das kann ich weiß ich gar nicht.

00:27:31: Vielleicht doch kann ich's doch beantworten aber eben nicht so klar sondern eher komplex.

00:27:37: Also auf der einen Seite ist es so wie auch die Wahl des Studiums oder den Berufswahl.

00:27:44: Es stellt sich gar nicht so richtig, die Frage manchmal.

00:27:48: Das ist dann irgendwie einfach klar aber natürlich hat das ganz viel mit Bauchgefühl zu tun und zwar eine Professionalisierung davon.

00:28:03: Ich hab im Studium mal so einen kleinen Film gemacht, da ist mir das vielleicht das erste Mal begegnet.

00:28:09: Da habe ich so eine kleine ... Weißte nicht?

00:28:13: Das war eigentlich so eine Performance gemacht.

00:28:14: Da kommt es mit der Körperlichkeit auch und der eigenen Person irgendwie das erste mal vor, wo's ein bisschen ... Ja, das war so'n Slapstick-Performance vor der Kamera.

00:28:25: Wo's aber dann auch wieder um so Normierungen ging und so genau was.

00:28:30: Und da hatte ich gemerkt, also beim Schneiden immer wenn ich lachen muss.

00:28:36: Wenn ich einen Schnitt mache und ich muss lachen dann ist das gut.

00:28:40: Das war irgendwie so... Also da ist es ein guter Schnitt und dann war das irgendwie so genau... Ich habe mich quasi meinen eigenen Körper und diese Empfindung wie als Geigerzähler oder so benutzt.

00:28:52: Dass sich sozusagen wir entscheiden jetzt dass was gut ist oder nicht oder das was interessantes auch für andere.

00:28:57: Und ja und ich hab diese Selbstbeobachtungen gelernt in dem Moment vielleicht.

00:29:03: Und ich glaube, das ist sowas was sich dann durchzieht.

00:29:06: also immer wenn wenn ich so eine Person oder also ich finde zum Beispiel diese Webseite und die mich reizt dass Ich verbringe da so einen ganzen Tag drauf und ich check es irgendwie nicht und ich arbeite mich da so rein und durch.

00:29:20: Also ich finde die im Rahmen von der Recherche für etwas anderes.

00:29:24: Wenn ich mit mir selber arbeite dann habe ich oft so ne Bildidee Google ich aber nochmal, dann habe ich mir Bilder angeguckt und so.

00:29:33: So als Inspiration vielleicht oder auch irgendwie umzuwissen was man nicht will Und in dem Rahmen hab' ich halt diese Wettlook-Bilder gefunden von Christian.

00:29:43: Und da vor hat sich eben noch nie so eine Archivarbeit gemacht Das heißt mit einem Sammelsorium quasi gearbeitet Aber die ist nicht mehr verschwunden aus meinem Denken und quasi der digitalen Schublade oder so.

00:30:01: Und irgendwann habe ich gesagt, nee jetzt ist es gut.

00:30:04: Jetzt muss ich irgendwie was Neues machen?

00:30:06: Da hatte ich auch keine Lust mehr immer mit mir selber zu arbeiten und so.

00:30:09: Ich mochte aber gerne dass er hat einen Witz in der Selbstdarstellung.

00:30:14: So ein Humor den ich mir selbst gegenüber in meinen autobiografischen Arbeiten auch hatte.

00:30:20: Daher hat mich das so angesprochen.

00:30:22: Und dann bin ich dem einfach nachgegangen, dann habe ich halt auch... Genau so habe ich das erste Mal ein Stipendium bekommen.

00:30:28: Ich hab dann gemerkt okay, das wird aber wenn ich das machen muss ist es irgendwie ein größeres Projekt da muss ich dahin reisen mehrmals.

00:30:36: Ich muss irgendwie Geld haben dafür und ich war so ne gerade vom Studium.

00:30:39: also ich war ein Jahr fertig glaube oder anderthalb oder so.

00:30:42: Ich habe noch nicht wirklich Geld verdient sondern irgendwie gekennert Genau, weil man ständig eine Ausstellung irgendwo gehabt hat aber nix verkauft.

00:30:54: Dann habe ich das erste Mal so einen großen Antrag geschrieben bei der Kunststiftung NRW damals und die haben mir jetzt Zehntausend Euro gegeben was damals also ja vor zehn Jahren irgendwie richtig viel Geld.

00:31:05: Und dann hab' ich da halt ein tolles Projekt draus machen können mit dem Geld Genau.

00:31:16: Zum Publizieren von dem Buch hab ich dann noch mal so ein großes Stipendium bekommen und so, von woanders

00:31:20: her.

00:31:21: Da schließt sich für mich direkt die Frage an, wenn man so viele Projekte macht, wann ist denn da ein Projekt fertig?

00:31:26: Wann ist eine Arbeit fertig?

00:31:28: Nie!

00:31:31: Nee tatsächlich, meine Arbeiten sind ... Also doch, die sind irgendwann fertig aber fertig sind sie für mich, also die sind dann irgendwie abgeschlossen und die sind auch tot.

00:31:41: Also ich weiß nicht genau.

00:31:43: Es gibt so was beschrieben wird als wenn die Arbeit dann im Museum hängt, ist sie halt eigentlich tot.

00:31:52: also die lebt dann irgendwie nicht mehr.

00:31:54: Aber ich kann das irgendwie nachvollziehen aber auch nicht weil ich gemerkt habe dass nehme meine Arbeiten solange ich die Ausstelle leben die verändern sich jedes mal Die sind jedes Mal anders.

00:32:11: Wenn ich die irgendwo anders zeige, dann zeige ich sie auch anders und so.

00:32:15: Also ich arbeite dann irgendwie weiter daran nicht so dass sich dann wirklich krass einen neuen Arbeit daraus machen würde.

00:32:21: aber ich habe eine Arbeitsweise die eigentlich wie ich am Anfang ja schon kurz gesagt hab da also das ich quasi die Wand als Papier verwendet habe diese Wandkollagen Ich arbeite mit den Räumen, ich denke sozusagen Bilder nie einfach nur als das ist das Bild und jetzt ist es fertig.

00:32:40: Sondern meine Arbeit entsteht eigentlich sozusagen die ist fertig im Raum.

00:32:45: also wenn sie in den Raum gebracht ist oder wenn ich ein Buch mache ja dann ist sie halt so dann ist das Buch dann so.

00:32:51: das ist dann der Raum genau aber ansonsten verändert die sich immer wieder.

00:32:57: also ich habe keine Arbeit jemals zweimal gleich gezeigt glaube Also, weil die Räume sind anders und ich gehe irgendwie auf die Rheume ein.

00:33:05: Und dann ... Ich denke manchmal auch Sachen einfach neu.

00:33:10: Die Arbeit von Christian zum Beispiel, da gibt es sechs Bilderrahmen, die ich so auf blauem Grund gezeigt habe.

00:33:16: Das ist eine total schöne Arbeit!

00:33:18: Aber ich hab sie irgendwann im Foto-Museum in Winterthur gezeigt.

00:33:22: Dann hab ich ganz umgedacht, denn der Kontext war ein ganz anderer.

00:33:26: Wir haben dann nur ein großes Bild gezeigt, was sich auf so ne quasi so eine LKW-Folio oder sowas, was nass werden kann.

00:33:36: Gedruckt hab und dann gab's dazu ein kleines Audiopies.

00:33:41: also genau es gibt die aber auch als Buch Und ich habe sie wie gesagt auch x mal gezeigt und irgendwie jedes Mal sah das auch anders aus.

00:33:51: Die wachsen so haben wir irgendwie so einen eigenen Leben.

00:33:58: bei den Filmen ist das ja vielleicht Nee, auch bei den Filmen ist das so.

00:34:03: Weil ich versuch dann die Filme halt nicht nur so als... Also wie das jetzt ja heute nicht so unüblich ist, dass man so Videoinstallationen hat.

00:34:13: Dass man quasi mitdenkt wo befindet sich die betrachtende Person eigentlich was wirkt sonst noch auf die Mitteilen und so?

00:34:20: Dass man halt ein bisschen ganzheitlicher denkt und sozusagen weniger in dem Medium als kleines Produkt oder so sondern Die Erfahrung vielleicht steht im Mittelpunkt mehr.

00:34:37: Die auch physische Erfahrungen, was er leh ... Also dass ich meinen Körper mitnehme.

00:34:42: Ich hab den ja dabei und ich denk den dann eben als Ausstellungsmachender halt auch mit.

00:34:49: Jetzt hast du seit ... ... die Professor für Fotografie an der Hochschule München Professor heißt oder er hat den Titel Fotografie und Identität.

00:35:02: Also das passt ja wie Faust aus Auge, hast du dich darauf beworben?

00:35:05: hieß die schon in der Ausschreibung so?

00:35:07: Ja genau die hieß so vorher.

00:35:10: Und äh Genau.

00:35:11: also ich habe den Auschreibungstext gelesen und ich hab so gedacht ahja ihr meint ja mich.

00:35:17: Also ich weiß nicht, das klingt ein bisschen überheblich.

00:35:20: So was hab' ich nie sonst!

00:35:23: Manchmal weiß man Dinge dann nicht.

00:35:25: Ich habe das nicht gewusst aber... ...ich habe es so gelesen und ich habe so gedacht... ...also normalerweise ließ man so einen Auschreibungstexten... ...und dann senkt man so check-check.

00:35:34: Nee, nee, nee.

00:35:35: Check-check also so dass man irgendwie okay die sind ja oft auch so umfangreich was sie alles haben wollen.

00:35:42: Und in dem Fall war ich halt wirklich so check check check.

00:35:47: Okay, also meint ihr mich oder was?

00:35:53: Was versteht denn die Hochschule München unter Identität und was verstehst du darunter.

00:35:58: Genau, was ich vorhin so gar nicht erwähnt habe, gehe ich noch mal auf meine eigene Arbeit vielleicht drauf ein ganz kurz um das zu illustrieren oder so.

00:36:06: Also ich hab ganz viel quasi-soziologische Elemente in meinen Arbeiten.

00:36:13: Die sind jetzt traben nicht wissenschaftlich daher, aber im Grunde genommen mache ich ganz viele gesellschaftliche Beobachtungen.

00:36:21: Und es gibt so ein Begriff der heißt teilnehmende Beobachung wo man sich quasi also wo die WissenschaftlerInnen Ethno... ja wie heißen sie jetzt?

00:36:32: Anthropologen, Ethnografen, sich quasi einer Gruppe anschließen und an den Handlungen teilnehmen weil Sie die Einsicht haben man kann sowieso nicht von außen.

00:36:45: Also man kann sowieso nicht, es gibt ja nicht den archimädischen Punkt.

00:36:49: Ich kann nicht von außen draufschauen und sozusagen also denke ich lieber gleich mit dass sich auch eine Perspektive habe selber Und genau diese Diese Elemente meiner Arbeit die waren hier erwünscht ausdrücklich so zu sagen also das man sich sozusagen mit dem Bild Mit der Rolle des fotografischen Bildes in dieser Situierung vom Identitätsdiskurs oder so beschäftigt.

00:37:20: Und genau das tut ja meine Arbeit, also sozusagen dieser Zugang zur Welt über die Bilder... Also ich sehe Bilder und ich versuche sie zu lesen, zu deuten, die Geschichten dahinter.

00:37:29: was hat es irgendwie mit mir zu tun?

00:37:32: Also weil meine Arbeiten sind auch immer quasi aus der Literatur können wir das aus der Ich-Perspektive nicht auktoriale sozusagen einen Erzähler der alles weiß sondern nehe ich.

00:37:43: Also ich zeige euch mit jedem Bild, dass ihr nicht ... Ihr seht die Realität.

00:37:48: Sondern ihr seht das was ich euch zeige durch meine Augen quasi, meine Kamera oder so.

00:37:53: Ich blende mich nicht aus.

00:37:55: Das Gegenteil von dem was jetzt vielleicht ein Becher-Ehepaar getan hat.

00:38:02: Die sozusagen voll diese sachliche... Meine Arbeit ist so ein Gegenargument.

00:38:09: Okay, das greifen natürlich sofort auf.

00:38:11: Das Gegenargument zur Bäckersten-Gralios ...

00:38:15: Na ja, genau!

00:38:18: Also mit wachsender Belesung und so traue ich mich auch zu sagen, dass sich sowas wie eine objektive Perspektive anzweifeln.

00:38:26: Also das ist sozusagen eine koloniale Perspektivie und auch ne beherrschende So.

00:38:32: Also es ist etwas was sozusagen ne universalisieren ist sich also die eigene Person und Perspektive auf die Welt ausblenden.

00:38:44: Und für universell erklären, mehr ist das nicht.

00:38:47: Ich lehne mich weit aus dem Fenster, ich weiß aber trau mich das jetzt einfach mal weil das nur aus der... Das ist was auch genau in meiner Arbeit und auch in meiner Lehremache dekoloniale Praktiken vermitteln.

00:39:02: Also es geht ganz viel um die Frage von Macht Macht Strukturen in unserer Gesellschaft und eben wie Bilder da reinverwickelt sind.

00:39:12: Absolut, zeitgenössischer könnte es ja gar nicht sein.

00:39:15: also wenn wir jetzt immer noch gucken Männer sind immer noch die mächtigsten und haben immer noch Die Machte der Hand usw.

00:39:21: Also aktueller geht's ja fast nicht.

00:39:25: Ja und großer Backlash?

00:39:27: Wir sind gerade im Turbo rückwärts gang.

00:39:29: eigentlich alles was sozusagen der Genderdiskurs All diese neuen tollen, auch dekolonialen und zum Teil ja in den USA gibt es auch nette Studies und so.

00:39:40: Also all das was man sozusagen erreicht hat irgendwie Auffluss zu geben darüber wie Macht- und Unterdrückung funktioniert und dass das vielleicht nicht so gesund ist und auch für alle Beteiligten nicht toll ist also inklusive der Männer oder männlich gelesenen Personen weil die auch in bestimmte Rollen gedrängt werden.

00:40:01: Also natürlich ist es immer noch ein bisschen leichter quasi aus der, mein Wort hat Gesetz Rolle zu sprechen.

00:40:07: aber vielleicht bin ich ja ein männlich gelesene Person, die überhaupt diese Eigenschaften gar nicht hat.

00:40:13: dann wird das von mir erwartet und dann ist das schmerzlich und dann macht das auch was mit mir.

00:40:19: also insofern genau das ist dann traurig wenn man sieht dass das dann alles zurückgebaut wird.

00:40:29: Genau, hier in Bayern darf man ja oft nicht mehr gendern und so.

00:40:32: Ja, aber es gibt dann offensichtlich auch die Seite, die das cool findet, die dass irgendwie wieder zurückdrehen möchte.

00:40:39: Es gibt ja auch diese Frauen, die ... Das wieder cool finden?

00:40:43: Die Tread Wife

00:40:44: Bewegung.

00:40:45: Dann wundere ich mich immer wie das geht.

00:40:47: Pass auf!

00:40:48: Ich sag dir ganz kurz, wir hatten's gerade gestern im Unterricht.

00:40:55: Hegemonie ist niemals mit reiner Gewaltausübung aufrecht zu erhalten.

00:41:01: Es funktioniert nur, wenn alle auch die Unterdrückten dieselben Moralen und Wertevorstellungen haben.

00:41:09: so wir sind alle Komplizinnen.

00:41:13: Deswegen ist es so wichtig sozusagen ja in allen möglichen Bereichen eben über diese Strukturen und Aufzuklären dass die Leute halt bergen.

00:41:22: achsch ich bin da.

00:41:23: also Ich bin nicht ich bin kein keine Rassistin.

00:41:29: Aber dennoch gibt es Momente, in denen nicht unsere gesellschaftlichen Narrative in meinem Kopf wiederhole und die sind voll rassistisch.

00:41:36: Also ich merk's dann noch nicht, okay warte was ist das jetzt gerade?

00:41:40: Was hier passiert?

00:41:42: Das ist kein genereller Rassismusvorwurf aber es gibt sozusagen bestimmte Geschichten und Stereotypen.

00:41:50: haben wir alle so oft gesehen und gehört dass man das aktiv verlernen muss.

00:41:56: Man kann das nicht einfach... mit Goodwill oder so.

00:42:00: Das ist auch Arbeit an sich selbst.

00:42:05: Woher kommt jetzt meine Annahme, dass die Person nicht Deutsch spricht nur weil sie eine dunkle Hautfarbe hat?

00:42:11: Man weiß doch das hier!

00:42:13: Wie viele zweite dritte Generationen?

00:42:16: weiss ich doch alles.

00:42:17: Trotzdem gibt es diesen ... hab ich neulich wieder beobachtet zu einer Situation.

00:42:23: Hat ein alter weißer Mann eine asiatisch aussehende Person auf Englisch angesprochen.

00:42:27: Und die fragt dann so wie bitte?

00:42:31: Ja!

00:42:32: Wo du so denkst, ja... Mach's einfach nicht.

00:42:36: Also reflektier es und dann passiert das halt auch nicht, genau.

00:42:53: Jetzt bezeichnest du dich selber als nonbinäre Person oder du bist eine nonbinärere Person.

00:43:01: Jetzt interessiert mich natürlich also ... Wie war das?

00:43:07: Wie wird man das?

00:43:08: oder wie ist man das sozusagen?

00:43:12: Das kann ich nur für mich beantworten, weil es glaube ich für jede Person auch unterschiedlich ist.

00:43:16: Also für mich war das so ein bisschen ... Ich war das immer und es gab halt keine Worte dafür vorher aber es gab einfach immer diese Abschlussarbeit, die ich gemacht habe, die sich irgendwie mit dem Konzept von Weiblichkeit auseinandergesetzt hat, wo ich einfach... Ich habe einfach reflektiert.

00:43:44: Okay das was sozusagen konventionell von Frau erwartet wird?

00:43:47: Das bin ich halt nicht!

00:43:49: Und nicht nur an einer Stelle sondern an X-Stellen so pass' ich da nicht rein.

00:43:54: und dann gibt ja also haben ja alle irgendwie wir durchleben eine Pubertät und dann weiß man nicht, dann sucht man und findet sich irgendwie zurecht und für manche ist es irgendwie einfach sich in den Rollen wiederzufinden und für andere ist es halt schwierig bis unmöglich.

00:44:13: Und für mich war das dann einfach, glaube ich so ein... Das ist wirklich... Also erst mal würde ich sowieso sagen, dass was fluid ist.

00:44:22: Irgendwas ist nicht in Stein gemeißelt.

00:44:25: Es verändert sich auch wie wir uns als Person... Was habe ich noch gemeinsam mit der Person von vor vormundzwanzig Jahren?

00:44:32: Das weiß ich ehrlich gesagt nicht so!

00:44:34: Also das ist natürlich irgendwie meine Vergangenheit, aber keine Ahnung.

00:44:40: Ich bin auch eine ganz andere Person.

00:44:42: einfach jetzt und jetzt nicht nur sozusagen genauso verändert sich, glaube ich geschlecht und vielleicht Lust oder Bedürfnisse oder was weiß ich?

00:44:53: Sexuelle Prägung.

00:44:53: also wie dich die Haare verändern über dein Leben verändert sich halt auch deine Persona Bedürfnisse, die du hast.

00:45:03: Egal was für eine Form sind es jetzt erotische oder also irgendwelche nach Nähe oder Wärme oder Zuneigung keine Ahnung oder vielleicht auch einfach ja wie viel man so arbeiten möchte am Tag.

00:45:13: Das ist alles ja in Bewegung ne?

00:45:14: Also wir sind...also die Welt ist ständig sozusagen in der Veränderung und so würde ich eben auch die Identität als etwas beschreiben.

00:45:23: Was eigentlich auch wieder das ist einfach ein Tool würde ich jetzt mal so behaupten.

00:45:26: In den meisten Stellen um Leute sozusagen im Jahr Beherrschbar zu machen.

00:45:32: Das ist jetzt so richtig hart, aber ein bisschen so stimmt das ja.

00:45:35: also ich kann dann in den pass schreiben So eine nationalität so einen geschlecht da da da und dann habe Ich halt Ja da so eine kategorien box mir zusammen gebastelt und Genau.

00:45:49: ich glaube aber eben dass das ja dass das alles in bewegung ist.

00:45:53: also wenn Keine Ahnung.

00:45:57: Menschen in den Vierzigern bekomme ich ja gerade so mit, weil ich selber auch da drin bin, dass die alles nochmal sich fragen.

00:46:03: Wo stehe ich eigentlich in meinem Leben?

00:46:05: Wer bin ich jetzt heute?

00:46:06: Will ich da sein oder was ist da einfach schief

00:46:08: gelaufen?"

00:46:10: oder so.

00:46:11: Und irgendwie ist das auch noch mal wie eine zweite Pubertät vielleicht, also da passiert einfach nochmal ganz viel und ich glaube das anzuerkennen und diese Freiräume zu schaffen für alle Menschen dass es nicht immer so ein Kampf sein muss, dass man sich halt verändern kann und darf und dass das in Ordnung ist.

00:46:27: Das fände ich halt schön.

00:46:30: Absolut, absolut!

00:46:31: Das hört sich auf jeden Fall nach einer Befreiung an sozusagen.

00:46:34: und wenn ich nochmal jung wäre würde ich auf jeden fall zu dir in den Unterricht kommen wollen an die Hochschule München.

00:46:42: Jetzt mal die Frage du hast ja jetzt schon verschiedene Sachen kennengelernt.

00:46:47: würdest du sagen es hat sich was verändert also von den Studierenden heute zu den Studieren gestern oder als Du selbst Studentin Studierende warst?

00:46:56: bisschen schwierig vielleicht, weil ich jetzt so... Ich habe halt Eindrücke aus Bielefeld was der NRW ist und dann also da hab' ich auch selber unterrichtet.

00:47:08: Die lässen drei Jahre vorher oder so Und dann Eindrücke so klar aus den Niederlanden aber das war eine Editeschule.

00:47:17: Da weiß ich dann immer nicht wie kann man das vergleichen?

00:47:20: Aber in München, so Bayern ist ja auch nochmal anders die sind sehr jung kommen viele direkt von der Schule.

00:47:29: Aber es gibt schon viele Leute, die so kritisch sind ... Ich find diesen fantastisch!

00:47:35: Die haben total Bock und sind voll motiviert und wollen irgendwie die Welt kennenlernen und bringen sich selber mit und Ideen und so.

00:47:46: Die sind super.

00:47:49: Was ich schon beobachten kann ist vielleicht eher sowas.

00:47:54: Was vermehrt wahrgenommen wird, ist dass die Studierenden für sich selber einstehen.

00:47:58: Also sie sagen ich kann heute nicht weil ... Ich hab grad mentale Probleme oder ich ... keine Ahnung, ich bin krank und so die sagen wie nee wir wollen.

00:48:11: also du musst ja wenn wir solche Themen besprechen wollen wir vorher eine Trigger Warnung.

00:48:15: Weil hier sind Betroffene im Raum und die können das vielleicht heute nicht aushalten werden über sexuelle Belästigung sprechen Und das finde ich ist was richtig Tolles.

00:48:25: Die sind irgendwie bewusster mit ihren eigenen Bedürfnissen vielleicht und auch die zu artikulieren, die lassen nicht mehr alles so mit sich machen.

00:48:34: Das find' ich auch gut.

00:48:36: So ne?

00:48:37: Die sagen so nö, so nich'.

00:48:41: Ich finde es halt eher etwas Positives.

00:48:44: Manche kritisieren das so, aber ich find's eher gut weil mein Gefühl ist dass wir in so ner Welt leben... ...die von uns ständig viel zuviel will.

00:48:55: Wir sind ja alle dauernd total gestresst, weil entweder wir haben zu viel Arbeit oder wir haben keine Arbeit.

00:49:02: Entweder oder es gibt keinen guten Mittelweg und irgendwie ist unsere Gesellschaft auch nicht darauf ausgelegten gutes Leben zu führen sondern irgendwie viel Geld zu schäffeln oder so.

00:49:11: ich weiß nicht also irgendwie... Da hab' ich so... da hadere ich gerade so mit.

00:49:17: Ich finde das gut wenn die halt ... sagen so ne, das ist uns einfach zu viel jetzt.

00:49:21: Also genau ich... Es ist dann manchmal auch schwierig weil gestern saß ich dann nur mit der halben Klasse da und ich so ja, da macht er Unterricht halt auch nicht mehr wirklich Sinn, weil wir bauen auf eine Hausaufgabe die dann die Hälfte auch wiederum nicht gemacht hat.

00:49:37: Sollte es passiert halt an auch?

00:49:38: Genau.

00:49:39: aber dann muss ich halt auch mal kreativ sein und da muss ich mir halt was ausdenken und dann muss sich die halt nochmal mehr motivieren und sagen hey komm also Gebt euch irgendwie einen Ruck, weil so halbe Sachen machen ist auch blöd.

00:49:52: Aber ja im Grunde genommen ist dieses Zeitmanagement, Stressmanagement kann man nicht früh genug lernen sonst also Burnout ist ja nicht aus Spaß gerade Volkskrankheit Nummer eins

00:50:09: Absolut.

00:50:11: Wie ist das in der Hochschule?

00:50:13: Begegnet ihr das bei den Studierenden auch die Frage nach der Identität, also nach der eigenen Identität und wie gehst du damit um und was wird dann angeboten sozusagen?

00:50:24: Also es gibt so verschiedene Kurse und Kursformate, die wir hier an der Hoch Schule haben.

00:50:29: Es gibt ja etwas wie eine Grundlehrer Ja genau wo alle hin müssen Das sind auch Pflichtfächer Und da mache ich so einen Kurs, der heißt andere Betrachten.

00:50:39: Da geht es quasi um genau diese Sachen.

00:50:42: Also alle Fotostudierenden müssen da einmal durch.

00:50:46: Wir machen ein Semester richtig Hardcore und da haben wir auch gestern ... ja doch gestern über Gewalt oder über Herrschaft und so gesprochen.

00:50:54: Also wir lesen dann Texte von Stuart Hall das Spektakel des anderen oder Audre Lord, Master's Tools und so.

00:51:02: Das genau!

00:51:03: Das mache ich mit denen ganz bewusst einmal, dass die alle sozusagen da... Ja, die müssen da einmal durch.

00:51:08: Egal was für eine Art von Fotografie sie später machen wollen oder wenn sie Autos fotografieren wollen sollen sie das gerne tun.

00:51:14: aber finde es kann nicht schaden, wenn jeder mal über Machtverhältnisse nachgedacht hat.

00:51:20: Genau und ansonsten bringen die das auch viel mit.

00:51:25: also genau dann so andere eben diese quasi freier gestalterischen Kursformate, wo... Ja die gestalte ich eigentlich so.

00:51:36: Es gibt immer so ein Thema und wir lesen auch paar Texte zu dem Thema dann und schauen einige Arbeiten an oder viele Arbeiten von halt Künstlerinnen, FotografInnen dazu.

00:51:51: aber die machen dann eben ganz freie Arbeiten und da kommt schon das eine oder andere mal.

00:51:56: also ja doch die beschäftigen sich schon alle zumindest in meinen Kursen dann auch häufig jetzt nicht unbedingt mit sich selber, aber irgendwie mit diesem Ja schon so.

00:52:08: ich also nicht Ich bezogen.

00:52:10: das hört sich dann immer so negativ an.

00:52:11: man kann ja eine Arbeit über sich selber machen zum Beispiel wie jetzt von Diana Marcosian oder so.

00:52:17: diese Vaterarbeit father.

00:52:19: Ich weiß nicht ob du die kennst ganz tolle Arbeit Die war gerade in all letztes Jahr.

00:52:24: die erzählt einfach die Geschichte von ihr und ihrem Vater Aber die ist natürlich trotzdem total universell.

00:52:31: Also ich kann, wir haben alle irgendwie Beziehungen zu Familienmitgliedern und da kann man sich dann auch darin widerspiegeln.

00:52:42: Ich sag den häufig so... Es hilfreich ist erstmal die eigene Perspektive zu verstehen und gucken eigentlich wer bin ich und wo komme ich her?

00:52:52: Und sich dann der Welt zu öffnen und andere Dinge erzählen zu können Also wie so ein Bewusstsein zu generieren.

00:52:59: Und dafür ist das Studium ja super, weil dann... Das ist ja noch nicht ne?

00:53:04: Da mache ich arbeiten und ich zeig die auch und so.

00:53:06: aber da muss ich jetzt halt noch nicht... also da kann ich mich einfach mal mit mir selber beschäftigen.

00:53:11: So in Ordnung.

00:53:13: Und irgendwann merken okay wenn ich jetzt das noch einen Schritt weiter drehe, dann spricht es gar nicht mehr nur von mir sondern dann spricht des halt von Beziehungen oder so.

00:53:25: Ja vielen, vielen Dank Lotte.

00:53:28: Jetzt zur Frage was gibt es ansonsten?

00:53:30: Denn die Ausstellungsankündigung mache ich dann im Nachgang in der Nachmoderation.

00:53:34: aber was gibt's ansonstem bei dir Neues?

00:53:37: und ansonstend bin ich ja natürlich gerade erst mal krass damit beschäftigt irgendwie diese neue Rolle zu finden und da reinzuwachsen.

00:53:47: Aber Ich arbeite auch seit vielleicht zwei Jahren oder so an so einem Langzeitprojekt.

00:53:53: Tatsächlich habe ich jetzt seit zwölf, dreizehn Jahren mich mal wieder auf mich selber besonnen.

00:54:01: Ich hatte eine kleine Krise auch mit der Fotografie und dem Arbeiten als Künstlerin.

00:54:10: Und ich hab mich irgendwann gefragt also wenn man so frei beruflich in der Kunst unterwegs ist, dann ist das relativ schwer damit Geld zu verdienen.

00:54:20: Ich habe keine Galerie aber selbst wenn man eine hat heißt es nicht unbedingt dass man Geld verdient damit.

00:54:26: und ich hab einfach jahrelang wahnsinnig viele Bewerbungen geschrieben für immer Stipendien und Fördergelder und so Töpfe und da muss man sich ja immer einen Antrag schreiben muss man sich so ein bisschen in so einen Firmchen pressen, weil die haben ja alle ihre eigene Agenda auch und man muss sie irgendwie mitbedienen.

00:54:46: Und ich war so richtig so ... Ich war ein bisschen bockig, glaube ich, und ich will grad nicht mehr.

00:54:53: Obwohl ich hab tolle Arbeiten gemacht, das ist nicht der Punkt!

00:54:55: Ich liebe die Arbeiten alle!

00:54:57: Die sind wichtig und so... Aber ich kann und will grad nichts mehr.

00:55:02: Ich muss mich mal auf mich selber konzentrieren gerade und was machen, was ich einfach für mich mache oder habe ich etwas angefangen?

00:55:10: Mit so einem Gedanken auch.

00:55:11: Also ich gar nicht weiß, ob ich das irgendwann jemandem mal zeige.

00:55:16: Genau und es ist eine relativ lange Recherche eigentlich zu Biografie und Umbrüchen und Loslassen.

00:55:27: und also genau die Arbeit ist ein bisschen geframed oder begleitet durch das Ableben meiner Eltern in den letzten... Meine Mutter ist vor acht Jahren gestorben, mein Vater vor zwei Und genau, das hat so ein bisschen mit diesem ja vielleicht auch.

00:55:43: Das ist das falsche Wort.

00:55:44: also erwachsen werden nicht aber somit sowas mit Ja so Ja so loslassen halt und auch vielleicht mit so Krisen.

00:55:53: Genau ich bin selber auch tatsächlich in die Krise gerasselt und genau Ich beschäftige mich so ein bißchen mit gesellschaftskritischen Überlegungen zu sozusagen zur Krise auf einer gesellschaftlichen Ebene, also Covid-Rechtsruck und so.

00:56:17: Individuelle Krise und Fotografie in der Krise sind vielleicht diese drei Aufhänger.

00:56:24: Da fließt meine eigene Geschichte mit der Geschichte der Welt ein bisschen zusammen.

00:56:31: Das ist noch gar nicht zeitgreif oder so aber ich habe irgendwie vielleicht so dreißig Bilder ... Und es gibt ein langes Manuskript und so eine Idee, einen Buch daraus zu machen.

00:56:44: Es gibt aber auch ein paar kleine Filmchen und so... Also das läuft irgendwie so nebenbei mit.

00:56:52: Das ist vielleicht auch so ne Idee also ... nicht aus der Krise Kraft zu schöpfen, aber zumindest das negative in was Positives zu verwandeln oder so.

00:57:02: Sehr schönes Schlusswort!

00:57:03: Vielen Dank vor allen Dingen als Frage formuliert.

00:57:05: es können sich ja die Hörer auch überlegen wie sie damit umgehen würden oder wie Sie das sehen und gerne mir eine Mail schreiben an podcastatfotografieneudenken.de.

00:57:15: Machen wir jetzt mal hier einen Punkt.

00:57:16: vielen vielen.

00:57:17: vielen dank lotte.

00:57:18: Es hat Spaß gemacht für die Grüße nach München Und wir sehen uns bei der Jury Sitzung.

00:57:24: Ja, danke Andi.

00:57:25: Hat mir sehr viel Spaß gemacht zu sprechen.

00:57:26: Ich freue mich auch schon auf die Sitzung und auf die Arbeiten natürlich, die alle eingereicht werden und zu sehen sind dann und so.

00:57:34: Toll schön!

00:57:36: Vielen Dank!

00:58:03: Unter dem Titel Landleben.

00:58:06: Alle Infos dazu natürlich auch in den Show Notes.

00:58:11: Ja, diese Episode ist wie gesagt schon etwas länger geworden aber ich hoffe es war nicht langweilig sondern eher kurzweilich.

00:58:19: und so weiter.

00:58:22: Auf eure Kommentare schreibt mir eine Mail und wenn ihr möchtet, eine Sprachnachricht per Mail an Podcastsat-Fotografien neu denken.de.

00:58:28: Und damit beendige ich heute die heutige Episode.

00:58:33: Danke fürs dabei sein und mitdenken!

00:58:35: Bitte bewertet meinen Podcast mit Sternchen am besten natürlich mit fünf.

00:58:39: Das rankt mein Podcast sehr viel höher.

00:58:42: Klickt auf die Glocke bei Spotify und Apple Podcast Dann werdet ihr automatisch benachrichtigt sobald eine neue Folge online ist.

00:58:52: Bis zum nächsten Mal.

00:58:53: Ciao ciao und bis

00:59:23: bald!

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